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Schlüsselqualifikationen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung
Diskrepanz zwischen "Umweltbewusstsein" und "Umweltverhalten"
Werte und Normen im Kontext pädagogischen Denken und Handelns
Berufliche Weiterbildungsabstinenz älterer Arbeitnehmer /-innen
Schlüsselqualifikationen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung
Leitung: Prof. Dr. Heid, Helmut
Mitarbeiter/in: M.A. Falb, Hubert; M.A. Gang, Byeong-Cheol; Dr. Kraft, Susanne; Dipl.-Päd. Kammerl, Rudolf
Beschreibung:
1974 aus arbeitsmarktpolitischen Gründen postulierte "Schlüsselqualifikationen" haben sich in den qualifikationstheoretischen und -politischen Diskussionen der letzten 10 Jahre zu einem bildungspolitischen "Sammelbegriff" entwickelt, in den Bestimmungen des klassischen Begriffs der "formalen" und "grundlegenden" Bildung ebenso eingegangen sind wie neuere Konzepte "sozialen Lernens" und "moralischer Erziehung". Neu ist außer der Benennung und der Kompilation traditionsreicher Momente bildungstheoretischen Denkens vor allem die Ansiedlung dieser Konzeption im Kontext beruflicher Qualifizierung. Eine Vielzahl insbesondere programmatischer Veröffentlichungen hat zur Verbreitung und allgemeinen Akzeptanz dieser Konzeption beigetragen und insbesondere lern- sowie transfertheoretische Analysen ausgelöst. Kaum untersucht ist demgegenüber die qualifikationsstrategische Funktion dessen, was mit "Schlüsselqualifikation" gemeint und gefordert wird. Genau diese Thematik steht im Zentrum des Forschungsprojektes, dessen erste, explorative - von der DFG geförderte - Projektphase abgeschlossen ist und zu der zwischenzeitlich mehrere Veröffentlichungen vorliegen. In einer zweiten Projektphase sollen die Ergebnisse einer sprach- und ideologiekritischen Analyse der Programmatik um eine Analyse der Begründungs- und insbesondere der Verwendungskontexte ergänzt werden. Wesentlicher Bestandteil dieses Vorhabens ist die empirische Untersuchung (Evaluation) der betrieblichen Realisierung propagierter Schlüsselqualifikationen.
Diskrepanz zwischen "Umweltbewusstsein" und "Umweltverhalten"
Leitung: Prof. Dr. Heid, Helmut
Mitarbeiter/in: Dipl.-Päd. Stier, Hermann
Beschreibung:
Das Thema "Umweltbildung" wurde bisher in einer Fülle von Abhandlungen unterschiedlicher Herkunft und Qualität bearbeitet. Nach teilweise bereits veröffentlichten Beiträgen zur kritischen Sondierung der ausufernden Diskussion, nach Untersuchungen insbesondere zur Klärung erkenntnistheoretischer und sachlogischer (naturwissenschaftlicher, wirtschaftswissenschaftlicher, rechtswissenschaftlicher und politikwissenschaftlicher) Voraussetzungen interessiert in diesem Arbeitsvorhaben gegenwärtig die Frage nach Gründen bzw. "Gesetzmäßigkeiten" zur "Erklärung" der vielfach nachgewiesenen Diskrepanz zwischen "Umweltbewußtsein" und "Umwelthandeln". Es wird davon ausgegangen, daß die erwähnte Diskrepanz nicht (primär) in mentalen oder charakterlichen Defiziten von Umweltakteuren, sondern in "Logiken" begründet ist, die etwas mit der gesellschaftlichen Arbeits- und Zuständigkeitsteilung und den darin begründeten Paradoxien und Rollenkonflikten zu tun haben. Als zentrale Dimension auftretender Konflikte und Paradoxien zwischen rollenbezogenen (Einzel-)Kalkulationsmustern und übergreifenden Umweltgesichtspunkten werden ökonomische Kalkulationsrationalitäten angenommen, wie sie sich innerhalb eines marktwirtschaftlichen Handlungsgefüges systematisch ergeben. (Vereinfachtes Beispiel: Als Erwerbstätiger in der Automobilindustrie ist