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Forschungskonzept

zusammenfassende Darstellung

Metropolen sind die Landmarken für Urbanisierungsprozesse weltweit. Dabei unterliegt die Konstitution und Bedeutungsvielfalt von Metropolen, ihre ‚Metropolität‘, spezifischen historischen und kulturellen Bedingungen, die sich insbesondere in den letzten 150 Jahren unter dem Einfluss von Industrialisierung und Globalisierung dramatisch verändert haben. Während diese neueste Entwicklung bis in die Gegenwart durch Metropolitan Studies, Stadtsoziologie und Urbanistik intensiv er forscht wird, fehlen für die Vormoderne anschlussfähige und theoriegeleitete Forschungen. Dabei erscheint bereits in den ersten bekannten urbanen Kulturen im vorchristlichen Asien die prägende Wirkung einzelner städtischer Großzentren voll ausgebildet. In Europa gewinnen die Prozesse der Urbanisierung und Metropolisierung im griechisch-römischen Altertum dauerhaft an Dynamik und Bedeutung. Auffällig ist, dass es gerade europäische Städte sind, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert weltweit die größten Einwohnerzahlen aufweisen und dass diese Metropolen fast ausnahmslos auf römische Gründungen zurückgehen. Ausgehend von dieser Beobachtung, fragt das hier skizzierte Forschungsprogramm nach der longue durée der europäischen Metropole, nach Konstitution, Wirkung und Wandel des metropolitanen Status von der griechisch-römischen Antike bis zur Schwelle der Industrialisierung. In diesem langen Zeitraum spielen sich in Städten neue Vergesellschaftungs- und Wirtschaftsformen, Herrschaftstechniken und kulturelle Codes ein, die ihre Vorbilder und ‚Laboratorien‘ in den Metropolen finden. Vorbildlichkeit nach außen korrespondiert dabei notwendig mit metropolitanen Selbstzuschreibungen nach innen. Die durch Vor- und Selbstbildlichkeit konstituierten Geltungsansprüche als Metropole stehen in einem engen Wechselverhältnis zur Formierung und Ausdifferenzierung der metropolitanen Topographie, Gesellschaft und Kommunikation. Damit sind die leitenden Untersuchungsperspektiven des beantragten Graduiertenkollegs benannt, die nur multidisziplinär und unter Ausarbeitung gemeinsamer methodischer und thematischer Leitlinien erschlossen werden können. Metropolität, so die Arbeitshypothese der Antragsteller, zeichnet solche Städte aus, die einerseits zur symbolischen und funktionalen Bezugsgröße für Urbanisierungsprozesse in einem großen überregionalen Raum werden und zugleich für Bewohner und Außenstehende Bedeutungsüberschüsse und Identifikationspotenziale als Metropole anbieten.


Summary

Metropolitan cities are the landmarks of processes of urbanisation all over the world. The constitution and multiple meanings that attach to metropolises, their “metropolitanism”, depend on historical and cultural conditions that have changed particularly dramatically in the last 150 years under the influence of industrialisation and globalisation. These most recent developments up to the present day have been studied intensively within the fields of metropolitan studies, urban sociology, and urban planning. However, we lack compatible theory-driven studies for the pre-modern period. This is in spite of the fact that the formative impact of individual urban centres is already apparent in a fully developed form in the first known urban cultures, in pre-Christian Asia. In Europe, the processes of urbanisation and metropolisation gain momentum and significance in Greco-Roman antiquity. It is notable that it is European cities which show the largest population figures worldwide between the 16th and the 18th centuries, and that almost without exception these metropolises can be traced back to Roman foundations. On the basis of this observation, the projected graduate school investigates the longue durée of the European metropolis. It inquires into the constitution, impact, and transformation of metropolitan status from Greco-Roman antiquity to the threshold of industrialisation. Throughout this long time period, metropolitan cities serve as ‘laboratories’ where new urban social and economic practices, technologies of power, and cultural codes emerge before they take hold in smaller urban centres and towns, which follow the model of metropolitan cities. This exemplary function of the metropolis necessarily corresponds to internal metropolitan self-ascription. The metropolis’ self-image and position as role-model exist in a close interrelationship with the formation and internal differentiation of metropolitan topography, society, and communication. These form the key research perspectives of the projected graduate school. They can only be investigated by a multidisciplinary team through the development of common methodological and thematic guidelines. According to the working hypothesis of the applicants, metropolitanism distinguishes cities which become symbolic and functional reference points for urbanisation processes in a large transregional area. Metropolitanism also offers identificatory possibilities and a framework in which the individualised urban experiences of residents and non-residents acquire coherence and become meaningful.


Profil des Graduiertenkollegs

Urbane Kulturen orientieren sich an metropolitanen Vorbildern. Bereits in der ersten „urban revolution“ im vorchristlichen Asien setzten wenige große Zentren wie Çatal Hüyük, Uruk oder Ur die Standards für die Ausgestaltung und Wahrnehmung städtischer Lebensformen. Worin aber liegt die besondere Wirkung solcher „Referenzorte“ im Urbanisierungsprozess begründet? Das hier skizzierte Forschungsprogramm fragt gezielt nach zeit- und kulturspezifischen Bedingungen für die Konstitution und Bedeutungsvielfalt von Metropolen. Wodurch werden metropolitane Bedeutungsüberschüsse in der Vormoderne generiert, welche Binnen- und Außenwirkungen erzeugen sie?

vollständige Darstellung des Profils des Graduiertenkollegs


Metropolität

Was ist vormoderne Metropolität?

Was machte eine europäische Stadt im vorindustriellen Zeitalter zur Metropole? Zur Bearbeitung der ersten und zentralen Leitfrage des hier entwickelten Forschungskonzeptes sind verschiedene theoretische Ansätze einzubeziehen.

vollständige Darstellung


Untersuchungsfelder

Nach den bisherigen Überlegungen lassen sich miteinander agierende Untersuchungsfelder für die Beobachtung vormoderner Metropolität festlegen, die anschließend näher erläutert und in den Kontext bisheriger Forschungen eingeordnet werden. Dabei handelt es sich - auch im Sinne einer angestrebten Offenheit für innovative und eigenständige Promotionsprojekte - nicht um streng abgegrenzte und auf Vollständigkeit bedachte Felder, sondern eher um methodische Schwerpunktsetzungen, die auf transdisziplinäre Bearbeitung angelegt und durch bisherige Forschungen zu vormoderner Metropolität, insbesondere auch durch Regensburger Vorarbeiten zu diesem Forschungsprogramm, ausgewiesen sind.

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Arbeitsbibliographie

Arbeitsbibliographie des Graduiertenkollegs

Arbeitsbibliographie.pdf

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GRK 2337: "Metropolität in der Vormoderne"

 

Prof. Dr. Jörg Oberste (Sprecher)

Tel. (Sekr.): +49 941/943-3536

 

Oberste Mittelalterstd-metropole Bd12