Deutsch |English


Exkursion Kriege erinnern.
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Krieg 1992-1995 in Bosnien-Herzegowina

Route und Exkursionsziele:

1. Zagreb 8. Jablanica
2. Jasenovac 9. Mostar
3. Donja Gradina 10. Sutjeska
4. Kozara 11. Gorazde
5. Prijedor 12. Srebrenica
6. Banja Luka 13. Sarajevo
7. Sarajevo
Sarajevo 2SrebrenicaGorazdeSutjeskaMostarJablanicaSarajevoBanja LukaPrijedorKozaraDonja GradinaJasenovacZagreb

Jablanica

Inhalte dieser Seite


Überblick

Die Stadt Jablanica beherbergt das Museum "Bitka za ranjenike na Neretvi" („Schlacht um die Verwundeten an der Neretva“), das in den 1970er Jahren eingerichtet und mittlerweile grundlegend umgestaltet wurde. Auf der Gedenkanlage und im Museum wird heute weiterhin der so genannten Schlacht an der Neretva (1943) gedacht. Hinzu kam vor einigen Jahren eine neue Dauerausstellung, die Themen aus dem Krieg 1992-1995 (Ausstellung „Vierter Korpus der Armee Bosnien-Herzegowinas“) aufgreift, und damit die Gesamtkonzeption der Gedenkanlage verändert. Der Besuch beider Ausstellungen verdeutlicht nicht nur die interpretatorische Verknüpfung der beiden Kriege im heutigen Gedenken, sondern aktuelle Erinnerungskonflikte in BiH selbst - die neue Ausstellung ist einseitig auf „die“ bosniakische Sichtweise auf den jüngsten Krieg gerichtet.

Offizielle Internetseite des Museums: http://www.muzej-jablanica.com


Enver Hasanović: Die Schlacht an der Neretva/Bitka na Neretvi

(In jugoslawischen Geschichtsbüchern war auch oft die Rede von der Schlacht für die 4000 verwundeten Soldaten. [Bitka za ranjenike])

Brücke in JablanicaDie Schlacht fand im Februar und März des Jahres 1943 statt. Die ca. 18.000 Partisanen, Verwundeten und flüchtende Zivilbevölkerung wurden von einer unglaublich hohen Zahl feindlicher Einheiten (ca. 150.000 Soldaten), bestehend aus deutschen, italienischen, kroatischen Ustascha- und serbischen Tschetnik-Verbänden, im Neretvatal bei Jablanica eingeschlossen.

Diese hohe Zahl an Soldaten der Achsenmächte verdeutlicht, wie wichtig es Nazideutschland war, die Partisanen zu vernichten. Unter dem Decknamen „Operation Weiß“ wurde die Operation Ende Januar 1943 gestartet. Hintergrund dieser Aktion waren Gerüchte über eine Invasion der Alliierten auf dem Balkan. Zudem war aus deutschen Geheimdienstinformationen bekannt, dass die Briten Kontakte zu Josip Broz Tito hatten und erwogen, die unter seiner Führung stehende Partisanenbewegung als Bündnispartner gegen Nazideutschland anzuerkennen.

Die Anordung Titos, vier Brücken an der Neretva und eine am Fluss Rama zu zerstören, führte zu dem Irrglauben der Achsenmächte, dass die Partisaneneinheiten nach Norden in das Vrbastal ausweichen werden. Deshalb verlagerten sie einen großen Teil ihrer 150.000 Mann starken Verbände in das Vrbastal. Tito ließ jedoch eine Brücke bei Jablanica provisorisch reparieren, so dass sich die Partisanen zusammen mit der Zivilbevölkerung und den Verwundeten über die Neretva nach Osten in Richtung des Flusses Drina absetzen konnten. Am östlichen Ufer der Neretva mussten sich die Partisanen nur noch den 20.000 militärisch unorganisierten Tschetnikeinheiten, die aber schnell besiegt werden konnten, stellen.

Stein mit Zitat von Tito.Zwar erkannten die Achsenmächte letztendlich Titos Plan, konnten jedoch nicht schnell genug reagieren, ihre Truppen verlagern und die Flucht gen Osten verhindern. Damit hatte Josip Broz sein Versprechen, wie es in jugoslawischen Geschichtsbüchern hieß, die Verwundeten zu retten, gehalten.

