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Blicke auf das Leben eines Mathematikers

Filmvorführung auf dem Regensburger Campus


Pressemitteilung vom 6. Juni 2012

Am Donnerstag, den 14. Juni 2012, präsentiert die Fakultät für Mathematik der Universität Regensburg den Film „Late Style - Yuri Manin Looking Back on a Life in Mathematics“. Mit Agnes Handwerk wird die Autorin des Film bei der Vorführung um 17.00 Uhr im Hörsaal H 32 (Gebäude Mathematik) zu Gast sein.

Abgesehen von „A Beautiful Mind“ gibt es bislang wenige Filme über Mathematiker. Denn Mathematik gilt als eine Wissenschaft, die Hochleistungs-Denkarbeit erfordert, aber wenig Sichtbares zu bieten hat. Mit der Reihe „VideoMath“ versucht der Wissenschaftsverlag Springer, diese Lücke zu schließen. „Late Style“ ist die neueste Arbeit im Rahmen dieser Reihe. Der englischsprachige Film, der von Agnes Handwerk und Harrie Willems realisiert wurde, nimmt das Leben des bedeutenden russischen Mathematikers Yuri Manin in den Blick. Die persönliche und berufliche Entwicklung von Manin, der selbst an der Entstehung des Films mitwirkte, wurde immer wieder durch die Wirren des Kalten Krieges bestimmt, obwohl er sich bewusst aus politischen Auseinandersetzungen heraushielt.

Manin hat sein Leben und seine Kraft der Mathematik verschrieben. Er gehört zu dem Kreis bedeutender Mathematiker, die in den 1960er Jahren von Moskau aus die Algebraische Geometrie voranbrachten. Und dies unter schwierigen Bedingungen: Denn der internationale wissenschaftliche Austausch mit dem Westen war aus ideologischen Gründen begrenzt. An der Staatlichen Universität in Moskau beginnt Manin 1953 sein Studium. In jenem Jahr stirbt Stalin und die Sowjetunion öffnet sich vorsichtig dem Westen; die Zeit des Tauwetters beginnt. Manin ist 16 Jahre alt und erlebt die „Goldenen Jahre der Moskauer Mathematik“, die intensive Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schülern. Er wird wissenschaftlicher Mitarbeiter am Steklov-Institut und ist bereits mit 28 Jahren Professor für Algebra an der Staatlichen Universität.

Während der kurzen Phase des politischen Aufbruchs zwischen Ost und West erhält er 1967 noch die einmalige Gelegenheit eines Studienaufenthalts am Institut des Hautes Etudes in Bures bei Paris. Wegen seiner unabhängigen Haltung werden Manin allerdings in der Folge von den Sowjet-Behörden Beschränkungen auferlegt. Er kann nicht mehr in den Westen reisen, hält aber dennoch den Austausch mit Mathematikern wie Jean-Pierre Serre und Pierre Deligne aufrecht. Seine Energie legt er zudem in die Ausbildung seiner Schülerinnen und Schüler, von denen viele später zu bedeutenden Mathematikern werden.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nahm Manin den Ruf ins Direktorium des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn an. Dort lebt er mittlerweile mit seiner Frau Xenia Semenova. Yuri Manin versteht sich heute ganz bewusst als Kosmopolit und als freier Mensch mit einer Berufung: der Mathematik.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich zur Filmvorführung eingeladen; der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Film besteht die Gelegenheit zur Diskussion mit Agnes Handwerk.


Weitere Informationen unter:
http://www.uni-regensburg.de/verwaltung/medien/veranstaltungskalender/film-mathematik.pdf


Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Klaus Künnemann
Universität Regensburg
Fakultät für Mathematik
Tel.: 0941 943-2763
Klaus.Kuennemann@mathematik.uni-regensburg.de

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