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Wintersemester 2010/11

 


Actus Academicus der Fakultät für Katholische Theologie im säkulären Zeitalter

Am Mittwoch, dem 10.11. lud die Fakultät für Katholische Theologie an der Universität Regensburg zu ihrem Actus Academicus ein. Jedes Semester werden zu diesem Ereignis die Absolventen geehrt, der Dekan legt die aktuellen Studienzahlen vor und informiert über Neuigkeiten aus der Fakultät. Der Dekan, Prof. Bernhard Laux, widmete sich in seiner Eröffnungsrede der Stellung von katholischer Religion und Theologie im sogenannten säkularen und postsäkularen Zeitalter. Den Festvortrag hielt Prof. Heinz-Günther Schöttler, Inhaber der Professur für Pastoraltheologie in Regensburg. Mit seinem Vortrag „ ‚... ein zu vollendendes Werk‘ (U. Eco) – Kultur als bedeutungsgenerativer Ort der biblischen Botschaft“ wurden zum zweiten mal in Folge Forschungsperspektiven zum Fakultätsschwerpunkt „Die Bibel in kulturellen Diskursen“ präsentiert.

„Theologie im säkularen Zeitalter zu betreiben ist eine der herausfordernsten, komplexesten und zugleich interessantesten Aufgaben, die man haben kann.“ So beschrieb Dekan Laux die Arbeit der theologischen Fakultät im „säkularen Zeitalter“, wie es der berühmte Sozialwissenschaftler Charles Taylor nennt. Dieses säkulare Zeitalter sei dadurch gekennzeichnet, dass die Zurückweisung eines kirchengebundenen Glaubens eine Möglichkeit des Lebensentwurfes und für viele Menschen sogar eine naheliegende Wahl geworden sei. Was könne in dieser säkularen Zeit Menschen nun gerade dazu bewegen, eine Arbeit als katholischer Theologe aufzunehmen? Obwohl also die Zahl derer sinke, die sich als kirchlich eingebundene Christen verstehen, zeigen die Studierendenzahlen der theologischen Fakultät in Regensburg erstaunliche Stabilität auf hohem Niveau. Gleichauf mit München befindet sich Regensburg nach Münster auf dem zweiten Rang in Deutschland. Laux sah darin eine Bestätigung der Qualität theologischer Lehre an der Universität Regensburg.
Bei diesen erfreulichen Zahlen sind die jüngst beschlossenen Kürzungen der Universitätshaushalte durch den Freistaat Bayern eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Angesichts des bevorstehenden Studienbeginns des doppelten Abiturjahrgangs können die erhobenen Studienbeiträge nicht mehr dazu verwendet werden, das Studienangebot zu verbessern. Vielmehr müssen sie mittlerweile dazu verwendet werden, den Studienbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten.
Laux wies auch auf die Bedeutung der Theologie(n) im Kanon der Wissenschaften hin, die in diesem Jahr auch der deutsche Wissenschaftsrat nachdrücklich betont hat. Die Wissenschaftslandschaft brauche, so Laux, eine kirchlich autorisierte wissenschaftliche Selbstreflexion des Glaubens. Im Sinne eines postsäkularen Denkens sei daher eine Vorstellung von Säkularisierung zurückzuweisen, die den Rückgang religiöser Bindung als Fortschrittsprozess versteht.
Prof. Schöttler stellte in seinem Festvortrag die Frage nach Reflexion und Verkündigung des Glaubens unter den Bedingungen der Gegenwart. Angestoßen durch die Literaturwissenschaft werde heute auch in der Theologie der Blick auf die Leser der biblischen Texte gelenkt. Die Bedeutung der Texte ergebe sich nicht nur aus der Absicht des Autors, sondern Bedeutung entstehe vornehmlich dort, wo der Text bei den Lesern Bedeutung erzeuge. Schöttler greift hier die Überlegungen des Semiotikers und Romanautors Umberto Eco zur aktiven Rolle des Lesers. Diese dargelegte Orientierung an den Empfängern einer Botschaft sei auch in kirchenoffizielle Texte im Umfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils eingegangen, zusammen mit einem gewandelten Kulturbegriff. Kultur werde nicht mehr als die Hochkultur verstanden, sondern als die gesamte Welt der Menschen. Daher existiere Kultur nicht länger im Singular, sondern die Pluralität der Kulturen und Lebenskontexte sei heute eine Größe, die die Glaubensverkündigung berücksichtigen müsse. Zu jeder Zeit habe sich die Verkündigung des Evangeliums der Sprache der jeweiligen Kulturen bedient, ohne sich ihnen zu unterwerfen, so Papst Paul VI. Dabei habe das Evangelium aber auch immer eine kritische Distanz zur Kultur jeder Epoche wahren können, die die Kraft der Veränderung in sich trage. Der Glaube brauche also keine Angst zu haben vor den Kulturen der Menschen, auch nicht vor der säkularen.
Wie bei jedem Actus übermittelte auch der Rektor, Prof. Thomas Strothotte, ein Grußwort der Universitätsleitung, in dem er von den Plänen für den Ausbau des Alumni-Netzwerkes berichtete. Die Absolventen eines Studiums an der Universität Regensburg tragen zum Ansehen der Universität in der Gesellschaft bei und verbinden Forschung und Lehre an der Universität mit der Praxis der Arbeitswelt. Im Anschluss kam es mit dem Überreichen der Diplomurkunden zur Ehrung der neuen Alumni, der Absolventen des Diplomstudiums. Zwei Promotionsurkunden konnten überreicht werden: Zum Doktor der Theologie wurden Stefan Hofmann und Peter Kwame Qamaaru Amevor ernannt.
Der neue modularisierte Magisterstudiengang Katholische Theologie, der das alte Diplomstudium ersetzt, ist mittlerweile angelaufen, ebenso der Masterstudiengang „Menschenbild und Werte in christlicher Perspektive“ (ehemals „Theologische Anthropologie und Wertorientierung“). Außerdem wies der Dekan darauf hin, dass die Fakultät Regensburg den Vorsitz des deutschlandweiten Fakultätentages übernimmt und 2014 auch Austragungsort dieser hochschulpolitisch bedeutsamen Veranstaltung werden wird. Die Leitung wird Prof. Alfons Knoll übernehmen, dem aus diesem Grund Professor Tobias Nicklas als Prodekan nachfolgt. Neuer Forschungsdekan ist Prof. Andreas Merkt und sein Stellvertreter Prof. Harald Buchinger.


