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Exkursion Kriege erinnern.
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Krieg 1992-1995 in Bosnien-Herzegowina

Route und Exkursionsziele:

1. Zagreb 8. Jablanica
2. Jasenovac 9. Mostar
3. Donja Gradina 10. Sutjeska
4. Kozara 11. Gorazde
5. Prijedor 12. Srebrenica
6. Banja Luka 13. Sarajevo
7. Sarajevo
Sarajevo 2SrebrenicaGorazdeSutjeskaMostarJablanicaSarajevoBanja LukaPrijedorKozaraDonja GradinaJasenovacZagreb

Prijedor (Kozarac, Omarska, Trnopolje)

Inhalte dieser Seite


Überblick

Bei Prijedor befanden sich während des Krieges 1992-1995 drei Gefangenenlager, das bekannteste darunter das Lager in Omarska. Omarska ist heute zu einem Inbegriff für die Erinnerungskonflikte geworden, die das Land Bosnien-Herzegowina spalten. Trotz langjähriger Initiativen von Opferverbänden existiert bis heute kein Zeichen des Gedenkens an die Opfer des einstigen Lagers auf dem dortigen Gelände, das gegenwärtig im Besitz einer ausländischen Firma (Mittal Steel) ist. Jedoch verlagern sich auch an diesem schwierigen Ort die Konfliktfronten - so hat die Regierung der Republika Srpska erst vor einigen Monaten, im Dezember 2008, den zivilen Opferverbänden der Lager um Prijedor finanzielle Unterstützung bewilligt. Im benachbarten Ort Trnopolje kann man heute ebenfalls das Gebäude eines ehemaligen Lagers betrachten, an dem jegliche Erinnerungsspur an die Opfer fehlt.


Stefanie Dolvig / Katharina Schalk: Wie der Nachbar zum Feind wurde

Die Gefangenenlager bei Prijedor

In der Nähe von Prijedor, einer Stadt im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina, spielten sich 1992 unvorstellbare Szenen ab. Schulen, Keramikfabriken und Bergwerke wurden umfunktioniert, um dort gezielt Menschen anderer Religionen und Nationen umzubringen. Der folgende Beitrag bezieht sich hauptsächlich auf das Lager in Omarska.

Das „weiße Haus“, der Ort der Folterungen
Das „weiße Haus“, der Ort der Folterungen

Auf dem Gelände eines ehemaligen Bergwerkes in Omarska spielten sich grausame Szenen ab. Die bosnischen Serben nutzten dessen Gebäude als Gefangenlager für „nicht-serbische“ Inhaftierte. Bei den Gefangenen handelte es sich um Bosniaken und Kroaten – Frauen, Männer sowie Kinder. Vor allem aber wurden Angehörige der bosniakischen und kroatischen Elite wie z.B. Ärzte, Lehrer, Politiker, Geistliche, Juristen und Polizisten, aber auch Dienstverweigerer festgenommen. In der Zeit vom 25. Mai bis zum 30. August 1992 wurden hier in etwa 3000 Menschen gefangen gehalten. Davon überlebten 900 – 1000 die Torturen nicht. Nach Beendigung des Krieges wurden in der Nähe zwei Massengräber mit 773 Leichen gefunden. Bis zum heutigen Tag werden immer mehr Massengräber entdeckt. Viele Menschen vermissen immer noch ihre Angehörigen. Bei den Zahlen handelt es sich um ungefähre Schätzungen. Auf unserer Reise trafen wir einen Überlebenden des Lagers in Omarska und gemeinsam mit ihm waren wir vor Ort.

Geschehnisse im Gefangenenlager Omarska

Die systematische Vernichtung der bosniakischen Elite war das Hauptziel der Lagerleiter. 37 Frauen wurden im Omarska festgehalten; fünf von ihnen überlebten das Lager nicht. Sie wurden misshandelt, schikaniert, geschlagen und vergewaltigt. Sie mussten Verhöre über sich ergehen lassen und da sie den Grund für ihre Verhaftung oft nicht wussten, konnten sie die Fragen nicht beantworten und wurden Opfer von Gewalt. Die Frauen wurden aus ihrem Umfeld gerissen und lebten in Angst und großer Ungewissheit, da sie nicht wussten was mit ihren Familien geschehen ist. Während ihnen Aufgaben wie das Verteilen von Essen, Spülen und Putzen zugeteilt wurden, hörten sie Tag für Tag die verzweifelten Schreie der gefolterten Männer. Nicht nur die Leichenberge waren ein Zeugnis für die schrecklichen Taten, auch die Anzahl der auszuteilenden Essen wurde immer geringer. Das Essen bestand aus einer schmutzigen Suppe sowie saurem Brot.

