Projektbereich A

Archäologische Untersuchungen zu Besiedlung und Landschaftswandel der bronze- und urnenfelderzeitlichen Höhenbefestigung auf dem Bogenberg, Lkr. Straubing-Bogen, Niederbayern

Ursula Putz M.A.



 
 
 
 
 
 
Topographie des Bogenberges
 

Der 1,5 km lange, von Nordwest nach Südosten streichende Bogenberg bei Bogen, Lkr. Straubing-Bogen, Niederbayern, bestehend aus Perlgneisen, der dem Bayerischen Wald etwa 4-5 km vorgelagert ist, liefert ein imposantes Beispiel einer ehemals befestigten Höhensiedlung der Bronze- und Urnenfelderzeit. Die sanduhrförmige Gestalt der Befestigung mit seinem vorgeschichtlichen Wall- und Grabensystem ergibt sich durch eine Verengung von ca. 30 m Breite in der Mitte des langezogenen Bergmassivs, die durch einen urnenfelderzeitlichen Querwall gesichert wurde. Die mehrphasige Wallanlage auf dem Bogenberg umfaßt eine Fläche von etwa 10,5 ha; diese gliedert sich in einen östlichen Teil, das Obere Plateau, und einen westlichen Bereich, den Tumelplatz. Der Berg ragt unmittelbar nördlich der Donau bis zu 115 m in die Höhe, wobei die höchste Stelle im Westen (bei 433,3 m NN), heute von der Wallfahrtskirche gekrönt, ebenfalls durch Wall und Graben abgetrennt wurde. Im Süden erstreckt sich die bis zu 10 km breite flache Landschaft des Gäuboden. Für die ehemaligen Handelsverbindungen und Einflüsse spielte die von 


 

Blick auf den Südhang des Bogenberges (Foto U. Putz)
Nordwest nach Südost verlaufende Donau eine entscheidende Rolle. Der Bogenberg beherrscht die fruchtbare Donauebene, den Dungau mit zahlreichen bronze- und urnenfelderzeitlichen Fundplätzen sowie die im nördlichen Hinterland liegende und nach Böhmen führende Hunderdorfer Senke.
 
 

Ausblick vom Bogenberg in die Ebene des Gäubodens (Foto U. Putz)
So reihen sich bronze- und urnenfelderzeitliche Fundplätze wie Straubing, Straßkirchen, Irlbach, Schambach usw. entlang der Donau in einem dichten Netz und zeigen in vorbildlicher Weise den seit alters her genutzten Siedlungsraum im Donautal und im Tertiärhügelland, besonders entlang der Terrassenkante, an Flußläufen im niederbayerischen Raum zwischen Straubing, am Flußlauf der Aiterach und im Lößbodengebiet auf. Der Bogenberg, der bereits früher im Blickpunkt der Forschung stand, bietet eine ideale Voraussetzung für die Erforschung befestigter Höhensiedlungender Bronze- und Urnenfelderzeit in Süddeutschland. In diesem Zusammenhang verdienen die neu entdeckten urnenfelderzeitlichen Nekropolen bei Künzing, Straubing-Sand, Straubing-Kagers(HaA und HaB) und Schambach besondere Beachtung, da sie in Zusammenhang mit der urnenfelderzeitlichen Befestigung auf dem Bogenberg stehen.Auch liegt die nächste befestigte Höhensiedlung, der Natternberg bei Deggendorf, in nur ca. 20 km Entfernung
donauabwärts südöstlich des Bogenberges. Ebenso dient der etwa 70 km entfernte Frauenberg bei Kelheim mit einer Besiedlungsphase der Bronze-, Urnenfelder- und Latenezeit und der in etwa gleicher Distanz gelegene Schloßberg bei Kallmünz, der seit April 1999 ebenfalls von der Universität Regensburg systematisch untersucht wird, als Nachbarbefestigung.
Geschichtlicher Überblick von Karl Böhm

 