Zwar war der Ausgang dieser Schlacht für Nazideutschland und seine Bündnispartner ein militärischer Erfolg, jedoch konnte das Ziel die Vernichtung der Partisanen nicht erreicht werden. Für die Partisanen hingegen waren die Ereignisse in Jablanica von hoher moralischer Bedeutung und in diesem Sinne spricht man noch heute von einem moralischen Sieg bzw. Wendepunkt des Krieges.

Strittig ist jedoch, ob das alles Titos militärischem Geschick oder einer aus glücklichem Zufall geborenen Situation und der entsprechenden Improvisation seitens der Partisanen zu verdanken ist.

Die Inschrift auf dem Stein bedeutet:
"Die Verwundeten dürfen wir nicht zurücklassen. TITO"
Im Falle einer geplanten Sprengung der Brücke wäre im Lager der Partisanen das Unverständnis mehr als nachvollziehbar gewesen - und Tito wäre auf großen Widerstand in seinen eigenen Reihen gestoßen. Es war jedoch tatsächlich die einzige realistische Fluchtmöglichkeit aus dem Belagerungskessel.

Da die Achsenmächte über 200 Flugzeuge im Einsatz hatten und zahlreiche Luftangriffe flogen, könnte man aber auch ein zufälliges Bombardement dieser Brücke vermuten.

Geschichte schreiben immer die Sieger. Also wurde diese Rettung der Partisanen im sozialistischen Jugoslawien als ein großer Verdienst Titos beschrieben, ausgeschmückt und heroisch inszeniert.



Bildergalerie Jablanica

Museum: Schlacht an der Neretva.

Weitere Bilder ...



Marion Forster, Julia Merl und Birte Richardt: Reisetagebuch vom 26. Mai 2010

Museum zur Schlacht an der Neretva.Heute kommen nur noch selten ganze Schulklassen. Schade. Wir sind in Jablanica im Museum. Wir sind unangemeldet. Trotzdem empfängt uns der Direktor und nimmt sich viel Zeit, um uns durch die drei Ausstellungen im Museum zu führen.

Zur Ausstellung der Schlacht von 1943 hören wir Folgendes:

April 1943: Deutsche, Italiener, Ustasche und Tschetniks rückten an, zogen gegen die von Tito angeführten Partisanen, eine ausweglose Lage. Umzingelung. Tito wusste keinen anderen Ausweg, als die fünf Brücken zu zerstören. Die Gegner dachten, dass er nach Norden ziehen würde, Tito aber ließ eine Holzbrücke bauen, innerhalb von 19 Stunden, über welche man die Verwundeten trug; das dauerte acht Tage. Die Deutschen warteten immer noch auf dem Berg im Norden, die Partisanen aber – waren längst verschwunden. Die Holzbrücke zerstörten die Partisanen nach dem Übertritt, damit die Deutschen sie nicht nutzen konnten. Hitler schätze die Lage falsch ein, so gab er auch keinen Befehl an sein Heer weiterzuziehen.

Die Partisanen zogen weiter in die südwestliche Grenzregion, und es folgte, einige Monate später, die sogenannte „Fünfte Offensive“ – so in Jugoslawien genannt, bzw. die „Operation Schwarz“ – wie sie von den Achsenmächten genannt wurde, die Schlacht an der Sutjeska also ...

Eine Geschichte, die uns der Direktor mit einer unglaublichen Faszination erzählt. Lebhaft. Als wäre er selbst dabei gewesen. Die Brücke, welche man heute - in die Neretva gestürzt - sehen kann, ist nicht die Brücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Sie ist ein Nachbau, gebaut und gesprengt in der Nachkriegszeit, um dieses Ereignis zu verfilmen. Ich bin begeistert von der Landschaft, den Bergen, dem türkisen Fluss. Es ist heiß, doch auf den Bergen liegt Schnee. Eine Traumlandschaft.

Wir fahren weiter nach Mostar. Endlich.

Tagebuch weiterlesen ...