Der Gang in das „rote Haus“ bedeutete den sicheren Tod.
Der Gang in das „rote Haus“ bedeutete den sicheren Tod.

Die Männer wurden oft bis zur Unkenntlichkeit mit Stöcken, Gewehren und Ketten geschlagen, sie wurden getreten und manche von ihnen lebendigen Leibes verbrannt. Viele starben auch an den Folgen der Misshandlungen. Das Foltern fand im „weißen Haus“ statt. Die Ermordungen im „roten Haus“. Wer dort hineinging, kam nicht wieder lebend heraus.

"In Omarska wurden die Kinder lebendig in brennende Öfen geworfen, und die Überlebenden auf die Folter gespannt. Ihnen wurden die Augen ausgestochen, Finger, Nasen und Ohren abgetrennt, die Geschlechtsorgane abgeschlagen." 1

Mehrere hundert Männer wurden in kleinen, dunklen, feuchten Räumen festgehalten, welche nur selten verlassen werden durften. Fäkalien, Blut und offene Wunde verursachten einen unerträglichen Gestank. Die Inhaftierten erhielten kaum Nahrung und Wasser – viele überlebten nur, in dem sie ihren eigenen Harn tranken.

Nicht nur physische, auch psychische Gewalt führte zu einer Traumatisierung der Inhaftierten. Die Männer hatten oft den ganzen Tag nichts zu tun, sodass sie nur warten konnten, was passieren würde. Da die Offiziere meist willkürlich handelten, wussten die Gefangenen nicht, wie sie sich verhalten müssen, damit sie nicht umgebracht werden. Oft reichte nur ein Zucken mit dem Kopf; ohne Erlaubnis auf die Toilette zu gehen; eine falsche Aussage.

"Er befahl mir, beide Hände auf die Fensterbank zu legen und die Finger zu spreizen. Dann nahm er ein Messer in die Hand und stach es in einen Finger nach dem anderen." (Stipo Šošič, nachdem er keine Antwort auf die Fragen beim Verhör gewusst hatte.) 2

"Die Wachtposten nötigten sie, vor uns allen einander Geschlechtsorgane abzubeißen, sie stachen ihnen die Augen aus und zwangen sie, diese zu essen." 3

1 Šošič, Stipo: Zur Hölle und zurück. In den Lagern der Furcht und des Grauens – Keraterm, Omarska, Manjaća. Köln 1996. S. 46.
2 Ebd., S. 50.
3 Ebd., S. 53.

Die Rolle der Reporter

Das Lager Trnopolje
Das Lager Trnopolje

Der amerikanische Journalist Roy Gutman reiste nach 16-jähriger Abwesenheit als Kriegsreporter nach Jugoslawien. Als er Informationen über eine angebliche „ethnische Säuberung“ erhielt, begann er sofort mit seinen Recherchen. Er führte Gespräche mit muslimischen und kroatischen Authoritäten in Banja Luka. Das Bosnische Rote Kreuz und der Polizeichef bestätigten, dass es Deportationen von Menschen in Güterwagen gäbe. Gutman erhielt außerdem die Erlaubnis das Lager Manjača zu besichtigen. Nach Omarska ließ man ihn nicht fahren, da man seine Sicherheit nicht gewährleisten konnte. Dennoch schrieb er über Omarska Artikel, die auf Zeugenaussagen basierten.

Er war erschüttert über die Reaktionen der westlichen Welt. Grund für seine Erschütterung war, dass es keine Reaktionen gab. Fast zur gleichen Zeit bekam Ed Vulliamy, ein britischer Journalist, unter anderem Zugang zum Lager Trnopolje, das ehemals eine Schule war.

