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Projekte

Hier finden sich Informationen zu den laufenden Projekten vornehmlich aus Drittmitteln unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Scheuringer. Das Forschungszentrum Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (FZ DiMOS) ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften (SLK) der Universität Regensburg. Projekte, die (auch) in dieses Forschungsfeld fallen, sind (auch) dort zu finden.


ATLAS DES DEUTSCHEN IN TSCHECHIEN

Atlas der historischen deutschen Mundarten IN der Tschechi­schen Republik

Leitung: Prof. Dr. Hermann Scheuringer

Hauptbearbeiterinnen: 

  • Mag. Dr. Renée Christine Fürst, MA (im Teil 1, Südmähren, an der Universität Wien)
  • Dr. Astrid Christl-Sorcan (im Teil 2, Südböhmen, an der Universität Wien, und im Teil 3, Bearbeitung, an der Universität Wien bis 31.12.2010, dann an der Universität Regensburg)

Finanzierung: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), Wien Laufzeit: 1. 9. 2000 – 31. 8. 2003 (Teil 1), 1. 7. 2005 – 30. 6. 2008 (Teil 2), 1. 11. 2008 - 31. 10. 2014 (Teil 3)


Das Projekt "Atlas der historischen deutschen Mundarten auf dem Gebiet der Tschechi­schen Republik (ADT)" ist ein internationales Gemeinschaftsunternehmen von WissenschaftlerInnen, Universitäten und Forschungsförderungsorganisationen in der Tschechischen Republik, in Deutschland und Österreich. Das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in Wien geförderte Teilunternehmen ist mit dem Wechsel von Prof. Scheuringer an die Universität Regensburg transferiert worden, wurde aber weiterhin vom FWF finanziert. Das bundesdeutsche, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Teilprojekt ist seit Beginn des Gesamtprojektes an der Universität Regensburg beheimatet.

Die unmittelbaren Projektziele sind:

  • Erforschung und Dokumentation der deutschen Mundarten Böhmens und Mähren-Schlesiens mittels Befragung von Personen aus der nach dem Zweiten Weltkrieg dort verbliebenen deutschsprachigen Bevölkerung, solange dies noch möglich ist
  • besondere Betrachtung tschechischer Einflüsse in den deutschen Dialekten und damit sprachliche Dokumentation des Zusammenlebens von Deutschen und Tschechen

 
Forschungslage

Das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik stellte bis 1945 einen Raum intensiver sprachlicher Kontakte zwischen dem Deutschen und dem Tschechischen dar. Die dialektologische Erforschung der deutschen Sprache in Böhmen und Mähren-Schlesien hing an wenigen herausragenden Persönlichkeiten wie Ernst Schwarz und Franz Josef Beranek und gipfelte in Schwarz‘ "Sudetendeutschen Sprachräumen" von 1935. Auch die ab 1936 erschienenen Karten des Deutschen Sprachatlas und des Deutschen Wortatlas beziehen das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik mit ein. Die Lexik wird vom "Sudetendeutschen Wörterbuch" bearbeitet.

Eine detaillierte Bestandsaufnahme und Beschreibung der deutschen Mundarten in den böhmischen Ländern kam jedoch nie zustande. Was vielen in den Jahren zwischen 1945 und 1989 aufgrund der politischen Situation unmöglich schien, ist nach der großen politischen Wende in Europa wieder in den Bereich des Möglichen gerückt, und auch die verbliebene deutschsprachige Bevölkerung in der Tschechischen Republik ist zahlenmäßig groß genug, um eine große sprachwissenschaftliche Enquete zu rechtfertigen. Dies jedenfalls ist die Erkenntnis aus den in den letzten Jahren vorerst von Bayern und Österreich aus – im Rahmen des "Bayerischen Sprachatlas" und des "Sprachatlas von Oberösterreich" – in der Tschechischen Republik bei "Verbliebenen" durchgeführten Dialektaufnahmen.

 
Forschungsziel

Vorrangiges Ziel ist es, die deutschen Mundarten Tschechiens, wie sie mit ihren letzten Sprechern jetzt noch greifbar sind, zu dokumentieren und zu beschreiben. Innerhalb der nächsten Jahre ist mit dem endgültigen Erlöschen des Deutschen in der Tschechischen Republik zu rechnen. Die Sprache der verbliebenen deutschen Muttersprachler ist auf weiten Strecken konservativ bis archaisch, meist stehen geblieben auf dem Stand von 1945.

