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Sebastian Pößniker

Universität Regensburg - Sedanstraße 1
Sebastian Pößniker, Raum 228 (GRK 2337 Metropolität)
93055 Regensburg

Telefon: 0941/943-7650

E-Mail: Sebastian.Poessniker@ur.de


Lebenslauf

Sebastian Pößniker studierte Geschichte, deutsche Philologie, klassische Philologie und Politikwissenschaft auf Lehramt Gymnasium und Bachelor of Arts. BA-Abschluss 2016 (Thema: Do et des? Analyse der finanziellen Kontakte zwischen Ludwig dem Bayern und seinen direkten Geldgebern der reichsstädtischen Finanz- und Wirtschaftselite Regensburgs und Nürnbergs), MA- Abschluss 2017 (Thema: Erbsen zählen oder fett genug? Einkommen und Konsummuster der Regensburger Unterschicht von 1595-1720).

Von 2011 bis 2014 als SHK am Lehrstuhl für Bayerische Geschichte (Prof. Bernhard Löffler), am Haus der Bayerischen Geschichte und im Stadtarchiv Regensburg, ab 2015 am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Prof. Mark Spoerer), ist er seit Mitte August 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Graduiertenkolleg Metropolität in der Vormoderne an der Universität Regensburg tätig und beschäftigt sich mit in Rechnungsbüchern überlieferten Löhnen und Preisen in Regensburg und Nürnberg, um Fragen des (materiellen) Lebensstandards einer Stadt und ihres Umlandes, der Sozialstruktur und der Konjunktur vom Spätmittelalter bis zur Industrialisierung auch im Vergleich mit anderen europäischen Städten nachzugehen.


Forschung

Forschungsinteressen

  • Sozialgeschichte der Arbeit
  • Lebensmittelmärkte und Versorgungskrisen i. Z. m. Umweltgeschichte
  • Konsumgeschichte und Protoindustrialisierung
  • Armut und Fürsorgewesen
  • Archiv und Geschichte im Digitalen Zeitalter

Forschungsprojekt

Materieller Lebensstandard und Marktkonjunktur im süddeutschen Raum 1350-1800. Löhne und Preise anhand institutioneller Rechnungsbuchüberlieferung in Regensburg im interstädtischen Vergleich.

Seit gut 20 Jahren findet der komplexe Zusammenhang zwischen Ressourcen, Bevölkerungsentwicklung und der wirtschaftlichen Prosperität von Städten und Regionen während der Protoindustrialisierung verstärktes Interesse in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Eine Frage im Zentrum der Debatte um die Entwicklung des materiellen Lebensstandards unterer Bevölkerungsschichten vor der industriellen Revolution ist, ob es eine Verbesserung des Lebensstandards zwischen dem beginnenden Spätmittelalter und der Schwelle zur Moderne gab oder nicht. Mit dem sozio-ökonomischen Ungleichheit zusammenhängend ist die Frage nach Sicherheit bzw. Sicherung von Faktoren des Lebensstandards, insbesondere des Arbeits- und Lebensmittelmarktes für die working poor. Diese im Tagelohn arbeitenden Männer, Frauen und Kinder repräsentieren neben anderen das unterbezahlte ökonomische Rückgrat handwerklich-gewerblicher urbaner Produktions- und Distributionsbedingungen in Spätmittelalter und früher Neuzeit.

Bei ihren Löhnen werden in in der Literatur häufig nur vorfindend bare Normlöhne beschrieben, welche lediglich den Horizont des zeitgenössisch Möglichen zeigen. Der Alltag städtischer Lohnarbeit findet sich dagegen in Rechnungen, die es ermöglichen, Vulnerabilitäten der „kleinen Leute“ im Verhältnis zu Teuerungseffekten auf dem alltäglichen Marktgeschehen, auf das die meist vorratslose Haushalte unmittelbar angewiesen waren, zu erkennen. Die Dissertation beschäftigt sich primär mit der Überlieferung des Regensburger St. Katharinenspitals und des reichsstädtischen Almosenamts mit ergänzenden Quellen der Stadtkanzlei und der Chronistik, um mit dem Blick durch die für die Sozioökonomie einer (spät-)mittelalterlichen Metropole konstitutiven Institutionen der materielle Lebensstandard für verschiedene Berufsgruppen der Unter- und Mittelschicht in Regensburg und Umland seit dem 14. Jahrhundert nachzuvollziehen.