Matthias Brüggemeier-Koch

Actus 2010 1

Actus 2010 2
Actus 2010 3

Actus 2010 4

 

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Neuer Verein "Ethik-ette e.V." - gegründet von Mitgliedern unserer Fakultät

Informationen zur ethischen Bildung - Durch ethisches Bewusstsein Zukunft verantwortungsvoll gestalten

www.ethik-ette.de

 

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Ausstellungseröffnung „Mein Auschwitz“ – Augenblicke der Erinnerung

Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte

Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums München zu Gast an der Universität Regensburg

Mehr als siebzig Personen finden sich trotz der Sommerhitze in der Universitätsbibliothek Regensburg ein, um die Ausstellung „Mein Auschwitz“ zu eröffnen. Schülerinnen des Regental-Gymnasiums Nittenau und Studierende der Religionspädagogik der Universität Regensburg waren 2009 in der Gedenkstätte im polnischen Oswiecim (Auschwitz); Monate später haben sie in eigenen Plakaten das Erlebte dokumentiert - das, was geblieben ist an Eindrücken, Gefühlen und Gedanken. 14 Arbeiten sind im Oberen Foyer der Universitätsbibliothek Regensburg noch bis zum 30. Juli ausgestellt.
Mit Interesse habe man auf die Anfrage reagiert, die Arbeiten in den Räumen der Bibliothek auszustellen; Aufgabe einer Bibliothek sei es ja, den Hintergrund für das Suchen und Forschen zu geben, so Dr. Evelinde Hutzler in ihrer Ansprache. Besonders erfreulich sei aber eine Ausstellung zu diesem Thema, mit dem auch die Bibliothek ein Zeichen setzen könne. Prof. Dr. Bernhard Laux, Dekan der Fakultät für Katholische Theologie, erinnerte an das intensive Gespräch zwischen Juden und Christen in den vergangenen mehr als 50 Jahren. Die Ausstellung, die von der Religionspädagogik verantwortet wird, reihe sich in diese Tradition der Katholischen Theologie nahtlos ein. Schulleiter Klaus Kopp vom Regental-Gymnasium Nittenau betonte die erfreuliche, inzwischen mehr als sieben Jahre währende Kooperation mit der Universität Regensburg, Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung und ebenso ermutigendes Zeichen angesichts der immer wieder aufbrechenden neonazistischen Umtriebe.

