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AG Versorgungsstrategien als metropolitanes Muster

Die Arbeitsgemeinschaft „Versorgungsstrategien als metropolitanes Muster“ beschäftigt sich mit der Frage nach den Möglichkeiten von vorindustriellen Metropolen zur Reaktion auf ihre Konsumansprüche.

Die Zugänge aus den Dissertationsprojekten, die sowohl zeitlich als auch geographisch auf unterschiedlichen Grundlagen basieren, versuchen, in den Maßnahmen der jeweils behandelten Metropolen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf die Reaktion auf verschiedene Versorgungssituationen herauszuarbeiten. Fragen, deren Antworten in dieser AG auf den Grund gegangen werden sollen sind beispielsweise:

  • Können gewisse Institutionalisierungsmaßen festgestellt werden oder werden Probleme jeweils individuell gelöst?
  • Lassen sich größere Zusammenhänge der Problemlösungsstrategie mit dem geographischen Umfeld der Metropole nachweisen?
  • Gibt es für die jeweiligen Probleme „Patentlösungen“ oder wird jeweils situationsbedingt agiert?

Beteiligte DoktorandInnen und ihre Teilprojekte


Giulia Fioratto

Giulia Fioratto (Klassische Archäologie): Are the cities in X Regio centres of consumption or production? How does their geographical position affect their role?

 

In the region taken into consideration, the X Regio, 24 were the centers endowed with administrative autonomy, on which the research carried out in the last decades led to confirm and recognize what the ancient literature praised of these places (Strabo 5, I, 6- 9; Polybius 2.14, 7-15).

Taking as an example some of the largest cities in this region (Verona, Aquileia, Patavium, Acelum, Opitergium, etc.) from the point of view of the theories on the ancient economy expressed mostly by M. Weber and M. Finley, which of these cities are considered to be as service centers and which as centers with productive vocation? What is produced in the city and what in the countryside? How much is left in the city and how much is exported (= how much for self-consumption/self-sufficiency and how much for trade?).

To answer these questions, it might be useful to identify which structures were linked to the supply and sorting of goods and products that were produced and traded in this region, how many structures there were (or rather, how many were identified and studied) and where they were located. These structures are: Macella, Tabernae, Markets and Horrea.

 

  •  Bandelli G. 1991, L’economia nelle città romane dell’Italia Nord-Orientale (I secolo a.C.-II secolo d.C.), in Die Stadt in Oberitalien und in den nordwestlichen Provinzen des Römischen Reichs: deutsch-italienisches Kolloquium im italienischen Kulturinstitut Köln, pp. 85-103.
  •  Emptor et mercator. Spazi e rappresentazioni del commercio romano, 2017.
  •  Rickman G. 1971, Roman granaries and store buildings.
  •   Tiussi C. 2004, Il sistema di distribuzione di Aquileia: mercati e magazzini, in Antichità Altoadriatiche 59, pp. 257-316.
  •  Wilson A., Bowman A. 2017, Trade, commerce and the state in the roman world.


Stefan Langer

Stefan Langer (Klassische Archäologie): Wie agiert und organisiert sich eine Stadt nach einem Erdbeben? – Fallbeispiel antikes Ephesos

Wurde eine Stadt Opfer einer schweren seismischen Aktivität, erforderte dies Reparatur- oder Erneuerungsmaßnahmen, die sowohl Bauwerke als auch die Infrastruktur betrafen. Am Beispiel des kaiserzeitlichen Ephesos soll anhand von überlieferten Erdbeben nachvollzogen werden, welche Schäden im städtischen Raum auszumachen sind und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die bauliche Ordnung wieder herzustellen. Wurden lediglich Reparaturen durchgeführt oder sah man Erdbeben vielleicht sogar als Chance neue urbanistische Konzepte zu realisieren? Dabei stellt sich natürlich auch die Frage nach den Möglichkeiten der Finanzierung, sprich der Versorgung pekuniärer Art.  Wer tritt als Finanzier für den Wiederaufbau ein: der Kaiser, Privatleute, Personengruppen oder die Stadt selbst? 

  •  U. Emig, Auf unsicherem Boden: Zur epigraphischen Evidenz von Erdbeben, Klio 94, 2012, 291-299.
  • C. Mayer, Ephesos: Die Schrift der „Großen Spenderliste“ aus der Zeit des Tiberius (IvE V 1687), Tyche 13, 2003, 77-90.
  • M. Meier, Roman Emperors and 'Natural Disasters' in the First Century A.D., in: A. Janku – G. J. Schenk – F. Mauelshagen (Hrsg.), Historical Disasters in Context. Science, Religion, and Politics (New York 2012) 15-30
  • H. Taeuber, Ein Kaiserbrief des Antoninus Pius zu einem bisher unbekannten Erdbeben in Ephesos, ÖJh 84, 2015, 301-310


Mercedes Och

Mercedes Och (Alte Geschichte): Wie agieren die Stadt Rom und ihr italisches Umland im diachronen Vergleich (1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.) in Bezug auf die Versorgung der Metropole mit Fleischprodukten?