Für die Sprachwissenschaft, d. h. insbesondere die deutsche Mundartforschung ist die Erforschung der angrenzenden deutschen Dialekte, die gleichsam zeitversetzt ältere Zustände der eigenen Mundarten repräsentieren, von großer Wichtigkeit für die Erforschung auch dieser eigenen Mundarten.

 
Methodik

Das Unternehmen ADT sieht sich in der Tradition der so genannten "oberdeutschen Kleinraumatlanten", die dort erprobte und angewandte Methode wird ebenso übernommen wie der größte Teil des seit langem bewährten Fragenkatalogs.

Im oberdeutschen Raum arbeiten germanistische Linguisten seit über 50 Jahren an dialektologischen Atlasunternehmen der "zweiten Generation". Diese Sprachatlanten werden, alle grammatischen Ebenen umfassend, durch direkte Befragung vor Ort und mit einem engen Ortsnetz erhoben. Der dabei verwendete Fragenkatalog wird an die jeweils spezifische Situation angepasst und so ist auch für das Projekt ADT in Anlehnung an das für den "Bayerischen Sprachatlas" sowie für den "Sprachatlas von Oberösterreich (SAO)" verwendete ein eigenes Fragebuch erstellt worden. Anpassungen waren vor allem deshalb notwendig, weil das Untersuchungsgebiet des ADT auch mitteldeutsche Mundarten einschließt und der tschechisch-deutsche Sprachkontakt in angemessener Weise thematisiert werden soll. Der Fragenkatalog für den ADT existiert als 2-bändiges Fragebuch mit 2960 Fragen für Vollaufnahmen und als Kurzfragebuch mit 865 Fragen für Kurzaufnahmen.

Das Untersuchungsgebiet wird durch einen genau definierten Raster in 600 Planquadrate aufgeteilt, in denen nach Möglichkeit jeweils eine Aufnahme gemacht worden ist. Eine Vollaufnahme war für jeden vierten Ort vorgesehen. Die Befragung fand durch ausgebildete Sprachwissenschaftlerinnen statt, die die Antworten der Gewährsleute in einer Variante der Teuthonista-Transkription aufzeichneten und Teile des Erhebungsgesprächs auf DAT-Kassetten aufnahmen. Seitdem werden die erhobenen Daten kodiert und EDV-ge­stützt ausgewertet.

 

Publikationen

Unmittelbar aus der Arbeit am FWF-geförderten Teilprojekt des ADT ist die Dissertation von Renée Fürst hervorgegangen:

 

Renée Christine FÜRST, Deutsch(e) in Südmähren. Historischer Hintergrund, aktuelle Situation und dialektale Merkmale. Regensburg: edition vulpes 2005. (= Regensburger Dialektforum 6)
 

Atlasveröffentlichung

Der Publikationsplan ("Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien"; Herausgeber: Armin Bachmann, Albrecht Greule, Mojmír Muzikant und Hermann Scheuringer; Francke Verlag, Tübingen) sieht vor:

 

Band 1, Einführung, von Armin Bachmann

Band 2, Lautlehre 1: Kurzvokale, von Monika Rosenhammer, Alois Dicklberger und Daniel Nützel. ERSCHIENEN.

Band 3, Lautlehre 2: Langvokale und Diphthonge, von Monika Wese. ERSCHIENEN.

Band 4, Lautlehre 3: Konsonanten, von Katrin Simet. ERSCHIENEN.

Band 5, Morphologie und Syntax, von Astrid Christl-Sorcan

Band 6, Lexik 1: Pflanzen und Tiere, von Marek Halo und Richard Rothenhagen. ERSCHIENEN.

Band 7, Lexik 2: Der Mensch und seine Umgebung, von Armin Bachmann, Marek Halo, Mojmír Muzikant und Richard Rothenhagen

 

Zum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Teilprojekt (Leitung: Prof. Dr. Albrecht Greule) siehe: http://www-adt.uni-regensburg.de/


SPRACHATLAS VON NORDOSTBAYERN

Sprachatlas von Nordostbayern (SNOB)

Leitung: Prof. Dr. Hermann Scheuringer (seit 01.10.2011)

Mitarbeiterin: Elisabeth Wellner M.A.


Allgemeines

Das Projekt „Sprachatlas von Nordostbayern“ (SNOB) ist Teil des bayernweiten Projekts Bayerischer Sprachatlas (BSA). Dieses besteht aus den Teilunternehmen „Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben“ (Augsburg), „Sprachatlas von Niederbayern“ (Passau), „Sprachatlas von Oberbayern“ (Passau) mit einem in München entstandenen Ergänzungsband zur Sprachregion München, „Sprachatlas von Mittelfranken“ (Erlangen), „Sprachatlas von Unterfranken“ (Würzburg) sowie dem „Sprachatlas von Nordostbayern“ (Regensburg) für die Regierungsbezirke Oberpfalz und Oberfranken.

