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Perspektiven

Perspektiven und Möglichkeiten (im Allgemeinen)

Während des Studiums wird immer wieder die selbe Frage gestellt: "Und was machst Du dann hinterher beruflich?"

Die einzige sinnvolle Antwort darauf ist: Es gibt eigentlich nix, was man als Slavist nicht machen kann!

Zwar hat man als Studierender der Slavistik kein 100%iges vordefiniertes Berufsziel, so wie z.B. Mediziner oder Juristen, aber genau das ist unser Vorteil:

Es gibt schon während des Studiums unglaublich viele Möglichkeiten den späteren Werdegang auszubauen. Das sind zum einen die anderen Studienfächer (ein Magister- oder Baccalaureusstudiengang hat immer mehrere Fächer), dann die Priorität, also ob ich Slavistik eher als Ergänzung und Erweiterung studiere, oder ob ich sie als Hauptfach (=Schwerpunkt) betreibe.

Besonders in Regensburg ist die Verzahnung eines Slavistikstudiums mit anderen Fächern optimal. Viele der Geisteswissenschaften haben einen sog. Osteuropaschwerpunkt, d.h. sie bieten spezielle Kurse zum Thema Ost-, Mittel- und Südosteuropa an oder haben sogar eigens darauf ausgerichtete Lehrstühle! (Geschichte, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaften, Literaturwissenschaft, Europäum, Bohemikum, Slovakicum)

Die nächste Variante ist etwas völlig Slavistik-unabhängiges zu studieren und dann mittels des Bohemicums oder Slovakicums die Tschechische/Slovakische Sprache und Kultur in einem kompakten 2-semestrigen Ergänzungsstudium dazuzunehmen.

Da im Laufe der letzten Jahre besonders in der Slavistik verstärkt Kontakte zu einem weiten Feld von Organisationen und Institutionen, zu Firmen und Vereinigungen geknüpft wurden, die sich in vielfältiger Weise mit dem Ex-Ostblock befassen, gibt es bereits während des Studiums genug Auswahl, sich je nach Sprache und Interesse zu engagieren. Dadurch erreicht man nicht nur die so oft geforderte Praxiserfahrung, sondern auch viel persönliche Erfahrung und evtl. (bescheinigtes) soziales Engagement und natürlich einen potentiellen späteren Arbeitgeber.

Derartiges eignet sich auch gut, um überhaupt einen Eindruck zu bekommen, was für mögliche Arbeitsfelder es so gibt.

'Slavistik' bietet somit ein riesiges Feld der Betätigungsmöglichkeiten und im Gegensatz zu vielen anderen Disziplinen eben auch noch einige unentdeckte Forschungsfelder und Arbeitsgebiete, in denen man sich als echter Spezialist etablieren kann, sowohl an der Uni/Forschung als auch als Unternehmer/in in privaten Firmen.

Der Markt ist uns gerade erst geöffnet worden und wartet auf Eroberung!!

Um Euch zu zeigen, dass das alles nicht nur schöne Worte sind, folgen hier einige exemplarische Werdegänge.


