Grabung Burgweinting

Mit der Anlage des Legionslagers am Donaubogen in den 70-er Jahren des 2. Jhs. n. Chr. wurde auch das Umland von den Römern verstärkt aufgesiedelt. Gerade die sich im Osten, entlang der Donau hinziehende Ebene mit ihren fruchtbaren Lössböden bot Platz für zahlreiche Bauernhöfe. Die zu einer villa rustica gehörenden Wirtschaftsflächen waren bis zu 120 ha groß und umfassten sowohl Weiden wie auch Ackerland.

Die Bauernhöfe dienten nicht zuletzt zur Versorgung des Truppenstandortes im Donaubogen.

Zahlreiche solcher Gehöfte sind im Regensburger Raum inzwischen vor allem durch die Flüge der Luftbildarchäologen entdeckt worden.

Wie dicht diese Höfe teilweise nebeneinander liegen konnten, zeigt sich am Beispiel von Regensburg-Burgweinting im Osten der Stadt. In einer siedlungsgünstigen Lage nahe des Aubaches inmitten fruchtbarer Lössböden fanden sich auf engstem Raum nicht weniger als drei villae rusticae, die zumindest eine gewisse Zeit lang zusammen bewohnt und bewirtschaftet wurden.

Inmitten eines noch im Entstehen begriffenen modernen Baugebietes liegt die westlichste der drei römischen villae. Ihre Fläche bleibt von den Baumaßnahmen ausgespart und soll weiterhin als römisches Denkmal erhalten und auch erkennbar sein. Dazu wählte man allerdings einen etwas ungewöhnlichen Weg, denn von der villa rustica selbst sind normalerweise oberirdisch keine Spuren erkennbar, obwohl sie bereits zwischen 1911 und 1916 fast vollständig ergraben worden war. Nur im Luftbild wurden bisher die noch im Boden befindlichen Überreste bei bestimmten Witterungs- und Vegetationsbedingungen sichtbar. Nach einer exakten Planaufnahme des Gutshofareals bepflanzte man nun die Gebäudegrundrisse mit unterschiedlichen Nutzpflanzen, so dass die verschiedenen Bestandteile des Bauernhofes in blühender bzw. grünender Form aus dem Boden sprießen und sichtbar werden. Durchzogen von Wegen können Besucher den ehemaligen römischen Gutshof sogar begehen.

 


Burgweinting, villa rustica (sog. Reinecke-Villa), 'bepflanzt', Sommer 2000
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Regensburg

 

Das Anwesen ist umgeben von einer trapezförmigen Umfassungsmauer von insgesamt 402 m Länge. Neben kleineren Zugängen im West-, Ost- und Nordbereich weist die Anlage im Süden ein knapp drei Meter breites Haupttor auf. Das Hauptwohngebäude im nördlichen Teil des Hofes hatte eine Grundfläche von 35 x 17 m. Der Westfassade war ein Laubengang vorgelagert. Zwei Wohnräume konnten mittels Fußbodenheizung erwärmt werden. Über einen schrägen Kellerabgang erreichte man einen Kellerraum mit Wandnischen zum Aufbewahren der Vorräte bzw. zum Abstellen der Lampen. Nahe des Hauptgebäudes fand sich ein Brunnen. Bei einem weiteren Gebäudekomplex direkt an der Umfassungsmauer im Südost-Bereich handelte es sich möglicherweise ebenfalls um ein Wohngebäude. Mehrere Räume, darunter ein Keller und eine Küche mit gemauertem Herd gruppierten sich um einen Innenhof. Westlich davon lag ein weiteres Gebäude mit teilweise erhaltenem Ziegelpflaster und Hypokaustenheizung. Im südöstlichen Eck des Anwesens entdeckte man ein kleines Haus mit Ziegelfußboden. Bei den restlichen Bauten mit unterschiedlicher Größe, die verstreut innerhalb des ummauerten Hofes lagen, handelte es sich wohl um Wirtschaftsgebäude, deren Funktion wir im Einzelnen nicht kennen. Den Funden nach zu urteilen, war die villa vom späten 2. bis zum 4. Jh. bewohnt, sie datiert also in die Zeit des Regensburger Legionslagers.

 


Gesamtplan der westlichen Villa mit Eintragungen der Grabungs- und Luftbildbefunde

Zeichnung nach: Th. Fischer, "Das Umland des römischen Regensburg", Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 42 (München 1990), S.140. Siehe dazu auch: Walter Irlinger / Jörg Faßbinder, "Die römische Villa rustica von Burgweinting - Von der Entdeckung über die Prospektion bis zur Visualisierung", Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg 4 (Büchenbach 2000), S.287-300.

 

 

 

 

Stand: VIII 01

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