  

Geschichte

Das Projekt SNOB und der Bayerische Sprachatlas als Ganzes sind untrennbar mit dem Namen Robert Hinderling verbunden. Er hatte 1982 an der Universität Bayreuth die Idee zu einem bayerischen Sprachatlas, der sich in die genannten Teilunternehmen aufteilt. Prof. Dr. Hinderling übernahm dabei die Leitung des SNOB. Leider konnte gerade der Ideengeber des Gesamtprojekts, der nach längerer schwerer Krankheit im Juli 2011 verstarb, den Sprachatlas von Nordostbayern nicht selbst vollenden.
Nachdem die Arbeiten am Sprachatlas von 2005-2011 geruht hatten, wurde im Oktober 2011 das gesammelte Material vollständig von der Universität Bayreuth an die Universität Regensburg überführt. Dort soll der SNOB nun vom jetzigen Projektleiter Prof. Dr. Hermann Scheuringer und dem Projektteam zu Ende geführt werden. Die Fertigstellung des SNOB wird zu drei gleichen Teilen durch die Universität Regensburg und durch die Bezirke Oberpfalz und Oberfranken finanziert, bei Letzterem zu einem Fünftel durch die Bezirksverwaltung und zu vier Fünfteln durch die Oberfrankenstiftung.

Untersuchungsgebiet und Methodik

Das Untersuchungsgebiet umfasst die Regierungsbezirke Oberpfalz und Oberfranken sowie kleinere Gebiete in dialektal angrenzenden Räumen in Tschechien und Thüringen. Außerdem sind in Randgebieten Sachsen (Vogtland) und Mittelfranken jeweils mit einem Erhebungsort vertreten.
Insgesamt wurden in 516 Orten Spracherhebungen durchgeführt. Dabei interviewte man während der Erhebungsphase von 1987 bis 1998 insgesamt 1572 Gewährspersonen (die 1572 Befragten setzen sich zusammen aus 837 Personen aus der Oberpfalz und 735 Personen aus Oberfranken sowie den anderen Gebieten; von den 1572 Befragten waren 623 Frauen).

Ziele

Der SNOB ist unter den sechs Sprachatlanten des BSA als einziger noch nicht abgeschlossen worden. Daher ist die Fertigstellung des SNOB das oberste Ziel des Projekts an der Universität Regensburg.

Alles Weitere ist obligatorisch mit dieser Prämisse verknüpft.

Grundsätzliche Ziele waren bzw. sind:
• Dokumentation der bodenständigen Basismundart im Untersuchungsgebiet durch Befragung geeigneter Gewährspersonen mittels Fragenkatalog
• Falls noch nicht geschehen, Digitalisierung, Analyse und schließlich Visualisierung des Materials (unter anderem Tonbandaufnahmen; 348 schriftliche Vollaufnahmen, bei denen der komplette Fragenkatalog abgefragt werden konnte, und 91 Teilaufnahmen) bzw. der Forschungsergebnisse auf Sprachkarten
• Schaffung einer fundierten Forschungsgrundlage für künftige Forschergenerationen im Bereich der Regierungsbezirke Oberpfalz und Oberfranken bezüglich dialektologischer Einzeluntersuchungen

Aktueller Stand des Projekts zum Jahresende 2017:

Derzeit befindet sich Band 2 „Langvokalismus und Konsonantismus“ des SNOB in Bearbeitung. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits 115 Sprachkarten im Bereich Vokalismus und 48 im Bereich Konsonantismus fertiggestellt. Davon wurden elf ausschließlich textlich abgehandelt. Der Band wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2018 erscheinen. Band 3 zur Formengeografie ist noch in der Planungsphase. Schließlich sind die insgesamt 1096 Tonbandaufnahmen inzwischen vollständig digitalisiert worden.

Publikationen

Hinderling, Robert [Hg.]: Sprachatlas von Nordostbayern. Lautgeographie I. Verbreitung der mittelhochdeutschen Kurzvokale. Heidelberg 2004 (= Bayerischer Sprachatlas. Regionalteil 4, Bd. 1)
Schmuck, Johann: Einführung. Heidelberg 2014. 396 S.
Band 2: Langvokalismus und Konsonantismus (in Bearbeitung)
Band 3: Formengeographie (in Planung)
Band 4: Wortgeographie (in Bearbeitung als Dissertation)


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  1. Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
  2. Institut für Germanistik

Professur für Deutsche Sprachwissenschaft

 

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