Projektbereich A

Geomorphologische-pedologische Forschungen zum anthropogen induzierten Landschaftswandel auf dem Schloßberg oberhalb Kallmünz, Lkr. Regensburg, Oberpfalz und in seiner unmittelbaren Umgebung 

Jochen Schmidgall MA


Das häufig als die „Perle des Naabtals“ bezeichnete malerische Städtchen Kallmünz (Regierungsbezirk Oberpfalz / Bayern),  liegt an der Mündung der Vils in die Naab auf der Fränkischen Alb. Das Naabtal mündet ca. 25 km südöstlich kurz vor Regensburg in die Donau.

Im Quartär hat sich die Naab weit westlich ihres tertiären „Urnaab - Rinnensystems“ (heute größtenteils vom Unterlauf der Regen benutzt) ihr Tal in die Malmkalke der Fränkischen Alb gegraben. Dadurch hat sie zusammen mit der Vils den Schloßberg, heute noch von einer mittelalterlichen Schloßruine besetzt, herausmodelliert. Geologisch wird dieser im Norden und Süden aus dolomitisierten Schwammriffkalken (Massenkalk wd) aufgebaut, in den Bereichen dazwischen finden sich we - Kalke der Plattenkalkfazies. Verkarstungsphänomene, wie Trockentälchen, Karren, evtl. könnten auch Dolinen gefunden werden, zu Dolomitasche verwitternder Kalkstein, sowie edaphische Trockenheit, durch Kalkmagerrasen - Vegetation (pinus, juniperus) angezeigt, finden in diesen geologischen Umständen ihre Ursache. Der Schloßberg überragt das Naab- und Vilstal bei Kallmünz in einem steilen Felsabbruch gegen Süden um ca. 100 m.

Die Morphologie auf dem Schloßberg zeigt sich als klein gerasterte, und in eine Vielzahl  von Ackerparzellen durch Stufenraine und Lesesteinwälle unterschiedlicher Höhe differenzierte Fläche. Der Schloßberg wurde bis in jüngste Zeit ackerbaulich genutzt. In ca. 200 m Abstand wird die im äußersten Süden gelegene Schloßruine von einem mächtigen „Inneren Wall“ (bis 10 m Höhe) umgeben, ein zweiter „Äußerer Wall“ befindet sich in ca. 1,5 km Abstand Richtung Norden. Die Gesamtfläche innerhalb der Wälle beträgt etwa 40 ha. Durch mehrere Wallschnitte (innerer und äußerer Wall), sowie evtll. auch Flächengrabungen, soll die Vor- und Frühgeschichte, insbesondere Siedlungs-, bzw. Kulturgeschichte dieses Gebiets erhellt werden. Unterstützung soll dies vor allem von Seiten der Physischen Geographie, aber auch der Botanik (z.B. Palynologie) erfahren.

Die Botanik könnte hierbei in Form von pollenanalytischen-, sowie Makrorest-Untersuchungen unter die Arme greifen (Einwirkung des Menschen auf die Vegetations- bzw. Waldgeschichte)

Aufgabe dieses Projektbereichs von geographischer Seite soll es sein, die bisher noch kaum erforschte Landschaftsgeschichte des Schloßbergs und seiner näheren Umgebung anhand geomorphologisch - pedologischer Forschung zu rekonstruieren. Falls geeignetes Probematerial gefunden wird könnte auch an dendroökologische Untersuchungen gedacht werden.

Dabei soll besonderer Augenmerk auf den anthropogen induzierten Landschaftswandel gelegt werden, denn schon der prähistorische Mensch (mind. urnenfelderzeitlich) hat hier intensiv in den natürlichen Landschaftshaushalt eingegriffen. Art, Dauer und Intensität dieser Inwertsetzung, insbesondere durch Besiedlung und Landnutzung, sowie Veränderungen des Ökosystems, gegebenenfalls mit den bekannten Zeitscheiben korrelierbare, sind somit Gegenstand der Untersuchung.

Ausgewählt für die ersten physisch - geographischen Untersuchungen wurden:

· Stellen unter dem inneren Wall, sowie unter Wald auf dem Nachbarberg gegenüber der Vils, um dort vermutete,   ungestörte Bodenprofile,als archivierte Referenzprofile, zu erhalten

· Stellen vom inneren Wall Richtung S (weiter nach „innen“), wo Hortisole (Gartenböden) bzw. Kolluvisole vermutet werden

· eine Stelle unmittelbar am Fuß, NW außerhalb des inneren Walls, wo unter einem kleinen Waldareal (Dauervegetation ?)   als Kolluvienfalle, Informationen über Kolluvien (z.B. Bilanzierung, Datierung) erwartet werden

· zwei Abflußrinnen nach Traidendorf  a. d. Vils (NW), sowohl innerhalb als auch außerhalb des äußeren Walls, wo   Informationen durch die Verzahnung von Schwemmfächer und Aue erwartet werden

· verschiedene Stellen für die Anlage von Catenen (bzw. Bohrprofilgewinnung), um weitere Informationen über   Bodenerosionsausmaß, On- und Off - Site Bilanzen zu gewinnen

· möglicherweise Hochflut - Ablagerungen in den Tälern und gegebenenfalls Vermoorungen zur palynologischen   Erhellung der Vegetationsgeschichte

· vorstellbar wären auch geophysikalische Methoden (Magnetik, Seismik, Elektrik)

Die sinnvollste Art und Weise sich solch einer Aufgabenstellung anzunehmen, ist sicherlich eine Annäherung aus Perspektiven verschiedener Disziplinen, die idealerweise in dem vielbesagten Schlagwort „fruchtbare Zusammenarbeit“ ihr Ergebnis findet. Zudem kann der Prähistoriker, Botaniker, Geograph, usw., jeder für sich und seine Zielsetzung in einer Art Nutzenverschränkung, von der Verbindung verschiedenster Meßebenen und Forschungsrichtungen zur Klärung der Natur - und Kulturgeschichte dieses Gebiets profitieren.


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