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Exkursion Kriege erinnern.
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Krieg 1992-1995 in Bosnien-Herzegowina

Route und Exkursionsziele:

1. Zagreb 8. Jablanica
2. Jasenovac 9. Mostar
3. Donja Gradina 10. Sutjeska
4. Kozara 11. Gorazde
5. Prijedor 12. Srebrenica
6. Banja Luka 13. Sarajevo
7. Sarajevo
Sarajevo 2SrebrenicaGorazdeSutjeskaMostarJablanicaSarajevoBanja LukaPrijedorKozaraDonja GradinaJasenovacZagreb

Mostar

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Überblick

In Mostar haben wir uns mit den Spuren „geteilter“ Erinnerung befasst - in einer geteilten Stadt, die den Krieg 1992-1995 unterschiedlich erinnert, und die zugleich Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg gemeinschaftlich teilt(e). Von besonderem Interesse war für uns einerseits die Partisanennekropole, ein Gedenkkomplex, der vom Memorialarchitekten Bogdan Bogdanović in den 1960er Jahren geschaffen wurde. Zum anderen haben wir uns auf Spurensuche nach dem im Jahre 2007 errichteten Bruce-Lee-Denkmals begeben, welches die Mostarer mit der Frage konfrontierte, welche gemeinsamen Werte und Vorstellungen die Menschen im einstmaligen Jugoslawien unabhängig von Ethnie und politischer Einstellung teilten.

Zur heute verwahrlosten Partisanennekropole exisitert kein Internetauftritt.

Zum Bruce-Lee-Denkmal kann man sich auf der offiziellen Internetseite der Kulturstiftung des Bundes, Projekt „Relations - De/Construction of Monument“ informieren: http://www.projekt-relations.de/de/get/pressematerial/de_construction.php


Esther Wahlen: "Bogdan Bogdanović und seine Denkmäler"

Teil 2: Partisanennekropole Mostar

Partisanennekropole Mostar
Partisanennekropole, errichtet
1959-1965

Die Partisanennekropole in Mostar ist ein Friedhof für 810 Partisanen, die im Kampf gegen die Ustaše und die deutschen Besatzer gefallen sind. Das Friedhofsgelände ist durch Tore in mehrere Etappen gegliedert und lädt zum Begehen ein.

Das schön gestaltete, weitläufige Gelände und die Aussicht über die Stadt ziehen auch heute noch Jugendliche an; das sieht man an dem Müll und den zahlreichen Bierflaschen, die sich über das Gelände verstreut befinden. An den Wänden und auf die Ornamente sind Graffitis gesprayt.

Gehört das vielleicht dazu? Bogdanovićs Denkmäler verzichten schließlich ganz bewusst auf Pathos und Anklage. Sie laden zum Verweilen ein, zum Begehen und zum Draufsitzen, und eventuell auch zum Feiern, zum Saufen und zum Vergessen. Ist das konsequent? Ist das lebendig? Ich weiß nicht. Mir tun die Toten leid, die hier liegen.

"Bogdan Bogdanović und seine Denkmäler", Teil 1: Gedenkstätte Jasenovac

Bogdan Bogdanović – sein Wirken und sein Schaffen





Bildergalerie Mostar

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Marion Forster, Julia Merl und Birte Richardt: Reisetagebuch vom 26. Mai 2010

Auf Mostar freue ich mich schon, seit wir den Ablaufplan der Reise bekommen haben. Es wird immer heißer. Klar, in der heißesten Stadt Europas. Erstmal eine Pause. Zeit zu duschen und sich kurz auszuruhen. Am Nachmittag dann eine Stadtführung. Erstes Ziel: stari most, die alte Brücke. Verbindung zwischen Orient und Okzident, dem Christentum und Islam, wurde die Brücke durch die Kroaten 1993 zerstört. Krieg in der Stadt.

Die stari most wurde wieder aufgebaut. Herrscht wieder Frieden in der Stadt? Besteht die „Zweiteilung“ noch? Schwer zu sagen. Die meisten Menschen hier haben kein Problem mehr damit, den anderen Teil der Stadt zu betreten, aber vereint fühlen sie sich nicht. Wir schlendern durch den Bazar. Sehr orientalisch.

Ich fühle mich wie ein Tourist. Darf ich das? Ich sehe überall die Einschusslöcher in den Häusern und Straßen. Wir gehen an der Frontlinie entlang. Suchen Bruce Lee. Er ist weg. Ein Denkmal für ihn wurde 2005 im Park aufgebaut, nur für eine Nacht sollte es schließlich dort stehen. Das Denkmal sollte die Verbindung zwischen beiden Teilen der Stadt, zwischen Ost und West, darstellen. Von vielen nicht anerkannt und dann – nach nur wenigen Stunden – „misshandelt“. Schade. Ein Teil von uns geht zurück in die Stadt. Einfach mal abschalten. Doch noch ein bisschen Tourist sein.

Die Anderen machen sich auf den Weg zur Partisanen-Nekropole. Kein Wegweiser, nichts deutet auf diesen Ort hin. Schließlich sind wir da. Ich bin tief beeindruckt – kretisch anmutende Hörner, Sonnensymbole, mystische Formen, geschlungene und geschwungene Steinbänder. Die Nekropole ist verwahrlost, aber meiner Meinung nach schöner als die „steinerne Blume“ in Jasenovac, welche auch von Bogdanović ist. Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen aus. Auf der Terrasse machen manche noch eine kleine Party – im Jacuzzi.

Ich nicht. Brauche Zeit für mich. Endlich mal alles einen bisschen sacken lassen. Zur Ruhe kommen. Mostar ist eine wunderschöne Stadt und ich beschließe, dass ich hier nicht zum letzten Mal war. Komisch war er – dieser Tag Urlaub. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, wie sehr wie ihn noch brauchen werden.

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