Pädagogische Doppelbewegung: Information und Aneignung

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„Was Auschwitz zu denken gibt“ – unter dieser Leitlinie haben sich Studierende und Schülerinnen in Begleitung des Religionspädagogen Dr. Matthias Bahr und des Geschichtslehrers Peter Poth im Sommer 2009 an jenen Ort in Polen begeben, an dem die Nazis binnen viereinhalb Jahren 1,2 Millionen Menschen ermordeten. Im polnischen Oswiecim, beim Gang durch die Gedenkstätte, dominiert der Eindruck des Ortes: Wer sich in die Gedenkstätte Auschwitz, in das sogenannte Stammlager, begibt, der betritt im Block 21 eine Ausstellung, mit der die Niederlande ihrer ermordeten Opfer gedenken. Man kommt in einen Raum, etwa 15 m lang und 3 m hoch, und blickt auf eine Wand, die von der Ferne wie eine gemusterte Tapete wirkt. Erst beim näheren Hinzutreten zeigt sich, was dargestellt wird: Es sind alles Namen - an dieser Wand sind alle jüdischen Opfer aus den Niederlanden namentlich genannt, sie werden so, mit diesen noch so wenigen Angaben – vor dem Vergessen bewahrt. Und es sind so viele.
Die Begegnung mit der Gedenkstätte Auschwitz vollzieht sich in einer doppelten Bewegung vor dem Hintergrund des Bildungsauftrages der Schule: So geht es darum, einen genaueren Einblick in die geschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge zu bekommen. Ein Historiker der Gedenkstätte geht mit durch die verschiedenen Lagerabschnitte und informiert über das, was dort geschah: Nur wer weiß, der sieht.
Ebenso wichtig ist die andere Seite: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars lesen schon vor der Reise aus den autobiografischen Zeugnissen von Opfern und Tätern, Worte, die nachwirken, die Fragen aufwerfen und nach Antworten verlangen. In einem Reisetagebuch, das zum festen Begleiter wird, werden Informationen über historische Hintergründe und persönliche Eindrücke gleichermaßen festgehalten, um dem Erfahrenen, Erlebten und Gedachten später nochmals nachgehen zu können. So gehört auch die eigene Erkundung dazu, die subjektive Annäherung: Allein oder in kleinen Gruppen gehen die Teilnehmer los, suchen jene Stellen auf, für die bei der ‚Führung‘ zuvor zu wenig Zeit geblieben ist. Eindrücke werden aufgeschrieben, manchmal ist gar nicht viel zu reden, manchmal entstehen Gespräche viel später, am Abend, dauern dann aber bis in die Nacht.

„Mein Auschwitz“: Eine Ausstellung an der Universität Regensburg

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Monate später, also mit einer gewissen Distanz, entstehen dann die Arbeiten, die derzeit im Foyer der Universitätsbibliothek gezeigt werden. Sie sprechen von dem, was war und was bleibt, manche unmittelbar, manche eher ‚zwischen den Zeilen‘, sie geben den Eindrücken Gestalt. „Mein Auschwitz“ – das sind die Erfahrungen, die davon mitteilen, was Auschwitz in den Nachgeborenen angestoßen hat. Diese Arbeiten wollen das Suchen, Fragen und Ringen öffentlich machen. Sie sind „Unterbrechung“, sie sind „Einmischung“ und sie sind Zeugnis – auch und gerade von jungen Menschen. „Das war eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben“, so beschreibt die 19-jährige Jasmin Lehmer ihre Bilanz der Reise nach Polen.

Ein NS-Dokumentationszentrum für München

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In ihrem Gastvortrag stellte die Gründungsdirektorin des künftigen NS-Dokumentationszentrums, PD Dr. Imtrud Wojak, die Arbeitsbereiche des Zentrums vor. So wird es zentral darum gehen, mit dem geplanten Gebäude am Ort der ehemaligen NS-Parteizentrale in der Landeshauptstadt einen Lernort zu entwickeln, der zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen der NS-Geschichte Münchens als der einstigen ‚Hauptstadt der Bewegung‘ anregt. Gleichwohl ist nicht nur München im Blick – in vielen bayerischen Städten fiel die Ideologie der Nazis auf fruchtbaren Boden , auch schon vor 1933. Was waren die Gründe dafür? Welche gesellschaftlichen und politischen Mechanismen gibt es da aufzudecken? Hier kommt das Konzept des Zentrums zum Tragen: Es wird kein Museum sein, sondern ein Ort der gründlichen historischen Forschung, der Diskussion und der Auseinandersetzung. Die offenen Fragen, die hier gestellt werden sollen und müssen, beziehen sich auch auf die Zeit nach 1945: Welche Linien gibt es, die aus der NS-Zeit in die Bundesrepublik hineinreichen? Wie stellt sich das insbesondere in München dar? Wo sind Personen mit NS-Vergangenheit weiterhin in Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen tätig gewesen? Warum kommt es in München erst jetzt, über sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Realisierung eines NS-Dokumentationszentrums? Welche Umstände und welche Interessen haben dies bis dahin verhindert? – Alles Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind.

Das Schlusswort eines Auschwitz-Überlebenden

Der Sinto Hugo Höllenreiner bedankte sich in einem Schlusswort bei allen Beteiligten für die gelungene Ausstellung, in der sein Lebenswerk - das mahnende Wachhalten der Erinnerung an das nationalsozialistische Vernichtungswerk - eine beeindruckende Fortsetzung erfahre.

 

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Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 2010/2011 [pdf]

 

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Fakultät für Katholische Theologie

 

Ein Foto des Uni-Wahrzeichens, der "Kugel" am Forum des Regensburger Campus