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Quellen der Volksmusikforschung

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DFG-Projekt
Erschließung von Quellen der Volksmusikforschung, Zugänglichmachung durch Digitalisierung sowie virtuelle Wiederherstellung zerstreuter Bestände



Beschreibung des Projekts

Ziele des interdisziplinären Projektes sind die Ordnung, die Erschließung, die nachhaltige Sicherung und die öffentliche Präsentation eines großen Bestandes an Quellen zur Volksmusik, der seinen Kristallisationskern in Beständen der Universitätsbibliothek Regensburg (UBR) hat. Einbezogen werden Sammlungen oder Sammlungsteile aus dem Deutschen Volksliedarchiv, Freiburg i. Br., dem Institut für Musikerziehung in deutscher und ladinischer Sprache, Bozen, dem Institut für Volkskunde bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, dem Phonogrammarchiv Berlin (Abteilung Musikethnologie im Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin) und dem Staatlichen Institut für Musikforschung, Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz), die unmittelbar mit den Regensburger Beständen zusammenhängen. Im „Regensburger Volksmusik-Portal“ (RVP) sollen die verstreuten Materialien virtuell (wieder) zusammengeführt und in Beziehung zueinander gebracht werden, wodurch ihre wissenschaftliche Auswertung wesentlich erleichtert wird. Vom Schriftgut werden nur ausgewählte Schlüsseldokumente in digitalisierter Form online veröffentlicht. Die Sammlungen werden dagegen vollständig digitalisiert und online allgemein zugänglich gemacht. Auf diese Weise wird ein nach Quantität wie Qualität einzigartiger Quellenfundus bereitgestellt, der für eine Reihe von Wissenschaftsdisziplinen große Bedeutung besitzt.



Phonogrammsammlung
Phonogrammsammlung der Abteilung Volksmusik des ehemaligen Staatlichen Instituts für Deutsche Musikforschung, Berlin, in den Originalkisten
© Universitätsbibliothek Regensburg.

Dieser Quellenfundus lässt sich nach dem Provenienzprinzip in drei große Gruppen einteilen:

Zeitlich reicht die Überlieferung der Abteilung Volksmusik (1937-1945) des ehemaligen Staatlichen Instituts für Deutsche Musikforschung, Berlin, am weitesten zurück. Die Abteilung hatte die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückreichenden schriftlichen Sammlungen des 1917 gegründeten Archivs Deutscher Volkslieder übernommen und fortgeführt, aber durch den Aufbau eines Schallarchivs (Phonogramme, Magnetophonbänder, Decelith-Platten), eines Bildarchivs und einer Mikrofilm-Sammlung um moderne Medien erweitert.

Magnettonb _nder
Magnetophonband, vermutlich aus der Sammlung der Abteilung Volksmusik des ehemaligen Staatlichen Instituts für Deutsche Musikforschung, Berlin
© Universitätsbibliothek Regensburg.



Rund eine Viertelmillion Melodie- und Textaufzeichnungen größtenteils mündlich oder handschriftlich tradierter Volkslieder aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ist vorhanden, wobei die Intention vieler zeitgenössischer Sammler auf der Dokumentation des Liedguts der damaligen deutschen Siedlungsgebiete in Ostmittel- und Südosteuropa lag. Zusammen mit Ergänzungen aus anderen Institutionen wird somit die größte Sammlung dieser Art, die ein zentrales Projekt der volkskundlichen Musikforschung bis etwa in das dritte Viertel des 20. Jahrhunderts war, uneingeschränkt zugänglich gemacht.


Lindenbaumnoten

„Stand ein Lindenbaum im Tal“. Abschrift eines Notenblattes aus der Sammlung von Christian Nützel, Helmbrechts, Bayern.


Treuergott
„Du treuer Gott im Himmel“ aus dem Notenheft der Mina Bastert 1852.



