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DFG-GRK 2337 "Metropolität in der Vormoderne"

Forschungskonzept

Metropolen bündeln Bedeutungen. Sie inszenieren sich in der Vormoderne – zumeist unter Verweis auf metropolitane Vorbilder – in großer medialer Vielfalt als Orte herausgehobener Urbanität, Zentralität und Geschichtlichkeit. Ihre Selbst- und Fremdwahrnehmungen als Metropolen, aus denen sie aktuelle Geltungs- und Herrschaftsansprüche ableiten, gründen auf empirischen Erfahrungen, die als materielle Grundlage des vormodernen Metropolenbegriffs beschrieben werden können: ihre Größe und Schönheit, die Reichweite der politisch- ökonomischen Netzwerke ihrer Eliten, das Volumen des Fernhandels und der Migrationsbewegungen, die Diversität der sozialen Gruppen, die Dichte der Kommunikation, der Rang ihrer Kirchen und Kultstätten, die Präsenz von Herrschaftsträgern oder ihre lange und glanzvolle Geschichte. Die sprachlichen, ikonographischen, performativen oder dinglichen Inszenierungen von Metropolität liefern dabei nicht nur Spiegelungen und Deutungen der spezifischen Erfahrungswelt einer bestimmten Großstadt. Sie verstärken zugleich auch die Wachstums-Dynamiken, die dem Metropolisierungsprozess inhärent sind, und tragen nicht zuletzt zur Festschreibung eines zeitgenössischen Wertekanons der urbanen Lebensform bei. Die Beanspruchung des metropolitanen Status ist eine kulturelle Konstruktion, die in der großstädtischen Wirklichkeit gründet und vielfältig auf die urbane Lebenswelt insgesamt zurückwirkt.

Mit dieser Untersuchungsperspektive verbinden sich nicht nur ein klareres Verständnis dessen, was in der Vormoderne eine Metropole sei, und ein Diskussionsangebot an die modernen Metropolitan Studies. Vielmehr eröffnet sich auch ein breites, innovatives und transdisziplinär angelegtes Programm zur Erforschung kultureller, sozioökonomischer, politischer, religiöser oder technologischer Dynamiken in vormodernen Großstädten. Die hier benannten Implikationen vormoderner Metropolität helfen dabei, die in der Städteforschung dominierenden Einzeluntersuchungen zu individuellen Faktoren oder kurzen Zeiträumen in eine longue durée und ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht metropolitaner Prozesse einzubetten, in die historische Erfahrungen, aktuelle Bedeutungen und visionäre Entwürfe einbezogen werden können.


Summary

Metropolises bundle meanings. In the pre-modern era, they take the stage – mostly with reference to metropolitan models – via a great diversity of media as places of elevated urbanity, centrality, and historicity. Their perceptions of themselves and others as a metropolis, from which they derive current claims to validity and rule, are based on empirical experiences that can be described as the material basis of the pre-modern concept of the metropolis: their size and beauty, the range of the political-economic networks of their elites, the amount of long-distance trade and migration movements, the diversity of social groups, the density of communication, the rank of their churches and places of worship, the presence of rulers, or their long and illustrious history. The linguistic, iconographic, performative or material stagings of metropolitanism not only provide reflections and interpretations of a particular city’s specific array of experience. At the same time, they also strengthen the growth dynamics inherent in the process of metropolitanisation and, last but not least, contribute to the establishment of a contemporary canon of values for the urban way of life. The claim to metropolitan status is a cultural construction based on urban reality and having a wide range of effects on the urban environment as a whole.

This research perspective is not merely linked to a clearer understanding of what a metropolis was in the pre-modern era, as well as to the opportunity to discuss modern metropolitan studies. Rather, it opens up a broad, innovative, and transdisciplinary programme for researching cultural, socio-economic, political, religious, or technological dynamics in pre-modern cities. The implications of pre-modern metropolitanism listed here help to embed the respective studies on individual factors or short periods of time that dominate urban research in the longue durée and the complex network of metropolitan processes, into which historical experiences, current meanings, and visionary proposals can be incorporated.


Profil des Graduiertenkollegs

Urbane Kulturen orientieren sich an metropolitanen Vorbildern. Bereits in der ersten „urban revolution“ im vorchristlichen Asien setzten wenige große Zentren wie Çatal Hüyük, Uruk oder Ur die Standards für die Ausgestaltung und Wahrnehmung städtischer Lebensformen. Worin aber liegt die besondere Wirkung solcher „Referenzorte“ im Urbanisierungsprozess begründet? Das hier skizzierte Forschungsprogramm fragt gezielt nach zeit- und kulturspezifischen Bedingungen für die Konstitution und Bedeutungsvielfalt von Metropolen. Wodurch werden metropolitane Bedeutungsüberschüsse in der Vormoderne generiert, welche Binnen- und Außenwirkungen erzeugen sie?

vollständige Darstellung des Profils des Graduiertenkollegs


Metropolität

Was ist vormoderne Metropolität?

Was machte eine europäische Stadt im vorindustriellen Zeitalter zur Metropole? Zur Bearbeitung der ersten und zentralen Leitfrage des hier entwickelten Forschungskonzeptes sind verschiedene theoretische Ansätze einzubeziehen.

vollständige Darstellung


Untersuchungsfelder

Nach den bisherigen Überlegungen lassen sich miteinander agierende Untersuchungsfelder für die Beobachtung vormoderner Metropolität festlegen, die anschließend näher erläutert und in den Kontext bisheriger Forschungen eingeordnet werden. Dabei handelt es sich - auch im Sinne einer angestrebten Offenheit für innovative und eigenständige Promotionsprojekte - nicht um streng abgegrenzte und auf Vollständigkeit bedachte Felder, sondern eher um methodische Schwerpunktsetzungen, die auf transdisziplinäre Bearbeitung angelegt und durch bisherige Forschungen zu vormoderner Metropolität, insbesondere auch durch Regensburger Vorarbeiten zu diesem Forschungsprogramm, ausgewiesen sind.

vollständige Darstellung der Untersuchungsfelder


Arbeitsbibliographie

Arbeitsbibliographie des Graduiertenkollegs

Arbeitsbibliographie.pdf

[in der ersten Förderperiode]



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Metropolität in der Vormoderne

DFG-GRK 2337

Sprecher

Prof. Dr. Jörg Oberste

St-grk 2337
Wissenschaftl. Koordination

Kathrin Pindl M.A.

Kontakt

Kathrin.Pindl@ur.de

Homepage

www.metropolitaet.ur.de