jemand an raschem Modellwechsel und Verschleiß, als Käufer von Kraftfahrzeugen ist derselbe an der langen Haltbarkeit "seines" Automobils interessiert.) So wäre z. B. die aus dem skizzierten Ansatz ableitbare Frage zu prüfen, ob die auf diesem Feld pädagogischen Denkens und Handelns dominierenden Modalitäten moralischer Erziehung geeignet sind, zur Überwindung der thematischen Diskrepanz irgendeinen Beitrag zu leisten. Wir vermuten, daß (zumindest konventionelle) Konzepte moralischer Erziehung eher zur Erzeugung und Stabilisierung dieser Diskrepanz beitragen. Im angezeigten Projekt geht es vor allem um die Ermittlung pädagogisch beeinflußbarer Voraussetzungen, nämlich um Kompetenzen und Bereitschaften zur Organisation und Gestaltung von Handlungsbedingungen, -konstellationen und -strategien, die intra- und interindividuell kompatible "Nutzenkalkulationen" ermöglichen oder begünstigen.
Werte und Normen im Kontext pädagogischen Denken und Handelns
Leitung: Prof. Dr. Heid, Helmut
Mitarbeiter/in: Fink, Gabriele; Dipl.-Päd. Stier, Hermann; Zuchs, Klaus
Beschreibung:
In diesem Projekt geht es um die Fortführung der kritischen Sondierung von erziehungswissenschaftlichen Beiträgen zur Erörterung des "Normenproblems". Gegenstand kritischer Analyse sind insbesondere Arbeiten zum sogenannten "Wertewandel" in "der Gesellschaft" und daraus "abgeleitete" Schlußfolgerungen für Theorie und Praxis pädagogischen Handelns in unterschiedlichen und vielfältig zu differenzierenden Feldern (z.B. Schulen, Betrieben, Freizeitbereichen). Ein Akzent liegt auf der ideologiekritischen Analyse sogenannter "nichtfachlicher" Qualifikationen, die vor allem in Forderungskatalogen von Repräsentanten des "Beschäftigungssystems" eine zentrale Rolle spielen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der erkenntniskritischen Untersuchung normativer Voraussetzungen und Implikationen besonders aktueller pädagogischer Konzepte wie "Ganzheitlichkeit", "Offenheit", aber auch "Handlungsorientierung", "Gestaltungskompetenz" etc.
Leitung: Prof. Dr. Heid, Helmut und PD. Dr. Pollak, Guido
Beschreibung:
Wissenschaftstheoretische Diskussionen gehören seit der "realistischen Wendung" in der Erziehungswissenschaft zum Kern des erziehungswissenschaftlichen Diskurses. Wissenschaftsgeschichtlich lassen sich drei Entwicklungsstadien aufzeigen, die einen Wechsel in der Funktion wissenschaftstheoretischer Argumente für Grundlegung und Orientierung erziehungswissenschaftlicher Forschung anzeigen: In einer ersten Phase (Mitte der 60er-Jahre bis Mitte der 70er-Jahre) setzt eine breite Rezeption unterschiedlichster wissenschaftstheoretischer Ansätze ein, getragen von der optimistischen Erwartung, darüber Qualität, Effizienz und Praxisrelevanz erziehungswissenschaftlicher Forschung verbessern zu können. In einer zweiten Phase (Mitte der 70er-Jahre bis Mitte der 80er-Jahre) werden die z.T. überzogenen Erwartungen korrigiert und das Funktionsverhältnis auf ein realistisches Anspruchsniveau abgesenkt. Seit Mitte der 80er-Jahre geraten wissenschaftstheoretische Diskurse zunehmend unter Verdacht, zur Bewältigung erziehungswissenschaftlicher Forschungsaufgaben geradezu kontraproduktiv zu sein. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Geschichte wissenschaftstheoretischer Diskussionen in der jüngeren Erziehungswissenschaft mit Methoden empirischer Wissenschaftsforschung nachzuzeichnen und wissenschaftsinterne wie wissenschaftsexterne Gründe für die tatsächliche oder vermeintliche "Verfallsgeschichte" wissenschaftstheoretischer Argumentationen aufzuweisen.
