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Tagungen

Die Forschungsstelle veranstaltet regelmäßig Fachkonferenzen. Kern der Tagungstätigkeit ist die ab 2015 jährlich stattfindende Intensivkonferenz. Ziel dieses neuen Formats ist es, den auf wissenschaftlichen Tagungen üblich gewordenen Vortragsmarathon zu reduzieren - mit Rücksicht auf die thematische Kohäsions- und die teilnehmerische Konzentrationsfähigkeit.

Die Tagungen des Jahre 2017 finden Sie nachstehend, ältere Tagungen unter folgenden Links:


17tag Poster3
Intensivkonferenz 2017

Kollektive und Kollektivkonzepte unterschiedlicher Weltregionen

Organisator: Boike Rehbein
Veranstalter
: Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft
Zeit: 10.11.2017
Ort: Universität Regensburg, Haus der Begegnung, Hinter der Grieb 8, 93047 Regensburg
Teilnahme: kostenlos
Anmeldung: bitte bis 02.11.17 an jan.marschelke(at)ur.de


Konzept

Die Soziologie der Gruppe und des Kollektivs war eine wichtige Unterdisziplin der Sozialwissen-schaften von Durkheim und Tönnies bis zum Zweiten Weltkrieg. Seither ist das Thema in den Hinter-grund gerückt – und mit ihm eine ganze Subdisziplin. Gleichzeitig ist die Frage nach dem Kollektiv in vielen Gesellschaften des globalen Südens höchst aktuell. Einerseits provoziert der Auf- und Ausbau nationalstaatlicher Institutionen die Abgrenzung und Mobilisierung von Minderheiten innerhalb des Nationalstaats, andererseits spielen ältere, lokale Formen des Kollektivs eine wichtige Rolle.

Die Tagung soll eine Brücke zwischen der europäischen Gruppensoziologie und der Erforschung von Kollektiven im globalen Süden schlagen. Dabei steht die Frage nach dem Verhältnis zwischen einem allgemeinen Gruppenbegriff und lokalen Formen des Kollektivs im Vordergrund. Gibt es allgemeine Charakteristika von Kollektiven? Wie verhalten sich die sozialen Ontologien der Regionen zu den tatsächlichen Strukturen? Ändern sich die Formen der Selbstdefinition und Abgrenzung mit den gesellschaftlichen Strukturen? Sind alle Formen des Kollektivs letztlich nur kontextuell zu verstehen?


Programm

Vormittag:

  • 09:00 h: Begrüßung
  • 09:15 h: Local collective structures and neoliberal transformation in Japan
    (Kie Sanada, Tübingen)
  • 10:00 h: Social structures and sociocultures in contemporary China
    (Lumin Fang, Berlin)
  • 10:45 h: Kaffee
  • 11:15 h: Milieus und Kollektive in Deutschland
    (Christian Schneickert, Magdeburg)
  • 12:00 h: Kollektiv und Individuum im urbanen Kenia des 21. Jahrhunderts. Soziale Milieus in den „Mittelschichten“
    (Florian Stoll, Bayreuth)
  • 12:45 h: Mittag

Nachmittag:

  • 14:15 h: Kollektive, Ungleichheit und soziale Strukturen in Lateinamerika
    (Karina Maldonado; Berlin/Adrian Scholz; Berlin/Mexico City)
  • 15:00 h: Kaste und Kollektiv in Indien
    (Boike Rehbein, Berlin)
  • 15:45 h: Kaffee
  • 16:15 h:  Das animistische Kollektiv. Zur ontologischen Gegenseitigkeit von Menschen und Geistern in Thailand
    (Benjamin Baumann, Berlin)
  • 17:00 h: Brüche und Persistenzen in Kambodschas kollektiver Ordnung
    (Daniel Bultmann, Duisburg/Berlin)

Jfr-logo
JFR-Nachwuchstagung

"Recht und Moral als soziale Praxis?"