Radovan Karadžić selbst hatte ihm und Penny Marshall die Erlaubnis gegeben, das Lager zu besichtigen. Er sagte, sie sollen sich davon überzeugen, dass die Zustände dort gar nicht so schrecklich seien. Allerdings unterschätzte er die genaue Arbeit der westlichen Medien.

In diesem Lager wurden sehr viele Frauen sowie Kinder misshandelt und vergewaltigt. An diesem Ort wurde auch das bekannte, wenngleich manipulierte Foto 4 gemacht, das dann um die Welt ging. Man sieht mehrere abgemagerte Männer, darunter auch Fikret Alić, der den Reportern die Hand durch den Stacheldraht reicht. Nicht viele nutzten die Chance, den Reportern zu erzählen, wie die tatsächliche Lage im Lager war. Sie waren gezwungen zu lügen oder zu schweigen. Dennoch fanden einige den Mut, von den schrecklichen Zuständen zu berichten.

Nachdem die Fotos und Artikel veröffentlicht wurden, töteten serbische Offiziere die Männer, die sie wiedererkannten; Alić konnte fliehen und sich in Frauenkleidung verstecken, bis das Lager einen Monat später auf Druck der UN und des Roten Kreuzes geschlossen wurde.

Bei einem Arztbesuch nach der Flucht diagnostizierte der Arzt bei ihm: 6 gebrochene Rippen, gebrochener Unterkiefer, alle Zähne ausgeschlagen, Nase gebrochen, Schädelbasisbruch, über 100 Stich-, Schnitt- und Brandwunden.

Das Erschütternde ist, dass er so wie viele andere Gefangene sogar seine Peiniger kannte: Sein Peiniger Dušan Tadić stammte – wie viele Gefangenen – auch aus Kozarac, einem Ort bei Omarska.

Nachdem man begonnen hatte die Lager zu schließen wurden die Gefangenen oft erst nach Manjača gebracht, wo sich auch ein Lager befand, aber mit besseren Bedingungen. Danach wurden sie nach Karlovac, Kroatien gebracht, von wo viele dann in weitere Länder flüchten konnten.

„I do not want to tell any lies, but I cannot tell the truth.“ (Džemal Partušić als ihn Ed Vulliamy nach den Zuständen im Lager Omarska fragt) 5

Šerif Velić antwortete auf die Frage nach der Wunde am Kopf, dass er gefallen sei, dass es zufällig passierte.

4 Auf dem Foto waren mehrere abgemagerte Männer zu sehen, die – so schien es – hinter einem Stacheldrahtzaun standen. Dem war aber nicht so. Die Reporter sollten durch den Zaun keine Möglichkeit bekommen, näher an das Lager heranzukommen. Das Lager selbst war nicht umzäunt.
5 Vulliamy, Ed: „I am waiting. No one has ever said sorry“. http://www.guardian.co.uk/world/2008/jul/27/radovankaradzic.warcrimes2, Zugriff 20.05.2010.

Verurteilungen am ICTY

Einige Täter aus diversen Lagern wurden bereits für ihre Taten verurteilt. Sie wurden verurteilt wegen der Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer politischen Meinung, ihrer Rasse sowie ihrer Religionszugehörigkeit.

Für das Lager in Omarska sind dies Folgende:

„I was happier about the rain on my lawn than about the arrest of Karadžić. It’s too little, too late. I have taught myself not to hate, because if I hate, that is yet another burden on my back. I want justice, but not revenge – I just want my soul to be in peace. But I cannot forgive. How can I forgive someone who shows no remorse, like Karadžić and all the little Karadžićs around here who did these things to us? How can I forgive things that were done by people who are proud of doing it, would do it again and do not ask my forgiveness?” (Fikret Alić nach der Verhaftung Radovan Karadžićs) 6

6 Vulliamy, Ed: „I am waiting. No one has ever said sorry“.
http://www.guardian.co.uk/world/2008/jul/27/radovankaradzic.warcrimes2, Zugriff 20.05.2010.