Leitung: PD. Dr. Guido Pollak
Beschreibung:
Funktion und Standort der sog. "Allgemeinen Pädagogik" für und innerhalb erziehungswissenschaftliche(r) Forschung sind gegenwärtig höchst umstritten. Sehen einige Fachvertreter in ihr nur mehr ein funktionales Gliederungsprinzip im Gesamt der erziehungswissenschaftlichen Lehr- und Forschungssystematik (etwa neben der Historischen Pädagogik und der Vergleichenden Erziehungswissenschaft), so weisen ihr andere weiterhin die (traditionelle) Aufgabe zu, eine normative Theorie pädagogischen Denkens und Handelns darzustellen. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, aus der wissenschaftstheoretischen Perspektive des sog. Konstruktivismus den sich in dieser Kontroverse zeigenden Funktionswandel der "Allgemeinen Pädagogik" zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht dabei die These, daß deren Aussagen bezüglich Reichweite, Geltung oder Gegenstandskonstitution gegenüber anderen Teildisziplinen keine Priorität mehr beanspruchen können.
Berufliche Weiterbildungsabstinenz älterer Arbeitnehmer /-innen
Leitung: Prof. Dr. Helmut Heid
Mitarbeiter: Dipl. Päd. Wolfgang Gallenberger
Ältere Erwerbspersonen nehmen statistisch gesehen wesentlich seltener an beruflicher Weiterbildung teil als jüngere. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen, die weder miteinander noch mit bewährten Erkenntnissen beispielsweise entwicklungspsychologischer, sozialwissenschaftlicher und im besonderen weiterbildungstheoretischer Forschung vereinbar sind. Der Arbeit liegt eine von dem biologischen Alter abweichende, psychologisch wie soziologisch begründete Konzeption zugrunde, die Altern kontextrelativ als individuell-biographischen Prozeß auffaßt. Altern wirkt, wie erste Befunde zeigen, nicht wie bisher angenommen, generell hemmend auf die Weiterbildungsbeteiligung. Der Alternseinfluß wirkt selektiv auf Personen mit geringer Ausgangsqualifikation. Deren schwierige Arbeitsmarktsituation wird aber auf ihre "veraltete" oder "mangelnde" Qualifikation zurückgeführt. Anknüpfend an die bisherigen Befunde der noch jungen Forschungsrichtung "berufliche Weiterbildungsabstinenz" wird nach den speziellen Gründen älterer Arbeitnehmer für ihr Abstinenzverhalten gesucht. Da die Einschätzung, eine Weiterbildungsteilnahme sei sinnlos, in den jeweils betroffenen Beschäftigtensegment, mit zunehmendem Altern häufiger wird und zudem Befunde zur objektiven Situation älterer Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen diese Einschätzung als realistisch erscheinen lassen, wird folgende Annahme überprüft: Eine alternsbedingte berufliche Weiterbildungsabstinenz in tendenziell weiterbildungsfernen Segmenten der Erwerbsbevölkerung entsteht, weil die Wahrnehmung der eigenen Erwerbssituation zur Einschätzung, ein weiterer Qualifikationserwerb sei sinnlos, führt. Diese Hypothese soll in ca. 15 Fallanalysen auf der Grundlage von Einzelinterviews im Arbeitsamtsbezirk Regensburg geprüft werden.