Lebensläufe von Regensburger Slavisten


Beate Herget

Bereits am Gymnasium hatte ich Interesse an Mittel- und Osteuropa und besuchte daher den Wahlunterricht in Russisch. Nach dem Abitur 1992 entschied ich mich für ein Studium der Geschichte kombiniert mit einer Fremdsprache und wählte die "Marktlücke" Russisch als Interessensschwerpunkt: Wintersemester 1992 bis Sommersemester 1998: 1.Hauptfach: Geschichte (Ost- und Südosteuropas), 2.Hauptfach: Ostslavistik mit Erstsprache Russisch und Zweitsprache Polnisch (Auslandssemester: Odessa, Krakau; Sprachkurse: Odessa, Krakau, Lodz) an der Uni Regensburg. Das eigentliche Berufsziel ergab sich während des Studiums und wurde auch durch außeruniversitäre Praktika, Informationen und Kontakte maßgeblich beeinflusst: So arbeitete ich von 1998 bis 2000 am Institut für Auslandsbeziehungen e.V., Stuttgart (ifa) und wurde im Auftrag des Auswärtigen Amtes an eine polnische NGO (Non Governmental Organisation), das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, Gleiwitz/Gliwice (HDPZ), entsandt. Dort war ich Leiterin des Projekts "Lokale Geschichte am Beispiel ausgewählter Kreise, Städte und Gemeinden". Projektziele waren u.a. die dt.-poln. Aussöhnung vor Ort in der historisch belasteten Region Schlesien und ideologiefreie Aufarbeitung der Regional- und Lokalgeschichte. Ende 2000 kehrte ich nach Deutschland zurück und es folgte eine Phase der beruflichen Neuorientierung. Seit 2001 bin ich Assistentin bei einer internationalen Großbank. Meine Tätigkeit liegt im Bereich Corporate and Investment Banking mit Schwerpunkt Kontinentaleuropa (d.h. auch MOE-Staaten und Russland).

Noch einige Anmerkungen für den Slavisten in der Berufswelt:

Wichtig: Offenheit für und Interesse an Sachgebieten, die zwar mit osteuropäischen Sprachen und Kulturen in Zusammenhang stehen können, über den rein slavistischen Bereich jedoch hinausgehen, wie z.B. politische Bildung, Kulturarbeit, Politik, Verwaltung und - last but not least - die Wirtschaft. Möglichst frühzeitige Information und Orientierung über das gesamte Berufsfeld. Flexibilität und Mobilität.

Notwendige bzw. wünschenswerte Sachkenntnisse:

  • Englisch in Wort und Schrift
  • MS office-Paket (zunehmend wichtig: Power Point)
  • Veranstaltungsmanagement
  • Journalistische Erfahrungen

Christian Prunitsch

Als Slavist genießt man das außerordentliche Privileg, sich mit europäischen Philologien befassen und trotzdem in keiner Vorlesung um einen Platz auf der Hörsaaltreppe oder bei einem Auslandssprachkurs balgen zu müssen. Studierenden westeuropäischer Philologien passiert dies erfahrungsgemäß regelmäßig. Der Kontrast wird besonders augenfällig etwa bei der (ansonsten wenig empfehlenswerten) Studienkombination von Slavistik und Anglistik: Während die anglistischen Kommilitonen über mehrere Semester hinweg um Auslandsstipendien betteln und zum Schluss sogar noch selbst in finanzielle Vorleistung treten müssen, hat man selbst als Slavist in dieser Zeit bereits ohne größeren organisatorischen Aufwand vier Sprachkurse in drei Ländern Mittel- und Osteuropas besucht und ist um viele - wie sich manchmal erst deutlich später herausstellt - Erfahrungen und Qualifikationen reicher. Allein dies kann schon als gewichtiges Argument für ein Slavistikstudium gelten. Studiert man das Fach in den 1990ern, so wird man als höchst merkwürdiges Geschöpf bisweilen misstrauisch beäugt, bisweilen in einer Mischung aus Grauen und Ehrfurcht bestaunt. Klar - in diesen Jahren weiß niemand, wie die Dinge sich entwickeln, nicht alle Revolutionen enden in der unblutigen Etablierung demokratischer Systeme, und über das wirtschaftliche Potential - während des weltweiten Siegeszugs eines neu aufgelebten Vulgärkapitalismus ultima ratio bei der Frage nach der Interessantheit eines Landes - des "Ostens" redet in sprach- und literaturwissenschaftlichen Veranstaltungen zum Glück niemand. Umso mehr ist die Rede von den Kulturen der slavischen Völker, und hier hält jedes Semester neue Entdeckungen bereit, die im Selbstbedienungsladen der Auslandsstipendien durch konkrete Anschauung äußerst konkret auf ihren Wahrheitswert überprüft werden können. Hinzu kommt die in Europa stets relevante und mit jedem Jahr stärker ins Zentrum tretende Kompetenz - gerne auch "soft skill" - des Kulturvergleichs: Die anfangs unüberschaubar anmutende Diversität slavischer Kultur beginnt sich im Hauptstudium zu einer schon territorial beachtlichen Vorstellung von erlebter Geschichte und möglicher Zukunft Europas zu ordnen - eine Perspektive, die in kaum einem anderen Studium zu erwerben ist.

