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Bundespräsident besucht das Europaeum der Universität Regensburg
Von Jakob Horsch
Am 19. Februar 2013 besuchte Joachim Gauck die Universität Regensburg.
Vor etwa 300 geladenen Gästen beteiligte er sich an einer
Podiumsdiskussion in der es speziell um die Länder Osteuropas und ihre
Beziehungen zu Westeuropa ging. Es war schön, die Länder östlich unserer
Grenze mal im Fokus der Medien zu sehen. Leider scheint es immer noch so
zu sein, wie Herr Gauck es beschrieb: obwohl der Eiserne Vorhang nun
schon bald seit einem Vierteljahrhundert Geschichte ist, existiert er
noch in den Köpfen und Herzen vieler Menschen hier in Deutschland. Dazu
möchte ich kurz meine eigenen Gedanken festhalten:
Sicherlich ist der Kalte Krieg aus den Köpfen und Herzen der meisten
meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen verschwunden, wie Herr Gauck
freudig bemerkte, doch leider trifft dies auf viele andere unserer
Mitbürger zu. Wenn ich mit Menschen außerhalb meines universitären
Freundeskreises verkehre, schlagen mir oft die gleichen teilweise
haarsträubenden Vorurteile entgegen, die schon seit Jahrzehnten unseren
Europäischen Mitbürgern östlich unserer Grenze angelastet werden. Ich
verwende hier bewusst nicht den Begriff "Osteuropa", denn zu Recht
betrachten sich unsere Nachbarn in Polen, Tschechien und der Slowakei
als Mittel- und nicht Osteuropäer.
Oft werde ich gefragt, weshalb ich denn "Tschechoslowakisch" studiere,
oder man verwechselt die Slowakei mit Slowenien. Viele haben keine
Ahnung, wo die Slowakei liegt, und den wenigsten ist bekannt, dass die
Slowakei in der Eurozone ist und das höchste Wirtschaftswachstum und die
höchste pro-Kopf-Autoproduktion der EU vorweisen kann. Wenn ich Bilder
von Bratislava herzeige, starrt man ungläubig auf das, was viele als
eine österreichische oder Schweizer Stadt bezeichnet hätten. Ich kenne
Leute, die beruflich schon in der Slowakei waren und keine Ahnung davon
hatten, in welchem Land sie eigentlich unterwegs waren. Für viele ist
"der Osten" leider nur wegen billigen Zigaretten, billigem Schnaps,
Kasinos und Paintball von Interesse. Ihre Sprachkenntnisse beschränken
sich auf "Pivo" und zahlreiche Schimpfwörter.
Dabei würde ich Menschen, die solche Stereotypen verwenden weder als
ignorant noch als dumm bezeichnen, denn sie sind sehr tolerante,
neugierige und offene Menschen. Würde man sie auf eine Exkursion in die
Slowakei einladen, wären sie mit Sicherheit danach begeisterte Fans
dieses wunderschönen Landes. Warum? Weil sie dieses Land so erleben
würden, wie es wirklich ist: modern, weltoffen, freundlich. Auf der
Suche nach dem Grund für das verzerrte Bild unserer östlichen Nachbarn
bei meinen Mitbürgern bin ich nicht nur auf das Vermächtnis des kalten
Krieges gestoßen. Dieses beeinflusst eher die Generation meiner Eltern.
Zum einen mache ich die Medien verantwortlich, doch noch viel tragischer
finde ich die Ignoranz der Bildungspolitik hierzulande. Unsere Schüler
lernen brav Latein, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch an
den Schulen, und ich spreche diesen Sprachen ihre Wichtigkeit nicht ab.
Dennoch ist es meiner Meinung nach ein Unding, dass fast fünfundzwanzig
Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den slawischen Sprachen eine
derart geringe Beachtung entgegengebracht wird. Für 49€ kann man von
hier ins wunderschöne Prag und zurück fahren, doch nach wie vor fahren
unsere Schüler nach Paris oder fliegen gar nach Madrid oder London.
Selbst wenn ich möchte, könnte ich lediglich Tschechisch oder Russisch
für das Lehramt studieren, und auch dann wären meine
Einsatzmöglichkeiten als Lehrer sehr begrenzt. Überall ist die Rede vom
"Europäischen Traum" und dem geeinten, grenzenlosen Europa, aber das
Interesse an unseren nächsten Nachbarn hält sich auch heute noch in der
Politik in Grenzen, dabei liegt die Zukunft nicht in den Schuldenstaaten
in Südeuropa sondern ganz klar in den wirtschaftlich immer mehr an
Bedeutung gewinnenden slawischen Staaten.
Mein Wunsch ist es, dass den slawischen Sprachen künftig mehr
Aufmerksamkeit geschenkt wird, vor allem in der Schule. Gelingt es uns,
die sprachlichen Barrieren zu überwinden, so fallen auch die Grenzen in
den Köpfen und Herzen der Menschen. Übrigens, das Argument, dass
slawische Sprachen zu schwer zu erlernen seien, lasse ich nicht gelten:
orthografisch sind sie wesentlich leichter zu beherrschen als Französisch
oder Englisch, und in Sachen Grammatik ist Latein auch nicht
leichter. Und wer sich an den sogenannten Consonant Clusters
(Konsonantenanhäufungen) stört, sollte sich bewusstmachen, dass auch das
Deutsche Gebilde wie "rztpr" kennt (in Arztpraxis). Und auch zahlreiche
Lehnwörter aus den slawischen Sprachen finden sich im Deutschen. Das
passendste ist an dieser Stelle wohl "Grenze", slowakisch "hranica".
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Mehr: http://www.uni-regensburg.de/europaeum/
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Lesung mit Mila Haugová am 14. Dezember 2012.