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Förderung von Bewertungskompetenz und politische Bildung im Biologieunterricht

Die Forschungsthemen und Studieninhalte der Biologie sind eng mit ethischen Fragen verknüpft. Die ethische Dimension der Biologie zeigt sich besonders prägnant bei globalen Problemlagen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust oder kontrovers geführten Debatten über Biotechnologien. So kann genetische Forschung in der Medizin ein Hoffnungsträger sein und gleichzeitig in der Pflanzenforschung unter Generalverdacht stehen. Neben den medial präsenten großen Dramen der Bioethik gibt es aber auch die alltäglichen Fragen, bei denen es beispielsweise um richtige und falsche Ernährung, Suchtprävention oder Fragen der artgerechten Haustierhaltung geht. 
Fächerübergreifende Bildungsaufgaben wie die Umwelt-, Gesundheits- oder Sexualbildung waren immer schon curriculare Bestandteile des Biologieunterrichts und mit Einführung der Bildungsstandards und dem Kompetenzbereich Bewertung wurde eine fachintegrierte Behandlung ethischer Fragestellungen zu einem verbindlichen Bestandteil eines modernen Biologieunterrichts. Themen wie Nachhaltigkeitsbildung, Wissenschaftsleugnung oder Rassismus bringen zudem Forderungen nach einem Beitrag des Biologieunterrichts zur politischen Bildung mit sich.
Als eine bildungs- und erziehungswissenschaftliche Disziplin obliegt es insbesondere der Fachdidaktik mit ihrem engen Bezug zur Fachwissenschaft, die kulturelle und lebensweltliche Bedeutung der Biologie hervorzuheben und die ethische und politische Dimension des Faches im Biologiestudium und im Biologieunterricht zu thematisieren (Dittmer, Gebhard, Höttecke & Menthe, 2016 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Biologische Kenntnisse sind für informierte Entscheidungen von zentraler Bedeutung und werden aber schnell mit normativen Forderungen verknüpft, ohne dass dieser Übergang von beschreibenden zu vorschreibenden Aussagen immer klar erkenntlich ist. Eine Förderung ethischer Bewertungskompetenz beinhaltet neben der Aneignung argumentativer Fähigkeiten daher auch eine Auseinandersetzung mit den moralpsychologischen Grundlagen intuitiver und reflektierter Bewertungen, da Stereotypisierungen, assoziative Verknüpfungen oder soziale Beziehungen Einfluss auf unser intuitives Bewertungsverhalten nehmen (Dittmer & Gebhard, 2012 (externer Link, öffnet neues Fenster)).
Besonders brisant sind auch Debatten über Geschlechterverhältnisse oder Diversität, in denen die Biologie gerne auch mal zur Rechtfertigung sexistischer oder rassistischer Positionen herhalten muss. Nicht ohne Grund also fordern die Bildungsstandards des Biologieunterrichts für den mittleren Schulabschluss, dass Schülerinnen und Schüler „in bewertungsrelevanten Sachverhalten biologiebezogene deskriptive und normative Aussagen“ identifizieren und unterscheiden können sollen (KMK, 2024 (öffnet neues Fenster). (nicht barrierefrei)).
 

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