Eine Millionen-Metropole wie das antike Rom hatte einen enormen Bedarf an Lebensmitteln, worunter auch tierische Produkte fallen. Die verschiedenen Konsum-Kontexte, wie der religiöse, der soziale und der statusbezogene, geben Hinweise auf die erforderliche Quantität an benötigten Produkten. Lassen sich sowohl im unmittelbaren, als auch im weiteren Umfeld der Stadt Rom Produktionszentren von Fleisch nachweisen? Wie entwickelten sich Warenverkehr und -Angebot nach und in Rom? Welche Auswirkungen hatte die Aufnahme von Schweinefleisch in die cura annonae im 4. Jh. n. Chr. für Rom und ihr Umland? Diese und weitere Fragen sollen im Hinblick auf die Entwicklungsstufen, welchen sich Rom im Laufe von vier Jahrhunderten unterzogen hat, untersucht werden.

  •  Morley, N.: Metropolis and hinterland. The city of Rome and the Italian economy, Cambridge 1996.
  •  Frayn, J.: The Roman Meat Trade, in: Wilkins, J. / Harvey, D. / Dobson, M. (Hgg.): Food in Antiquity, Exeter 1995.
  •  Holleran, C.: Shopping in Ancient Rome. The Retail Trade in the Late Republic and the 
     Principate, Oxford 2012.


Claudio Schäfer

Anton-Claudio Schäfer (Alte Geschichte) : Wie gestaltet sich die Eisenversorgung der im 3. Jh. n. Chr. in Mediolanum stationierten römischen Truppen?

Im Mittelpunkt steht die Versorgung des ab Mitte des 3. Jahrhunderts eingerichteten Militärstützpunkts in Mediolanum. Vor allem der Eisenverbrauch und die Umstellung der Herstellung beziehungsweise der Lieferung von Komponenten mittels fabricae, die in diesem Zeitraum immer mehr an Bedeutung gewinnen, steht im Fokus. Die hochgerechneten Mengen an Eisen, etwa 380.000 Kilogramm pro reiner Waffenausstattung einer Legion, nicht mit eingerechnet Handwerksutensilien, erscheinen dabei exorbitant hoch. Aber auch für die Nahrungs- oder etwa Soldversorgung musste gesorgt werden. Eine extra hierfür eingerichtete Prägestätte, ein fruchtbares Umland und eine sehr gute Einbettung in Handelsrouten sollten neben etwa der strategisch sinnvollen Lage Mediolanum als neuen Militärstützpunkt auserkoren haben. 

Gerade die Natur des Handels und des Wirtschaftens muss dabei vor dem theoretischen Hintergrund der sogenannten Jahrhundertdebatte gesehen werden. Diese wurde zwischen ‚Primitivisten‘ und ‚Positivisten‘ ausgetragen, wobei bis heute etwa Moses Finley einerseits, und H. W. Plecket andererseits, bekannte Vertreter sind.

Als schriftliche Quellen zu den fabricae dienen die Notitia Dignitatum, der Codex Theodosianus und die Überlieferungen des Militärhistorikers Vegetius, die, wenn auch spärlich, wichtige Informationen überliefern. In Anbetracht dessen ist es umso interessanter, ob sich durch die Untersuchung zu Mediolanum neue Erkentnisse oder alte Theorien bestätigen oder widerlegen lassen können.

  • Southern, Pat (e.a.): The late Roman army, London 2000.
  • Strobel, Karl (Hrsg.): Die Ökonomie des Imperium Romanum, Strukturen, Modelle und Wertungen im Spannungsfeld von Modernismus und Neoprimitivimus, Akten des 3. Trierer Symposiums zur antiken Wirtschaftsgeschichte, St. Katharinen 2002.


Maria Weber

Maria Weber (Mittelalterliche Geschichte): Schulden-Machen eine Versorgungsstrategie?

„Zu allen disen Dingen muss man gelt haben.“  Mit dieser Einschätzung stand Jakob von Sierck, Bischof und damit Kurfürst von Trier in der Mitte des 15. Jahrhunderts, nicht alleine da. Wie zahlreiche Überlieferungsträger aus europäischen Städten des Mittelalters und der Vormoderne zeigen, konnte Schuldenmachen dabei als ökonomisches Zwischenmittel, als Überbrücker von „cash-flow-problems“ und anderer kontextuell abhängiger Faktoren eingesetzt werden, um Liquidität zu generieren. Als ökonomische Handlungsstrategie ermöglichte Schuldenmachen die Teilhabe an Konsum oder Produktion, wie Augsburger Gerichts- und Rechnungsbücher zeigen, halfen die Existenz zu sichern, Status und Prestige – je nach gesellschaftlicher oder sozialer Zugehörigkeit – zu erhalten. Schulden in Hinblick auf resilientes ökonomisches Handeln können dabei durchaus als Versorgungsstrategie in der Welt der kleinen Leute, aber auch von Handwerkern, Patriziern, Fürsten und Königen interpretiert werden.

  • Rössner, Philipp Robinson, Deflation - Devaluation - Rebellion. Geld im Zeitalter der Reformation (VSWG Beihefte 219), Stuttgart 2012.
  • Selzer, Stephan (Hg.), Die Konsumentenstadt - Konsumenten in der Stadt des Mittelalters (Städteforschung, Reihe A: Darstellungen 98), Köln/Weimar/Wien 2018.

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