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Exkursion Kriege erinnern.
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Krieg 1992-1995 in Bosnien-Herzegowina

Route und Exkursionsziele:

1. Zagreb 8. Jablanica
2. Jasenovac 9. Mostar
3. Donja Gradina 10. Sutjeska
4. Kozara 11. Gorazde
5. Prijedor 12. Srebrenica
6. Banja Luka 13. Sarajevo
7. Sarajevo
Sarajevo 2SrebrenicaGorazdeSutjeskaMostarJablanicaSarajevoBanja LukaPrijedorKozaraDonja GradinaJasenovacZagreb

Kozara Nationalpark

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Überblick

Kozara steht als Kürzel für den Kozara-Nationalpark, eine landschaftlich bezaubernde Hochebene im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina. Hier befindet sich der bedeutende Memorialkomplex „Mrakovica“, der im Jahre 1972 gegründet wurde. Auf Mrakovica wird an das so genannte „Kozara-Epos“ erinnert, eine der größten Schlachten auf jugoslawischem Boden im Zweiten Weltkrieg, in der zehntausende Zivilisten aus dem umliegenden Dörfern und viele Partisanen ihr Leben verloren. In der Republika Srpska zählt dieser Ort auch heute noch zu den wichtigsten Gedenkorten an den Zweiten Weltkrieg. Im dazugehörigen Museum wird heute neben der ursprünglich konzipierten Gedenkintention zudem der serbischen Opfer des Ersten Weltkrieges und der serbischen Opfer des Krieges 1992-1995 gedacht – und somit die Gedenkbotschaft der Anlage umgeschrieben.

Offizielle Internetseite des Nationalparks Kozara: http://www.npkozara.com


Bildergalerie Kozara Nationalpark

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Marion Forster, Julia Merl und Birte Richardt: Reisetagebuch vom 23. Mai 2010

Nationalpark Kozara.Wieder unterwegs. Nach Kozara zum Nationalpark. Dort befindet sich der bedeutende Memorialkomplex „ Mrakovica“, der im Jahre 1972 - gegründet wurde. Entgegen all unserer Erwartungen, weil wir eigentlich viel zu spät für die angekündigte Führung sind, wartet auch hier ein Kurator auf uns. Ein geduldiger, älterer Herr. Er führt uns über viele Treppen zum wirklich beeindruckenden Denkmal von Dušan Džamonija hinauf. Unsere Dozentin übersetzt wieder. Es muss furchtbar anstrengend sein. Sie übersetzt nun schon die Erzählungen des dritten Kurators. Selbst für uns ist es anstrengend. Ich stehe da und versuche mir alles einzuprägen und genau zuzuhören. Ich muss das alles aufschreiben, sonst werde ich wieder daheim alles durcheinander bringen. Und wir sind erst am dritten Ort.

Der Mann erzählt vom Kozara-Epos und es wird deutlich, dass die drei Orte die wir heute besucht haben, wirklich stärker als angenommen in Verbindung stehen. Die hohe Opferzahl von 1942 in Jasenovac und Donja Gradina ist auch das Resultat der Schlacht von Kozara und der folgenden Deportation der serbischen Zivilbevölkerung durch die Deutschen nach Jasenovac. Die Masse der Jasenovacer Opfer, so Mihovilović in Jasenovac, konnte quasi zu Fuß nach Jasenovac gehen – es ist auch eine lokale Erinnerung. An die Vernichtung der Kozarer Serben in Jasenovac.

Im Museum: Grausame Bilder von Kriegsopfern.Dann im Museum. Klein, dunkel, stickig. Grausame Bilder werden hier ausgestellt. Es sind die Bilder vom Film in Donja Gradina. Ich erkenne den Jungen, der seinen Kopf in der Hand hält und höre erneut die imaginäre Musik. Hier drinnen bekommt man kaum Luft und mein Magen macht sich wieder bemerkbar. Der Kurator erzählt uns, dass es sich hier nicht um die übliche Ausstellung handele, weil gerade umstrukturiert wird. Unser Professor weiß hingegen die Ausstellung zu deuten. Es handelt sich eben nicht um eine vorübergehende Baustelle, sondern um die beabsichtigte, sehr überzeugende Darstellung der Serben als prozentual größte Opfergruppe im Ersten Weltkrieg, Serben mit hohen Verlusten im Zweiten Weltkrieg, Serben in Jasenovac und dann die 90er Jahre. Alle drei Kriege schreien uns in diesen brutalen Bildern entgegen.

Tatsächlich ist jede Seite in einem Krieg Opfer, aber auch Täter zugleich. Hier wird ein anderes Bild vermittelt. Die Serben als Opfer.

Am Abend in Prijedor, im ehemaligen Staatshotel mit Blick auf ein angelegtes Gewässer. War sicher mal schön hier. Jetzt nicht mehr. Kaputt vom Tag essen wir in einer riesigen, anonymen Halle und die Atmosphäre fühlt sich mehr als seltsam an. Immer noch satt vom Fleischberg des späten Mittagessens, - können wir kaum vom doch sehr leckeren Essen kosten.

Den restlichen Abend verbringen ein paar von uns in einer gemütlichen Kneipe in Prijedor, bei angenehmer Musik und pivo. Die Stadt ist nicht gerade aufregend schön, aber für diesen Abend bietet sie uns ein ganz passables Ambiente. Vor allem sind für so eine eigentlich kleine Provinzstadt ungewöhnlich viele Menschen auf der Straße, auch viele Jugendliche. Seltsames Kontrastprogramm zu gestern in Zagreb, wo wir mehr Menschen erwartet, aber weniger gesehen haben als hier.

Wir sind geschafft von all den Informationen und Eindrücken und lassen genau deshalb den Tag mit heiteren Gesprächen ausklingen.

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