Blick auf die Ausgrabungen am Dachauplatz

 

Dachauplatz
Blick auf die Römermauer innerhalb des Parkhauses Dachauplatz

 

Die hier sichtbare Quadermauer war ein Teil der Befestigungsanlage des römischen Legionslagers Castra Regina, das 179 n. Chr. unter Kaiser Marc Aurel als Standquartier für die III. Italische Legion fertiggestellt worden war. Das Lager bildete ein Rechteck mit abgerundeten Ecken, Ost-West-Ausdehnung ca. 450 m, Nord-Süd-Erstreckung ca. 540 m. Ein 60 m langes Teilstück der Umwehrung wurde 1972 beim Bau eines Parkhauses auf dem Gelände des ehemaligen mittelalterlichen Klosters St. Klara freigelegt.

Für den Mauerbau wurde ein Fundamentgraben (2,5 m breit, 1,5 m tief) mit einem 0,7 m hohen Bruchsteinfundament aufgefüllt, darauf setzten die Römer zwei Lagen flacher Kalksteinblöcke. Nach einem oben abgeschrägten Mauersockel folgte die eigentliche Quadermauer (ca. 1,8 m breit, 9 m hoch).

Die massive Ausführung der Umwehrung ist ohne vergleichbares Gegenstück nördlich der Alpen. Sorgfältig zugerichtete Kalksteinblöcke wurden unvermörtelt aufeinandergesetzt. An die innere Mauerseite schloß sich ein Erdwall an, der rampenartig zur Mauerkrone hinauflief und oben als Wehrgang diente. Dieser Wall war zusammen mit der Mauerschale emporgewachsen.

Gut sichtbar ist hier der Sockel, auf dem die einzelnen Blöcke aufliegen. Die Mauer war an dieser Stelle jahrhundertelang in das Kloster eingebaut, so daß die Verwitterung ihr Zerstörungswerk nicht allzu weitgehend betreiben konnte. Deswegen fällt heute der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Quader des noch bis zu 5 m hohen Mauerstückes mit ihren z.T. fast planen Flächen besonders ins Auge.

Auch einer der insgesamt 18 vorhandenen Zwischentürme der Lagerbefestigung wurde im Zuge der Grabungen entdeckt (heute nicht mehr sichtbar). An der Ostfront waren 5 dieser Türme in gleichen Abständen an der Mauerinnenseite angebaut.

In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts hatten die Römer hier an die Mauerinnenseite in den dafür abgetragenen Erdwall eine 60 m lange und 10 m breite Halle gebaut (heute nicht mehr sichtbar). Der Bau hatte mindestens 7 m Innenhöhe. Holzpfosten unterteilten ihn in einen dreischiffigen Raum. Die Innenwände des eingeschossigen Baus waren verputzt und mit farbigen Quadraten bemalt.

Bei der Anlage handelte es sich möglicherweise um eine Werkstatt (fabrica) mit Bronze- und Eisenschmiede, die für Waffenreparatur usw. diente. Aus Sicherheitsgründen und um starke Rauch- und Geruchsbelästigung im Lager möglichst gering zu halten, war sie wohl an die östliche Lagermauer verlegt worden (Vorherrschen von Westwinden). Allerdings ist die Funktion des Gebäudes nicht eindeutig zu klären.

Wahrscheinlich Mitte des 3. Jahrhunderts gestaltete man die Halle zu einem Firstbau mit einer mittleren Pfostenreihe um. Gleichzeitig füllte man den bis dahin vorhandenen Spalt zwischen Lagermauer und fabrica-Wand mit Handquadern (nunmehrige Mauerstärke 4,6 m). Ende des 3. Jahrhunderts fiel das Gebäude wohl den Alamannenstürmen zum Opfer. In der überbreiten Mauer fand man 2 Grabnischen (1,4 x 2 m), die sehr wahrscheinlich als agilolfingische Adelsgräber (Herzogsgräber?) des 6./7. Jahrhunderts zu deuten sind.

G. Waldherr

 

Stand: IV 99

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