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Bibliotheksvernetzung 2.0

Uhr - Montag 13. August 2012, 00:00 Uhr

Bibliotheksvernetzung 2.0

Die Bestände der Bibliothek des Bezirksheimatpflegers werden jetzt auch über die Universitätsbibliothek der Bevölkerung zugänglich gemacht.

Der Regensburger Katalog wächst stetig. Über 10.000 Bände aus der Bibliothek des Bezirksheimatpflegers für die Oberpfalz werden nun in den Regensburger Bibliotheksverbund überführt. Selbstverständlich können die Bücher auch weiterhin vor Ort in der Bibliothek beim Bezirk Oberpfalz in der Ludwig-Thoma-Straße 14 studiert werden. Lediglich die Online-Recherche und -Bestellung wird zukünftig von der Universitätsbibliothek organisiert. Damit wird der Bibliotheksbestand der Bezirksheimatpflege einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Regensburger Bibliothekslandschaft leistet damit unter Federführung der Universitätsbibliothek Regensburg einen aktiven Beitrag zur weiteren Optimierung der Wissenschaft in Regensburg. Lesen Sie hierzu ein Interview mit dem neuen Bezirksheimatpfleger für die Oberpfalz Herrn Dr. Tobias Appl und dem Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg Herrn Dr. Rafael Ball:

Bezirksheimatpfleger für die Oberpfalz Dr. Tobias Appl und der Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Rafael Ball


Ein gutes Team: Der neue Bezirksheimatpfleger für die Oberpfalz Dr. Tobias Appl und der Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Rafael Ball.

Herr Dr. Appl, Sie sind der neue Bezirksheimatpfleger für die Oberpfalz. Welche Erwartungen und Pläne hegen Sie für Ihre Amtszeit?
Dr. Appl: Die Aufgaben des Bezirksheimatpflegers sind geprägt von dem Spagat zwischen dem Erhalten und dem Verändern. So steht etwa im Bereich des Denkmalschutzes oder bei der Dialektpflege ersteres im Vordergrund, während es bei anderen Feldern wie der regionalen Kultur immer wieder um Neuausrichtungen und Weiterentwicklungen gehen muss. Ich möchte in meiner Amtszeit dazu beitragen, dass die reichhaltige Geschichte und Kultur der Oberpfalz besser aufgearbeitet, präsentiert und vermittelt wird. Diese „Spurensuche nach einer Oberpfälzer Identität“ gibt dann hoffentlich auch immer wieder den Anstoß dazu, dass die Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer ihre eigene Geschichte und Kultur, ihre Bauten und ihre Sprache noch mehr pflegen und schätzen.


Was versteht man unter dem „Heimatbegriff“ und wie lässt sich dieser mit Kultur, Region und Wissenschaft verbinden?
Dr. Appl: Der Begriff Heimat erfährt in den letzten Jahren wieder eine verstärkte Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Vielfach wird dies als Antwort auf die Auswirkungen der Globalisierung auf das Leben der Menschen gedeutet, es gibt darüber hinaus aber sicherlich noch weitere Gründe. Auf jeden Fall besteht jedoch spürbar ein großes Interesse an der Geschichte des eigenen Wohnortes und der Region sowie an dem Kultur- und Naturraum direkt vor der eigenen Haustür. Die Menschen setzen sich damit ganz bewusst auseinander und wollen so ihre Heimat, die heutzutage aufgrund der geforderten hohen Mobilität oft auch eine neue Heimat ist, ein Stück weit kennenlernen, sich ihren Lebensmittelpunkt erarbeiten und erschließen. Dabei geben sie sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, sondern erwarten – über die menschliche Wärme und das Wohlfühlen hinaus, was beides für ein Heimatgefühl ebenfalls unabdingbar scheint – fundierte und wissenschaftlich überprüfbare Aussagen sowie ein ansprechendes und niveauvolles Kulturprogramm.


Wie gestaltet sich die zukünftige Zusammenarbeit der Bezirksheimatpflege mit der Universitätsbibliothek Regensburg?
Dr. Appl: Durch den Beitritt der Bibliothek der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz zum Regensburger Bibliotheksverbund ergeben sich erfreulicherweise vielfältige Formen der Zusammenarbeit mit der UB Regensburg. Darüber hinaus kann ich mir für die Zukunft projektbezogene Kooperationen, etwa bei der Digitalisierung von Sammlungsbeständen, sehr gut vorstellen.
Dr. Ball: Wir freuen uns sehr, dass die wichtigen und interessanten Bestände der Bibliothek des Bezirksheimatpflegers nun Teil des umfassenden Regensburger Bibliothekssystems werden. Sie können dann von Wissenschaftlern, Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit gleichermaßen gut gefunden und genutzt werden. Die Universitätsbibliothek steht als sogenannte Leitbibliothek der gesamten Region Oberpfalz und Niederbayern mit einem einzigartigen professionellen Know-How praktisch und theoretisch zur Verfügung. Auch für die Bezirksheimatpflege und ihre Bibliothek sind wir der Partner in allen Bibliotheksangelegenheiten und werden die Kollegen dort mit bestem Wissen und in tatkräftiger Form unterstützen.