Neben den schriftlichen Sammlungen werden zahlreiche einzigartige Tondokumente aus dem ehemaligen Schallarchiv der Abteilung erschlossen, unter denen die beinahe vollständig erhaltene Phonogramm-Sammlung (263 von ursprünglich 275 Galvanos) des Steirischen Volksliedarchivs Graz herausragt, die größtenteils in den Jahren 1905 und 1909 aufgenommen wurde und die frühesten Volksmusikaufnahmen aus dieser Region darstellen dürfte. Viele Aufnahmen aus den 1930er Jahren dokumentieren Volkslieder deutscher Minderheiten in Südosteuropa (Galizien- und Wolhyniendeutsche, Bukowinadeutsche, Sathmarer und Banater Schwaben, Deutsche in Südwestungarn sowie russlanddeutsche Siedler in Argentinien).
Fremdsprachige Aufnahmen stammen ebenfalls überwiegend aus Ost- und Südosteuropa (u. a. von der Bosnien-Expedition der Deutschen Akademie München 1937; Aufnahmen von Elsa Mahler im Gebiet von Pečora in der heutigen russischen Teilrepublik Komi, 1937; Aufnahmen mit ukrainischen Zwangsarbeitern in Berlin, 1943; Aufnahmen rumänischer Volkslieder, 1943). Aus Westeuropa liegt die bedeutende, mit Hilfe des Bestandes der UBR zu zwei Dritteln (gut 660 von ursprünglich vermutlich 1000 Einzelaufnahmen) wiederhergestellte Sammlung flämischer Volksmusik vor, die der belgische Volksliedsammler Pol Heyns in den 1930er Jahren aufnahm.


Runens _ngerin

Runensängerin aus Estland; Volksmusikfest in Helsinki, Finnland 1933. Aufnahme Erna Lendvai-Dircksen.



Fotos für das Bildarchiv der Abteilung wurden überwiegend aus den Beständen zeitgenössischer Forscher, Berufsfotografen und Bildagenturen angekauft. Die rund 1.000 Aufnahmen dokumentieren eine Vielfalt an regionalspezifischen Tänzen, Kleidung und Brauchhandlungen oder zeigen beispielsweise Musiker, Musikinstrumente und Bildserien von diversen Volkstanztreffen, Gesellschaftstanzwettbewerben und Tanzvorführungen.

Volkstanztagung

Dritte Internationale Volkstanztagung Stockholm, 1. bis 6. August 1939. Aufnahme Alfred Quellmalz.

Der Leiter der Abteilung Volksmusik, Dr. Alfred Quellmalz (1899-1979), war als Leiter der Gruppe „Volksmusik“ in der Deutschen Kulturkommission in Südtirol von 1940 bis 1942 führend an einer einzigartigen, vom SS-Ahnenerbe geführten Aktion beteiligt, bei der das gesamte Südtiroler Kulturgut im Zusammenhang mit der geplanten Aussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung in das damalige Deutsche Reich bzw. in die deutsch besetzten Gebiete Osteuropas systematisch erfasst wurde. Die Gruppe stellte rund 3.000 einzelne Tonaufnahmen her, die durch zahlreiche Begleitmaterialien (mehr als 900 Fotos und rund 400 Personalbögen von Gewährspersonen, weit über 700 sog. „Sachbögen“ mit Beschreibungen besonders bemerkenswerter Lieder und Instrumentalstücke, 16 mm-Filme, Zwischenberichte, Stellungnahmen und Abschlussberichte der Arbeitsgruppe) und durch originale Notenhandschriften ergänzt werden. Weder zuvor noch danach ist das in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe geläufige Liedgut dermaßen intensiv inventarisiert worden.
Die Verfügungsgewalt über diese Sammlungen und Unterlagen besaß das SS-Ahnenerbe bzw. Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums.

Tobireiser

Tobi Reiser Gruppe. Alpenländisches Volkssängertreffen, Hohen Aschau, Bayern 1948. © Hans Schürer.



Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird vornehmlich repräsentiert durch den wissenschaftlichen Nachlass von Prof. Dr. Felix Hoerburger (1916-1997). Ein Kernstück bildet die von Hoerburger zusammengetragene Sammlung von 32.000 Volkstanzmelodien aus Bayern, die handschriftlichen Notenheften entstammen, welche auf 547 Mikrofilmen festgehalten sind. Das eindrucksvolle Resultat jahrzehntelanger Sammeltätigkeit steht in seiner flächendeckenden Vollständigkeit einzig da. Die Sammlung von Volkstanzmelodien kann in Beziehung zu zahlreichen Fotos von Tanzvorführungen im bayerischen Raum gesetzt werden, die Hoerburger in den 1950er und 1960er Jahren aufnahm und die die vergleichsweise abstrakten schriftlichen Aufzeichnungen veranschaulichen.


Trommel

Tapandzi in Vranishte, Kosovo 1959. Aufnahme Felix Hoerburger.

Mehrere Tausend Ton-, Foto- und Filmaufnahmen sowie Tagebücher dokumentieren Hoerburgers zahlreiche Forschungsreisen, die ihn unter anderem nach Rumänien (1958), in die Albaner-Gebiete Südjugoslawiens und Nordgriechenlands (1959), nach Griechenland (1965, 1970, 1972, 1973), nach Afghanistan und Nepal (1966, 1968) sowie nach Taiwan (1976) führten. Vor allem die Aufnahmen aus Afghanistan dokumentieren Teile einer heute nicht mehr lebendigen kulturellen Überlieferung. All diese Aufnahmen haben großen Seltenheitswert und stellen schon deshalb äußerst wertvolle Dokumente dar.
Ferner enthält der Nachlass dienstliche und wissenschaftliche Korrespondenz, die durch Schriftgut des ehemaligen Instituts für Musikforschung Regensburg (im Universitätsarchiv Regensburg) vervollständigt wird.


Hoerburger

Felix Hoerburger während einer Tonbandaufnahme  in einem Kaffeehaus. Präfektur Serron, Makedonien, Griechenland 8.9.1970.



Zu diesen drei großen Gruppen treten einige kleinere Bestände, welche ebenfalls im Zuge der Projektarbeiten erschlossen und zugänglich gemacht werden, darunter Foto- und Glasplattenaufnahmen aus Sammlungen des SS-Ahnenerbes, wissenschaftliche Korrespondenz des Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Bruno Stäblein (1895-1978) aus den Jahren 1936-1945 sowie vor allem die Akten des Instituts für Musikforschung an der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg. Das Institut für Musikforschung war von Bruno Stäblein 1945 gegründet und bis zu dessen Eingliederung in die neugegründete Universität Regensburg 1968 auch geleitet worden. Die Sammlungen der Abteilung Volksmusik und das Südtirol-Material des SS-Ahnenerbes barg er persönlich im Januar 1946 in Waischenfeld (Oberfranken) und baute mit ihnen die Volksmusik-Abteilung des Instituts auf.

Nepal

Löwenfiguren vor dem Tempel der Sweta Kali, Bhadgaon, Nepal März 1966. Aufnahme Felix Hoerburger.




Projektleitung

Dr. Rafael Ball, Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg



Prof. Dr. Daniel Drascek, Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft am Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) der Universität Regensburg


Prof. Dr. Wolfgang Horn, Lehrstuhl für Musikwissenschaft an der Universität Regensburg


Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Nußbaumer, Universität Mozarteum Salzburg, Abteilung für Musikwissenschaft, Abteilungsbereich Musikalische Volkskunde


Prof. Dr. Christian Wolff, Lehrstuhl für Medieninformatik am Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) der Universität Regensburg




Projektlaufzeit

März 2009 bis Juli 2011 (Fortsetzung der Förderung beantragt bis einschließlich Juli 2013)

Förderung

Das Projekt wird von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und ist an der Universitätsbibliothek Regensburg angesiedelt.



Partner

Institut für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München


Phonogrammarchiv in der Abteilung Musikethnologie im Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin


Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien




Ansprechpartner

Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft

Universität Regensburg
Telefon: 0941 943 3722

E-Mail: vkw@sprachlit.uni-regensburg.de

  1. Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
  2. Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK)

Vergleichende Kulturwissenschaft

Forschung

Grimm M _nze1

Sekretariat:
Telefon 0941/943-3722
Telefax 0941/943-4035

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