Naturphilosophische Grundlagen der Naturpädagogik und Umweltbildung
Natur ist ein normatives Leitbild und positive Naturerfahrungen dienen häufig der Legitimation außerschulischer Bildungsangebote in Naturräumen. Zugleich ist Natur ein facettenreicher Begriff, der in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wird. Der Begriff der Natur lässt sich nicht auf naturwissenschaftliche Konzeptionen von Naturräumen und Naturphänomenen reduzieren. Natur kann Biotop, Ressource, Heimat oder auch ein Ort des guten Lebens sein.
Insbesondere bei biologiedidaktischen Handlungsfeldern wie der Nachhaltigkeits- und Umweltbildung, der Naturerfahrungspädagogik in außerschulischen Bildungsorten oder beim außerschulischen Biologielernen auf Exkursionen oder in Schulgärten wird Natur zum moralischen Objekt und als schützenswert adressiert. Umweltbildende und naturpädagogische Maßnahmen zielen darauf ab, das Lernende nicht nur Wissen erwerben, sondern auch Werthaltungen und eine Beziehung zur Natur entwickeln.
Ähnlich wie die Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der schulischen Wissenschaftspropädeutik als Referenzen dienen, so bietet das Feld der Naturphilosophie und Naturethik einen Reflexionsrahmen für eine Auseinandersetzung mit Naturverständnissen, mit der symbolischen Bedeutung von Natur oder mit der Bedeutung der ästhetischen Naturwahrnehmung für ihre moralische Wertschätzung. Naturräume und Naturaufenthalte haben zudem ein besonderes Bildungspotential, wenn man die symbolische Aufladung von Natur auch als Spiegel unseres Selbst- und Weltverhältnisses versteht und für die Reflexion nutzt. Dies kann sich sowohl auf Fragen nach der Rolle des Menschen als Teil und Gegenüber der Natur oder auf Momente beziehen, in denen Naturerlebnisse zu einem Nachdenken über die eigene Person und Fragen des guten Lebens anregen (Dittmer & Gebhard 2022 (externer Link, öffnet neues Fenster)).