Forschungsprojekt Bogenberg

Das seit 1995 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte und von der Universität Regensburg durchgeführte Forschungsprojekt auf dem Bogenberg befaßt sich mit der grundlegenden Frage der Rekonstruktion von Siedlungsvorgängen auf Höhenbefestigungen und der sie umgebenden Landschaft während der Bronze- und Urnenfelderzeit. Ein Charakteristikum urnenfelderzeitlichen Siedelwesens scheint die Errichtung von Befestigungen auf geschützten Höhen zu sein. Dabei richten sich die Art der Befestigung, ob geschlossener Ringwall oder Abschnittsbefestigung und die zusätzliche Sicherung durch ein Grabensystem nach den örtlichen Gegebenheiten, wobei die Reliefierung des Geländes geschickt, wie auch auf dem Bogenberg, in die Anlage mit einbezogen wird. Seit April 1995 wird der Bogenberg in zwei jährlichen Ausgrabungskampagnen vom Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte der Universität Regensburg archäologisch untersucht und wirft erneut Fragen kulturgeschichtlicher Art auf hinsichtlich der Platzwahl, seiner Funktion, der Besiedlungsphasen, der Bau-, Nutzungs- und Versorgungsweise, der Kontinuität und der abrupten, jedoch auf dem Bogenberg anscheinend nicht gewaltsamen Aufgabe des Besiedlungsareals auf einem geschützten Bergsporn. Dieses Phänomen läßt sich nach A. Jockenhövel (Zu befestigten Siedlungen der Urnenfelderzeit aus Süddeutschland, Fundber. Hessen 14, 1974, 19-62) auch bei anderen Höhensiedlungen feststellen. Danach scheinen die Höhensiedlungenvollkommen verlassen, und erst mit dem Aufkommen hallstattzeitlicher Herrensitze kommt eine neue Siedelweise in Sicht. Unter diesem Gesichtspunkt bleibt die Besiedlungsdauer des Bogenberges zu untersuchen, ebenso eine genauere Analyse bereits ausgegrabener Höhensiedlungen und deren Auswertung. Hier stellt sich die Frage nach den Ursachen der Aufgabe der Besiedlung. Waren es Einflüsse von außen, wie eine feindliche Bedrohung, die sog. "thrako-kimmerische Gefahr" nach Kimmig (Die Urnenfelderkultur in Baden. Röm.-Germ. Forsch. 14 [Berlin 1940].), oder war die Hochfläche aufgrund der Erosion, wie bodenkundliche Untersuchungen ergaben, so abgewirtschaftet, daß sie keinerlei Lebensgrundlage mehr bot und die Bevölkerung deshalb gezwungen war, diesen geschützten Platz aufzugeben, oder brachten etwa drastische Klimaschwankungen (G. Smolla, "Der Klimasturz" um 800 v. Chr. und seine Bedeutung für die Kulturentwicklung in Südwestdeutschland. Festschr. P. Goessler [Stuttgart 1954] 168 ff.) die Aufgabe der Befestigung mit sich? Auch die Frage der Bevölkerungsschicht auf den Höhensiedlungen ist noch immer nicht hinreichend geklärt. Handelte es sich um sog. Adelssitze oder um Fluchtburgen im Falle einer Kriegsauseinandersetzung?
 
  

Archäologische Auswertung und Zielsetzung

Ziel meiner Dissertation ist es, Art und Zeitstellung der Besiedlung auf der befestigten Plateaufläche, den Aufbau und die Datierung der Graben- und Wallsysteme sowie ihr Verhältnis zueinander eingehend zu betrachten. Dabei soll auf die Auswertung des Keramikspektrums ein Schwerpunkt gelegt werden, da sich hier die Schwierigkeiten zeigen, Siedlungskeramik im Gegensatz zur Grabkeramik feinchronologisch zu untersuchen. So spielen Gefäßformen und Verzierungen eine entscheidende Rolle bei der Keramikbestimmung. Aus den seit 1995 angelegten 28 Schnitten konnten bisher (Stand April 1999) über 4400 Keramifragmente gezeichnet werden und sollen je Schnitt, Schicht und Planum eingehend diskutiert werden. Aus diesem Grund wurden die Keramikfragmente mittels Datenbank (Microsoft Access) erfaßt. Zur Auswertung gelangen, in Anlehnung an die Gruppengliederungvon R. Dehn (Die Urnenfelderkultur in Nordwürttemberg. Forsch. und Ber. Vor- u. Frühgesch. Baden-Württemberg 1 [Stuttgart 1972].) und J. Stadelmann (Der Runde Berg bei Urach IV. Funde der vorgeschichtlichen Perioden aus den Plangrabungen 1967-74. Komm. für Alamannische Altertumskunde, Heidelberger Akad. Wiss. Schr. [Sigmaringen 1981].), Rand-, Boden- und Henkelfragmente sowie verzierte Schulter- und Bauchfragmente, die nach ihrer Beschaffenheit (Oberflächenstruktur Farbe, Magerung), ihren Randformen und ihrer Gefäßart näher bestimmt 