Von speziellem Interesse ist es sozio-ökonomische Wandlungsprozesse in den Lebensverhältnissen der „kleinen Leute“ im Wandel und Kontinuität der Bedingungen in der reichsstädtischen Region erkennbar zu machen und zu fragen, ob sie situativ festgemacht und in ihren Folgen abgeschätzt werden können und wie sie sich langfristig auf diese sozio-ökonomisch unterprivilegierte Großgruppe auswirkten. Auch lässt bei der ambivalenten Entwicklung einer Stadt sowie ihres Umlandes das Risiko des (Ver-)Hungers weitere Fragen hinsichtlich des Verhaltens der entscheidenden Elite etwa angesichts des strukturellen Grundproblems Pauperismus und der Bewältigung zu. Schließlich geht es wie in anderen mitteleuropäischen Städten neben den sozio-politischen Faktoren konkret darum, wie sich Einflüsse der Umwelt, insbesondere jährliche Witterungsbedingungen und mittel- bzw. langfristiger Klimawandel auf die sozio-ökonomischen Bedingungen von Lebensstandard, insbesondere durch Vulnerabilitäten von Teuerungskrisen, auswirkten.


Publikationen

  • Staatsarchiv Kattowitz, in: Roman Smolorz (Bearb.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2013. Deutsche Sozialgeschichte und ihre Quellen in Ostmitteleuropa, Regensburg 2013, S. 16-20; mit Quirin Würfel.
  • Europäische Zusammenarbeit im Archivwesen, in: Roman Smolorz (Bearb.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2013. Deutsche Sozialgeschichte und ihre Quellen in Ostmitteleuropa, Regensburg 2013, S. 53-54; mit Quirin Würfel.
  • Das Staatsarchiv Elbing als Forschungseinrichtung für Historiker, Museologen und Kulturwissenschaftler, in: Raffael Parzefall – Roman Smolorz (Bearb.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2014. Deutsche Wirtschafts- und Sozialordnung im Baltikum. Die Quellen zur hanseatischen Geschichte im heutigen Polen (12.-17. Jh.), Regensburg 2014, S. 30-34; mit Tobias Gräf.
  • Danzig und die Hanse, ein historischer Blick auf eine alte Beziehung, in: Raffael Parzefall – Roman Smolorz (Bearb.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2014. Deutsche Wirtschafts- und Sozialordnung im Baltikum. Die Quellen zur hanseatischen Geschichte im heutigen Polen (12.-17. Jh.), Regensburg 2014, S. 45-49; mit Tobias Gräf.
  • Zentralarchiv Alte Akten, in: Kathrin Pindl – Manuela Daschner – Raffael Parzefall(Hg.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2015. Materielle Überlieferung und (Alltags-)Erinnerung 1795, 1945, 2015, Regensburg 2015, S. 13-18; mit Elisabeth Dechant.
  • Tuchhallen und Marktplatz. Zur wirtschaftshistorischen Entwicklung Krakaus seit dem Mittelalter, in: Kathrin Pindl – Raffael Parzefall (Hg.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2016. Archive und Geschichtswissenschaft. „Digital Humanities“ in Polen und Deutschland, Regensburg 2016, S. 10-16.
  • Das numismatische Kabinett des Krakauer Nationalmuseums, in: Kathrin Pindl – Raffael Parzefall (Hg.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2016. Archive und Geschichtswissenschaft. „Digital Humanities“ in Polen und Deutschland, Regensburg 2016, S. 30-31.
  • Das Projekt „MEDEA“ (Modeling semantically Enrichted Digital Edition of Accounts), in: Kathrin Pindl – Raffael Parzefall (Hg.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2016. Archive und Geschichtswissenschaft. „Digital Humanities“ in Polen und Deutschland, Regensburg 2016, S. 36.
  • Staatsarchiv Kattowitz – Einführung und Bestandüberblick im Rahmen eines Treffens polnischer und deutscher Studierender, in: Roman Smolorz – Mark Spoerer (Hg.): Der Archivkurs im Sommersemester 2017 Austausch und Begegnungen in Polen zwischen Archivarinnen und Archivaren, Historikerinnen und Historikern, Regensburg 2017, S. 18-22
  • S. Pößniker, Spotlight: Auf Heller und Pfennig, in: Blick in die Wissenschaft. Forschungsmagazin der Universität Regensburg 40 (2019), S. 13-14.
  • Pößniker, S., Vom Spital zum materiellen Lebensstandard – Eine Forschungsskizze  zu Löhnen und Preisen für Regensburg im 17. Jahrhundert, in: Dirmeier, A./Spoerer, M.: Spital und Wirtschaft in der Vormoderne. Sozial-karitative Institutionen und ihre Rechnungslegung als Quelle für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Regensburg 2020, S. 251-283.


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Metropolität in der Vormoderne

DFG-GRK 2337

Sprecher

Prof. Dr. Jörg Oberste

St-grk 2337
Wissenschaftl. Koordination

Kathrin Pindl M.A.

Kontakt

Kathrin.Pindl@ur.de

Homepage

www.metropolitaet.ur.de