Die heutige Situation in Omarska

Seit 2004 ist die Firma Mittal Steel in Betrieb. Die Firma befindet sich auf dem Bergwerkgelände auf dem sich das Gefangenlager befand. Auf dem Fabrikgelände werden immer noch Leichen vermutet. Der Wunsch nach der Errichtung einer Gedenkstätte kam auf und das „weiße Haus“ wurde dafür vorgeschlagen. Mittal Steel übergab die Aufgabe 2005 an „The Soul of Europe“ eine britische Einrichtung, die die Interaktion zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten herstellen soll. Die bosnischen Serben leugnen die Existenz des Lagers und sind gegen die Errichtung einer Gedenkstätte. Einige von ihnen waren selbst Täter.

Auch der Plan aus dem Jahr 2006, eine muslimische Gedenkstätte zu errichten, scheiterte. Weitere Versuche auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen folgten.

Das „weiße Haus“ steht leer und könnte durchaus als Gedenkstätte genutzt werden. Bis zum heutigen Tage gibt es keine Gedenkstätte, die an das Lager in Omarska erinnert, da es zu keiner Einigung zwischen den dort ansässigen Serben, den Überlebenden und den Hinterbliebenen der Opfer kommt.

Quellen und weiterführende Literatur



Bildergalerie Prijedor, Kozarac, Omarska, Trnopolje

Das ehemalige Gefangenenlager Omarska ist heute wieder eine Fabrik.

Weitere Bilder ...



Marion Forster, Julia Merl und Birte Richardt: Reisetagebuch vom 24. Mai 2010

Satko berichtet von den Kriegsereignissen hier vor Ort.Wir fahren mit dem Bus von Prijedor nach Kozarac und treffen in einem kleinen Café auf Satko. Ein unglaublicher Mensch. Sehr offen was seine Erlebnisse betrifft. Ist es gut darüber zu sprechen? Er meint ja, weil es ihm hilft. „In some way it’s healing me to talk about it now.”

Viele sind da anderer Meinung.

Wir gehen zusammen durch Kozarac zur Kućea Mira, das Haus des Friedens, ein Haus der Vereinigung der Frauen von BiH (Udruženje Žena BiH). Ihr Motto: “I will not raise my child to kill your child!”

Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht was mich erwartet, dass mich diese Geschichte an meine Grenzen bringen wird. Einschusslöcher an den Wänden, zerstörte und nicht wieder aufgebaute Häuser. Nicht das einzige Mal, dass wir auf unserer Reise diesen Anblick haben werden.

Am 24. Mai 1992, einem Sonntag, wurde Kozarac von den Serben beschossen. 2 Tage später haben sie sich ergeben, Flucht in die Berge. Auf der Straße nach Banja Luka wurden Männer und Frauen getrennt, in 3 Lager, „death camps“, aufgeteilt: Trnopolje, Keratem, Omarska.

Das "weiße Haus" - ein Ort der Folter.Satko wurde mit seinem Vater nach Omarska gebracht, am 30. Mai. Serben gingen von Tür zu Tür und schauten auf die Namensschilder, wo Nicht-Serben wohnten. Klingelten, nahmen die Bewohner mit – Ziel: Gefangenenlager. Mir läuft es eiskalt über den Rücken. Ich stelle mir vor, wie es wohl sein muss, auf dieses tödliche Klingeln zu warten. Vielleicht wusste die Bevölkerung auch gar nichts davon.

Es wurde vorrangig Elitozid betrieben, Intellektuelle wie Juristen, Politiker usw. wurden gefangen genommen, ermordet. 3.000 bis 4.000 Menschen in Omarska. Einmal täglich Essen, furchtbare Foltermethoden, „shooting and slaughtering was not enough“. Den Menschen wurden die Knochen gebrochen, um sie anschließend so herum laufen zu lassen. Den ganzen Tag warteten die Männer in einer Schlange auf ihr Essen. Einen schmutzigen Teller Suppe bekommen-, war nicht sicher. Satko spricht von „games“. Die Soldaten spielten Spiele mit ihnen, folterten sie. Sie schütteten Öl auf den Boden, damit die Gefangenen beim Rennen hinfielen. Hinfallen, das durfte man nicht. Dann war es vorbei. Dann wurde man zu Tode geprügelt.

