Usability - Kosten
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Eine der Grundlagen des Usability Engineering ist, daß es bereits während der frühen konzeptionellen Phasen des Entwicklungszyklusses eingesetzt werden soll. Werden hier Schwachstellen in der Interaktion Benutzer-Produkt festgestellt, können sie ohne großen Aufwand beseitigt werden.

Verzichtet ein Unternehmen bei der Entwicklung eines Produktes darauf, den Bereich Usability zu berücksichtigen, liegt es in der Natur der Sache, daß einige Bedienungsprobleme erst am fertigen Produkt auftreten, nachdem es am Markt eingeführt worden ist.

Die Kosten einer solchen Vorgehensweise können unter anderem folgende Punkte umfassen:

  • Berücksichtigung "falscher" und Weglassen "richtiger" Elemente
  • Argumentation ohne Daten
  • zeitlicher und finanzieller Aufwand für Redesign
  • negative Marktresonanz, Imageverlust
  • Verkaufsrückgänge
  • ...

Zahlen

  • Karat (1989) weist bei einer Usability-Untersuchung ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1 : 2 nach; Nachuntersuchungen ergeben sogar ein Verhältnis von 1 : 10.
  • Bis zu 60% des Quellcodes von Computersoftware und 40% oder mehr der Entwicklungsaufwendungen entfallen auf die Benutzerschnittstelle (Interface).
    (Wixon et al., 1994; MacIntyre, Estep, and Sieburth, 1990)
  • Während der anfänglichen konzeptionellen Phasen eines Projektes kosten Veränderungen 1,5 Einheiten. In der frühen Entwicklung steigen die Kosten auf sechs Einheiten, über 60 Einheiten während der Phase des Systemtests, bis hin zu 100 Einheiten nach der Markteinführung.
    (Pressman, 1992)
  • 80% der Kosten für die Softwareentwicklung entfallen auf die Post-Einführungs-Phase.
    (Pressman, 1992)
  • Nielsen und Landauer (1993) schätzen für ein typisches Sotwaresystem, das von 1000 Personen verwendet wird, folgende Abhängigkeit des Nutzen-Kosten-Verhältnisses in Abhängigkeit von der Zahl der Usability Tests (bzw. Evaluatoren):



    Wenn mehr als 1000 Personen das System verwenden, wird dieses Verhältnis noch günstiger ausfallen. Auch bei einer sehr kleinen Zielgruppe schätzen die Autoren noch ein Verhältnis von 1 : 5. (Nielsen & Landauer, 1993)

Folgerungen

  • Usability Engineering während der verschiedenen Entwicklungsphasen eines Produktes erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Markterfolg und reduziert Entwicklungskosten.
    (Karat, 1994)
  • Usability Engineering erhöht die Qualität von Systemen, die innerhalb von von Organisationen verwendet werden, bis hin zu Produkten, die weltweit auf dem Markt angeboten werden.
    (Karat, 1997)
  • Der globale Wettbewerb bietet eine große Auswahl an Produkten aller Marktnischen. Daher werden Kunden Produkte, mit denen sie nicht zufrieden sind in immer größerem Maße unberücksichtigt lassen.
    (Jones & Sasser, 1995)

Kosten-Nutzen-Analyse

Ziel der Anyalyse ist es, den finanziellen Mehrwert zu bestimmen, der auf das Usability Engineering zurückzuführen ist.
Die Analyse besteht aus drei Hauptkomponenten:
  1. Bestimmung von erwartetem finanziellen Aufwand und Nutzen
  2. Bestimmung der Beziehung zwischen Aufwand und Nutzen mit Hilfe einer Art Auswahltechnik; der Grad der Komplexität ist dabei variabel
  3. Entscheidung über Investitionsumfang treffen
Beeinflußt von einer Vielzahl Faktoren variiert der Aufbau einer Kosten-Nutzen-Analyse von Situation zu Situation. Ein typischer Ablauf sieht jedoch folgendermaßen aus:
  • Charakteristiken der Endanwender bestimmen; dabei müssen alle Zielgruppen, die von den Auswirkungen des Produkteinsatzes betroffen sind, berücksichtigt werden
  • Aktuelle Werte für Produktivität, Fehlerraten und alle weiteren interssierenden Attribute sammeln
  • Kosten des Usability Engineering bestimmen
  • Dimensionen des erwarteten Nutzens bestimmen; unterscheiden zwischen meßbarem und nicht meßbarem Nutzen; für die meßbaren Attribute mit Hilfe von Expertenurteilen, verfügbarem Datenmaterial, veröffentlichten Werte oder vergleichbaren Analysen Werte schätzen
  • Durch Vergleich der aktuellen und der geschätzten (Produktivitäts-)Werte wird der Einfluß des Usability Engineering bestimmt.


Beispiel: Karat (1990) führte für ein firmeninternes Sicherheitssystem post hoc eine Kosten-Nutzen-Analyse durch

Die Anwendung wurde von 22 876 Personen verwendet.

Usability Engineering führte zu einer Umgestaltung des existierenden Produktes. Ein Vergleich der Zeiten, die für ausgewählte Aufgaben vorher und nachher durchschnittlich aufgewendet wurden, ergab einen Zeitgewinn von 4,67 Minuten.

Unter Berücksichtigung der Personalkosten ergab sich ein finanzieller Nutzen von
22 876 x 4,67 min x Stundenlohn $/h = $41 700.

An Aufwendungen waren zu verzeichnen: Usability Analyse (Prototypentwicklung, Feldstudien, Labortests), Reisekosten, testbezogene Entwicklungskosten. Die Gesamtsumme ergab $20 700.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrug demnach $41 700 : $20 700 bzw. ca. 1 : 2.

Als weitere, teilweise vorher nicht kalkulierbare, finanzielle Ersparnisse miteinbezogen werden konnten (z. B. verminderte Kosten für eine Supporteinrichtung) verbesserte sich das Verhältnis zu 1 : 10.


Mit diesem Abschnitt sollte das Augenmerk auf einen entscheidenden Aspekt des Usability Engineering gelenkt werden: den finanziellen Aufwand. Dieser hat auch bei der Entwicklung der Usability Inspection Methods eine zentrale Rolle gespielt.
Usability
Usability - Vorbemerkungen
Usability - Definition
Usability Engineering
Usability Engineering - Ziele
Usability Tests
Usability - Kosten
Usability Inspection
Heuristische Evaluation
Cognitive Walkthrough
Literatur


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