Programm (bitte scrollen):

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Konzept/Ausschreibungstext

Aus Sicht des sogenannten practice turn sind Recht und Moral ausschließlich oder primär soziale Praktiken. Eine entscheidende Innovation besteht darin, den Menschen nicht länger abstrakt als autonomes, vernünftiges Subjekt mit innerem moralischen Kompass zu begreifen, sondern als körperliches Wesen, das auf habituelle Weise mit lokalen sozialen und materiellen Umwelten interagiert. Hinter dem practice turn stehen verschiedene Arbeiten, z.B. von Foucault, Butler, Bourdieu, Taylor, Schatzki und Brandom. Für die Anwendung praxeologischer Konzeptionen auf Recht und Moral könnte man folgende Argumente anführen: Indem der Mensch als körperliches und habituelles Wesen begriffen werde, komme die Erklärung von Recht und Moral ohne substantielle metaphysische Vorannahmen aus. Sowohl tradierte Rechts- und Moralvorstellungen als auch traditionelle Konzeptionen von Normativität ließen sich auf dieser Grundlage kritisieren. Nicht zuletzt versprechen Praxeologien, zwischen scheinbaren Gegensätzen zu vermitteln, etwa zwischen Individuum und Kollektiv, Handlung und institutioneller wie ökonomischer Struktur, zwischen Geist und Körper.

Für andere indes führt eine Analyse von Recht und Moral als soziale Praxis in die Irre. Mit Argumenten ganz unterschiedlicher Positionen – z.B. Kant, Kelsen, Rawls oder Habermas – ließe sich kritisieren, dass sie zur sehr der Faktizität verhaftet bleibe. Praxeologische Ansätze vermengten Sein und Sollen und verlören so eine wesentliche Dimension von Recht und Moral aus dem Blick – ihre Normativität. Rechtliche und moralische Normen könnten zwar sozialtheoretisch verstanden, aber nicht mehr normativ begründet werden. Praxeologische Konzeptionen führten damit unweigerlich in den Relativismus und verlören jedes korrektive Potential. Zudem sei die Annahme eines autonomen Vernunftsubjekts unabdingbar, um an den bewährten Konzeptionen von Verantwortung und Zurechenbarkeit festhalten zu können. Das praxeologische Menschenbild tauge mithin nicht als Grundlage von Recht und Moral.  Recht und Moral aus der Perspektive des practice turn: Ist das Durchbruch oder Verwirrung? Auf der Nachwuchskonferenz sollen beide Sichtweisen miteinander ins Gespräch gebracht und diskutiert werden, welche Chancen und Probleme praxeologische Zugänge zu Recht und Moral mit sich bringen. Wie genau sehen praxeologischen Konzeptionen von Recht und Moral aus? Wie lösen sie die genannten Probleme? Gibt es gute Gründe, an klassischen Positionen ganz oder partiell festzuhalten? Wir erbitten Einsendungen aus verschiedenen Disziplinen wie Rechtswissenschaft, Philosophie, Soziologie, Kulturwissenschaften, Ethnologie u.a.


Organisatorisches

Organisatoren: Jan-Christoph Marschelke,Martin Weichold, Peter Wiersbinski, Falk Hamann

Ausrichter: Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft und  Lehrstuhl für Praktische Philosophie in Kooperation mit dem Jungen Forums Rechtsphilosophie (JFR)

Datum: 13.-15. September 2017

Ort: Universität Regensburg, Haus der Begegnung, Hinter der Grieb 8, 93047 R

Teilnahme: kostenlos, Anmeldung bitte bis 01.09.2017 an martin.weichold(at)ur.de

  1. FAKULTÄT FÜR SPRACH-/LITERATUR-/KULTURWISSENSCHAFT

Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft

Altes Finanzamt
Landshuterstr. 4
R 132
93047 Regensburg

Tel. + 49 941 943-53 00
Mail:
forschungsstelle.kollektiv
[at]ur.de