Das "rote Haus" - wer hier reinkam, kam nicht wieder lebend raus.Wir fahren auf das Gelände von Mittal Steel, einer Firma, die das ehemalige Gelände vom Lager gekauft hat. Weiß der heutige Inhaber von den Gräueltaten von damals? Eingestellt wurden hier lange Zeit nur Serben.

Das „weiße Haus“ steht hier. Satko erzählt uns all die Grausamkeiten, welche er miterleben musste. Jeden Morgen erneute Leichenberge vor den Fenstern. Wir gehen hinein. Hier wurde gefoltert, gemordet? Die Wände waren voller Blut? Man sieht es noch. Die Wände wurden zwar neu gestrichen, die Farbe kann die Vergangenheit dieser Räume aber nicht ganz vergessen machen. Ich kämpfe gegen die Bilder in meinem Kopf an, auch gegen den imaginären Geruch von Urin, Schweiß und Tod. Gegenüber das „rote Haus“. Wer dort hinein gebracht wurde, kam nicht lebend raus. 170-200 Leute in einem Raum, manche starben im Stehen, fielen einfach um, wenn die Türen wieder geöffnet wurden. - Satko wird die Schreie nie vergessen, Schreie, nicht nur vor Schmerz, sondern in der Gewissheit, dass man sterben wird.

Das manipulierte Foto von den Gefangenen.Ein Foto von Ed Vulliamy 1992, welches Fikret Alic in Trnopolje hinter einem Zaun zeigte, ging durch die Welt. Im Nachhinein stellte man fest, dass das Foto eine Manipulation war. Satko ist das egal, denn nur so wurden sie gerettet. Im August 1992 begann man mit der Schließung der Lager, Internationale kamen; einige Männer aber wurden im Lager gelassen und sie mussten lügen: zweimal am Tag bekommen sie Essen. Unglaubwürdig. Denn wie kann ein Mann dann aber nur 50 kg wiegen? Ein Mitgefangener in Omarska sagte dem Reporter: „ I don’t want to lie, but I cannot tell the truth!“ Am 21. August wurde Omarska endgültig geschlossen, aber selbst an diesem Tag wurden noch drei Frauen und zwei Männer ermordet.

Trauermarsch zum Friedhof.Satko lebt heute in Rotterdam, arbeitet für die EU. 1999 diagnostizierte man bei ihm posttraumatische Störungen, er merkte, dass er etwas tun muss. Für ihn ist das Reden Therapie. 2004 kehrte er das erste Mal in den Ort zurück, in dem er aufgewachsen ist und heute sei es das erste Mal gewesen, dass er hier nicht zusammengebrochen ist. Trotzdem hat er immer wieder Tränen in den Augen. - Sein Vater war mit ihm im Lager. Er kann nicht hierher.

Heute ist der 24.05.2010. Es ist genau 18 Jahre her, als die Serben angegriffen haben. Es gibt eine Prozession von der Moschee zum Friedhof. Ich fühle mich unwohl. Ist es okay Fotos von dieser Prozession zu machen? Die Menschen gehen zum Friedhof, um ihrer verstorbenen Verwandten zu gedenken. Auch dort waren wir. Freunde von Satko sind dort begraben, alle als Opfer des Krieges. Ein neues Denkmal wird für die Opfer gebaut, aber es ist schwer, auch das „weiße Haus“ zu einer Gedenkstätte zu machen.

Denkmal zum Gedenken an die serbischen soldatischen Opfer des KriegesVor dem ehemaligen Lager Trnopolje hingegen steht, provozierend, ein Denkmal zum Gedenken an die serbischen soldatischen Opfer des Krieges. Finanziert von der Gemeinde Prijedor. Nachvollziehbar, wegen der serbisch dominierten Regierung, aber ungerecht. Logisch, da auch der Soldaten gedacht werden muss, aber ungerecht.
Satko ist begeistert von unserer Truppe. Kann es immer noch nicht glauben, dass wir hier sind, um uns mit den Kriegen und den Erinnerungen an jene zu beschäftigen: „You came all the way from Germany to hear that story. The Serbs right over there have no clue.”

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