Phase 1 (Az He 1158/4-1)
Leitung:Prof. Dr. Helmut Heid
Mitarbeiter:Dipl. Päd. Christian Harteis
Projektzeitraum: April 1999 bis September 2001
Die Bedeutung der Humanressourcen für den Erfolg eines Unternehmens haben spätestens seit den 80er Jahren zunehmende Beachtung gefunden. Ihren Niederschlag fand diese Entwicklung in einer verstärkten Ausrichtung betrieblicher Organisationsentwicklung an den Mitarbeitern der Unternehmen. In dem Maße, in dem die Bedeutsamkeit der geistigen Fähigkeiten von Mitarbeitern erkannt wurde, steigerten sich die Bemühungen der Unternehmen, erstens die für die betriebliche Aufgabenerfüllung relevanten Kompetenzen möglichst umfassend abzurufen und zweitens ihren Mitarbeitern den Erwerb notwendiger Kompetenzen zu ermöglichen. Aktuelle Ansätze verfolgen z.B. unter dem Schlagwort "lernende Organisation" das Ziel, durch partizipative Strukturen möglichst kompetenzfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das Projekt untersucht am Beispiel zweier deutscher Großunternehmen die Bedingungen, unter denen es nachweislich möglich erscheint, die betriebliche Arbeit so zu organisieren, daß sie ökonomischen und pädagogischen Erfordernissen gerecht wird. Es gibt eine umfangreiche Diskussion über die Gültigkeit der Konvergenzbehauptung, jedoch ist dieser Themenkomplex bislang empirisch nicht untersucht. In dem Projekt wird die prinzipielle Gültigkeit der Konvergenzthese behauptet, allerdings wird gleichzeitig davon ausgegangen, daß in der betrieblichen Praxis Bedingungen vorherrschen, die eine Realisierung der Konvergenz pädagogischer und ökonomischer Prinzipien verhindern. Wir vermuten, daß die Vorstellungen über zentrale Begriffe der Personalentwicklung zwischen den verschiedenen betrieblichen Hierarchiestufen differieren, und daß diese Differenzen die Umsetzung des Konvergenzprinzips wesentlich beeinflussen. Um diese Vermutung empirisch überprüfen zu können, werden in der ersten Projektphase mittels einer Delphi-Studie Interpretationsdifferenzen zu zentralen Begriffen der Personalentwicklung (Sozialkompetenz, Verantwortungsbereitschaft, Selbständigkeit, Lernfähigkeit) erhoben.
Phase 2 (Az He 1158/4-2)
Leitung: Prof. Dr. Helmut Heid / Prof. Dr. Hans Gruber
Mitarbeiter: Dipl. Päd. Christian Harteis / cand. phil. Johannes Bauer
Projektzeitraum: September 2001 bis September 2003
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Diskussion über die Konvergenz ökonomischer und pädagogischer Prinzipien betrieblicher Personalentwicklung auf eine empirische Grundlage zu stellen und dabei die Bedingungen der Konvergenzannahme zu überprüfen. In der ersten Projektphase (1999-2001) erarbeitete Befunde auf einer programmatischen Ebene werden in der zweiten, jetzt beantragten Projektphase in weiteren Untersuchungen auf der Ebene betrieblichen Handelns differenziert analysiert. Dabei werden drei Fragestellungen verfolgt: (1) Welches sind die Bedingungen individuellen Kompetenzerwerbs am Arbeitsplatz? Zur Analyse des Zusammenhangs zwischen Kompetenzerwerb und Arbeitstätigkeit werden epistemische Überzeugungen sowie die Wahrnehmung günstiger Motivationsbedingungen untersucht. (2) Wie wird im betrieblichen Arbeitsalltag auf das Auftreten von Problemen reagiert? Hier fokussiert das Projekt auf den Umgang mit Fehlern sowie die Übernahme oder Ablehnung von Verantwortung. (3) Wie gelingt das Zusammenspiel individueller und betrieblicher Interessen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten? Hierzu werden Lösungsstrategien bei der Bearbeitung von ökonomisch-pädagogischen Dilemmata analysiert, die von den Versuchspersonen in der ersten Projektphase generiert wurden. *Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft