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Regensburger Psychologen erforschen Aktualisierung von Gedächtnisinhalten

Kinder können noch nicht selektiv vergessen


Pressemitteilung vom 30. Januar 2018

Unser Gedächtnis muss ständig aktualisiert werden, um effektiv zu funktionieren. Entsprechend muss der Abruf irrelevanter oder veralteter Informationen (z. B. das alte Passwort) erschwert und der Abruf relevanter oder neuer Informationen (z. B. das neue Passwort) erleichtert werden. Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml (Lehrstuhl für Experimentelle und Angewandte Entwicklungspsychologie) und Dr. Oliver Kliegl (am Lehrstuhl für Experimentelle und Angewandte Entwicklungspsychologie) an der Universität Regensburg hat in einer experimentellen Studie untersucht, in welchem Alter sich diese Fähigkeit entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar junge Erwachsene solche Aktualisierungsprozesse absichtlich herbeiführen können, Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren dazu jedoch noch nicht in der Lage sind.

Die Regensburger Forschergruppe untersuchte in einem Experiment jeweils 40 Probanden im Alter von sieben, zwölf und 24 Jahren. Alle Probanden lernten dabei sukzessiv drei Listen mit unverwandten Begriffen (z. B. Pfeife, Berg, Ameise, Orange). Nach dem Lernen der zweiten Liste wurden sie in einer ersten Lernbedingung dazu aufgefordert, sich die beiden gelernten Listen zu merken, während sie in einer zweiten Lernbedingung einen selektiven Vergessenshinweis erhielten: Den Probanden wurde mitgeteilt, dass sie sich nur die erste Liste merken sollten und die zweite Liste vergessen dürften, da sie später nicht abgefragt werden würde. Im Anschluss an das Lernen aller drei Listen wurden die Probanden in einem Gedächtnistest dazu aufgefordert, möglichst viele der vorher gelernten Begriffe zu erinnern. Dazu gehörten auch die Begriffe, die sie zwischenzeitlich vergessen sollten.

Der selektive Vergessenshinweis führte bei den drei Altersgruppen zu unterschiedlichen Ergebnissen. So waren nur die erwachsenen Probanden in der Lage, dem Vergessenshinweis adäquat zu folgen. Für diese Altersgruppe zeigte sich ein Vergessenseffekt für die Wörter der zweiten Liste, während die Wörter der ersten Liste weiterhin gut erinnert werden konnten. Die zwölfjährigen Kinder konnten auch die Begriffe der zweiten Liste vergessen, jedoch zeigte diese Altersgruppe auch ein Vergessen der (weiterhin zu merkenden) Begriffe der ersten Liste. Die siebenjährigen Kinder konnten weder die Begriffe der zweiten noch die Begriffe der ersten Liste vergessen.
 
Die Befunde der Regensburger Studie weisen darauf hin, dass die Hemmungsmechanismen, die benötigt werden, um unwichtig gewordene Informationen selektiv zu vergessen, sich erst im Laufe der Adoleszenz vollständig entwickeln. So scheinen die zwölf Jahre alten Kinder zwar dazu in der Lage zu sein, die irrelevanten Informationen erfolgreich zu hemmen (und zu vergessen). Jedoch deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass sich bei Kindern in diesem Alter der Hemmungseffekt auf zuvor ebenfalls gelernte relevante Informationen ausweiten kann. Dies lässt sich als Hinweis werten, dass Kinder Gedächtnisinhalte noch nicht so selektiv aktualisieren können wie Erwachsene. Das könnte unter anderem Auswirkungen für den pädagogischen Kontext haben.

Die Studie ist online in der Zeitschrift „Journal of Experimental Child Psychology“ unter dem Originaltitel „Selective directed forgetting in children“ erschienen (DOI: 10.1016/j.jecp.2017.11.002)

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Kinder können Gedächtnisinhalte noch nicht so selektiv aktualisieren wie Erwachsene. Foto: Universität Regensburg, Referat II/2 – Kommunikation, Sarah Rohrer


Ansprechpartner für Medienvertreter:

Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml
Lehrstuhl für Experimentelle und Angewandte Entwicklungspsychologie
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-3818
karl-heinz.baeuml@ur.de

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