Welche Themengebiete werden durch die Bibliothek des Bezirksheimatpflegers abgedeckt und welche wissenschaftlichen Disziplinen werden von den Beständen profitieren?
Dr. Appl: Die Bände in unserer Bibliothek haben ganz überwiegend einen regionalen Bezug, also orts-, regional- und landesgeschichtliche Literatur, Werke zur Kultur, Kunstgeschichte und Denkmalpflege, zur Volksmusik und zu Bräuchen und Festen. Dabei gibt es bei uns sicherlich einige Medien, die Sie sonst in keiner anderen Regensburger Bibliothek finden werden; ich denke hier etwa an Texte von Bühnenstücken oder alte Liederbücher. Hinzu kommt, dass wir neben der Bibliothek auch das Oberpfälzer Volksmusikarchiv (OVA) sowie verschiedene volkskundliche Sammlungen und Dokumentationen im Hause haben. So können Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen von unseren Beständen profitieren: Historiker, Kunsthistoriker und Denkmalforscher, Volkskundler, Kultur- und Musikwissenschaftler, aber gerade auch aktive Musiker und Musikanten sowie Heimatpfleger und Regionalforscher.
Dr. Ball: Die Universität ist als Volluniversität in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen vertreten. Die Bestände der Bibliothek des Bezirksheimatpflegers werden vornehmlich für die vergleichende Kulturwissenschaften, die regionale Geschichte, die Musikwissenschaft, die Germanistik und die Botanik und Zoologie interessant sein. Aber der besondere Reiz von ungewöhnlichen Beständen besteht immer darin, dass plötzlich inner- oder interdisziplinäre Fragestellungen in der Wissenschaft entstehen, die sie an die Bestände und ihre Inhalte richtet, die vorher niemand so erkennen konnte und die damit wirklich qualitativ Neues entstehen lassen. Da bin ich ganz gespannt und zuversichtlich! Außerdem ist die Universitätsbibliothek verantwortlich für die Bibliographie der Oberpfalz und erstellt sie, d.h. sie verzeichnet alle über die Oberpfalz erschienenen Publikationen. Da ergeben sich hervorragende Anknüpfungspunkte an die Arbeit des Bezirksheimatpflegers.


Die Bibliothek des Bezirksheimatpflegers umfasst 10.000 Medien. Wie wird dieser Wissensschatz zukünftig Studenten, Wissenschaftlern und der Bevölkerung zugänglich gemacht?
Dr. Appl: Unsere Bibliothek steht von Montag bis Freitag von 9.00 bis 11.30 Uhr sowie Montag bis Donnerstag von 13.30 bis 15.00 Uhr der interessierten Öffentlichkeit offen und zur Verfügung. Wir haben vor, unsere Bestände in den Regensburger Katalog „einzuspeisen“, damit die Heimatpfleger und -forscher, die Studierenden, die Wissenschaftler und alle, die Interesse an unseren Beständen haben, schon von zu Hause aus recherchieren können, welche Medien sie hier vorfinden.
Dr. Ball: Zunächst werden wir von der UB eine Zulassung im bayerischen Bibliotheks-Verbund beantragen, was nur eine Formsache ist. Danach müssen die Medien der Bibliothek katalogisiert werden. Herr Dr. Appl hat dazu schon sehr konstruktive Ideen, die UB steht als Leitbibliothek natürlich mit Rat und Tat zur Seite. Danach sind die Bestände im Regensburger Katalog, der bereits heute 4,9 Millionen Einträge hat, such- und findbar. Selbstverständlich wollen wir, dass die Bestände, soweit sie ausleihbar sind möglichst einfach an die Benutzer kommen. Neben einer Vor-Ort Benutzung in den Räumen des Bezirks Oberpfalz, können auch Bücher in die Universitätsbibliothek bestellt werden. Wie das konkret abläuft, werden wir nach Abschluss der Katalogisierung zu klären haben.


Passen denn gedruckte Bilder noch in die wissenschaftliche Welt des 21. Jahrhunderts?
Dr. Ball: Selbstverständlich! Die moderne Bibliothekswelt ist eine so genannte Hybridbibliothek, das bedeutet, dass sich elektronische wie gedruckte Medien gleichermaßen dort befinden. Die Besonderheit des Bestandes der Bibliothek des Bezirksheimatpflegers ist ja gerade die kleine Publikation, das kleine „Heft“ eines Vereins oder das Notenheft einer regionalen Musikgruppe. Dort wird noch nicht elektronisch publiziert, und wir sind froh, dass uns Exemplare dieser Veröffentlichungen erhalten sind, die oft nur in wenigen Dutzend gedruckt wurden. Ob man die Bestände der Bezirksheimatpflege künftig einmal mit Hilfe der Universitätsbibliothek digitalisiert, damit sie noch leichter für Wissenschaft und Forschung zugänglich sind, ist eine ganz andere Frage. Aber wir sind froh, dass die Bücher jetzt erst einmal zugänglich gemacht werden und wollen jetzt nichts überstürzen (lacht).


Ihr Ansprechpartner für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Peter Brünsteiner
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