Pfostenspuren in Schnitt 7 (Foto F. Damminger)

werden sollen. Am Bogenberg finden sich vereinzelt Siedlungsnachweise der frühen (BzA2/B: 1800-1600 v. Chr.), der mittleren und späten Bronzezeit (BzC2/D:1500-1300 v. Chr.), jedoch hauptsächlich der mittleren (1200-1000 v. Chr.) bis zur jüngeren Urnenfelderzeit (1000-800 v. Chr.).Dabei überlagern auch noch mittelalterliche Schichten die vorgeschichtlichen Befunde.  Einblicke in den Aufbau der Wallanlagen des Berges wurden durch Baggerschnitte ermöglicht, während die Schnitte zur Untersuchung der Nutzungsphase des Oberen Plateaus, die die Innenfläche des Oberen Plateaus betreffen, sowie im Bereich des schon in den Jahren 1950-51 von H.-J. Hundt erfaßten bronzezeitlichen Abschnittsgrabens manuell angelegt wurden. Dabei ist es wichtig, einzelne Bauphasen der Wälle untereinander in Beziehung zu setzten und mittels der Keramikauswertung, durch deren Zuordnung zu Schichten, in ein chronologisches Gerüst zu setzen. Im Innenbereich des Oberen Plateaus weisen zahlreiche Pfostenspuren und Herdplatten auf eine dichte Besiedlung während der mittleren und späten Urnenfelderzeit hin. Als älteste Belegungssphase läßt sich anhand nur weniger Keramikfragmente im Abschnittsgraben des Oberen Plateaus (Schnitte 1 und 7) die frühe Bronzezeit belegen, nach bisheriger Auswertung liegt jedoch ein früher Siedlungsschwerpunkt in der späten mittleren Bronzezeit. Für eine feinchronologische Untersuchung bieten die Schnitte 1 und 7 eine gute Voraussetzung, da hier der bronzezeitliche (BzC2/D) Grabenbereich von einer urnenfelderzeitlichen Siedlungsschicht überlagert wird.

 
 
 
Hier soll anhand der Keramik untersucht werden, ob sich ein Übergang von der Stufe BzC2/D zur älteren Urnenfelderzeit (HaA1) herauskristallisiert und sich gegen die jüngste Besiedlungsphase (HaA2/B1 bzw. HaB3) abhebt. Hier zeigt sich jedoch die Schwierigkeit Siedlungskeramik innerhalb der nicht klar abzutrennenden Stufeneinteilung nach BzD, mit Übergang nach HaA1 zu bestimmen, fehlen doch, im Gegensatz zur Grabkeramik, klar datierende Bronzebeigaben. Dazu ist es nötig, sich eingehend mit der bestehenden bronze- und urnenfelderzeitlichen Chronologie Bayerns auseinanderzusetzen, um zu gesicherten Untersuchungsergebnissen zu gelangen. Die bronzezeitliche Keramik Niederbayerns ist in einigen Publikationen bereits ausführlich behandelt worden und bietet einen geeigneten Grundstock zur Auswertung des Keramikspektrums.Ist die genaue Analyse der Gefäßformen abgeschlossen, gilt es, sie mit Ziermustern zu korrelieren; dieser Ansatz ist für eine genaue Datierung unerläßlich. Viele Gefäßformen, vor allem Wirtschaftsware bleiben über lange Zeiträume und weite Regionen vom kulturellen Wandel weitgehend unberührt und liefern keine Hinweise für eine feinchronologische Ansprache.
Dagegen bietet die im niederbayerischen und oberpfälzischen Raum verbreitete Attinger Ringabrollungsverzierung (siehe Bild oben) im allgemeinen (dieser Datierungsansatz gab bereits zu zahlreichen Diskussionen Anlaß) eine Datierung in die mittlere Urnenfelderzeit (HaA2/B1). Nach Abschluß der Arbeit wird sich hoffentlich ein feinchronologisches Gerüst für die genauere Datierung der Höhenbefestigung Bogenberg herauskristallisieren.
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