Herrlich unbeschwerte Studentenjahre also, ein engmaschiges Netz internationaler Freundschaften, kein Konkurrenzdruck - aber was kommt danach? Die Frage ist noch während des Examenssemesters nicht beantwortet, umso verlockender erscheint die Alternative, die Abschlussprüfungen doch noch hinauszuschieben, um auf den rettenden Wink aus "der Wirtschaft" zu warten. Keine gute Entscheidung, denn der Slavist ist grundsätzlich zur Selbständigkeit verurteilt - oder mit ihr gesegnet. Er besitzt ein seltenes Wissen, und es liegt an ihm, den Rest der Welt davon zu überzeugen, dass sie dieses Wissen benötigt, noch bevor sie selbst darauf kommt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: den Erwerb von Zusatzqualifikationen zur Verbreiterung des potentiellen Einsatzbereichs (die Standardvariante für Vorsichtige) oder die konsequente Fortsetzung des Orchideenprinzips (der extravagante Weg für Risikofreudige). Letzteres kann die Beschäftigung mit Sprachen und Kulturen bedeuten, von denen selbst die Slavisten nicht selbstverständlich wissen, dass sie überhaupt in ihren Forschungsbereich gehören. Es gibt Sprachen wie Rusinisch, Kaschubisch oder Niedersorbisch, über deren Autonomiestatus sich nicht einmal die Fachwelt einig werden kann. Dies sind Nischen im Quadrat: kleine, aber wenig beachtete Bereiche eines an sich schon kleinen Fachs mit einem gewaltigen Gegenstandsbereich. Eine Nische ist aber keine Sackgasse, obwohl diese Vermutung grassiert wie die Angst, der Himmel könnte einem auf den Kopf fallen. Im Gegenteil: Gezielt betrieben, kann man durch sorgfältige Spezialisierung bei gleichzeitiger Wahrung des Blicks fürs Ganze - eine Fähigkeit, die Slavisten hervorragend beherrschen - in Bereichen tätig werden, deren eklatanter Nachwuchsmangel eine berufliche Stellung fast automatisch garantiert. Unversehens ist aus dem verschmähten, hässlichen Slavistenentlein ein gefragter Experte geworden, dessen Dienste man sich in Verlagen, in Forschung und Gesellschaft nur zu gern versichert - gibt es ihn doch nur in sehr begrenzter Stückzahl. Es muss also nicht unbedingt die Kompetenz sein, Dostoevskijs Romane aus dem Kopf rezitieren zu können, die den Slavisten in Lohn und Brot bringt. Es kann auch die Neugier sein - und Philologen sind ja berufsmäßige Schnüffler -, entlegene Gebiete zu erkunden, in ihnen heimisch zu werden und die so erworbenen Kenntnisse aktiv zu verwerten. Das ist riskant, zweifellos. Gelingt es, so sieht man sich in der Lage, großen deutschen Zeitungen die Rezension des neuen Buches eines renommierten Schriftstellers anzubieten, dessen Texte viele Liebhaber, aber nur wenige sachkundige Forscher vorfinden, und diese Rezension mit Handkuss abgenommen zu bekommen. Dafür bekommt man noch keinen Ferrari - aber man ist auf dem besten Weg, sich selbst unentbehrlich zu machen.

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Institut für Slavistik

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