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Georg Kaulfersch

Doktorand


Lebenslauf

Vita

Im Anschluss an das Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium in Nördlingen studierte Georg R. Kaulfersch ab 2011 Geschichtswissenschaft und Germanistik an der Universität Regensburg und der University of Kent at Canterbury. Der Abschluss erfolgte 2018 mit dem Erwerb des ersten Staatsexamens für das Lehramt an Gymnasien und dem Bachelor of Arts.

Von 2012 bis 2015 arbeitete Georg R. Kaulfersch als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) an der Universität Regensburg (Prof. Dr. Harriet Rudolph). Von 2018 bis 2019 war er dort als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. Während des Studiums absolvierte er diverse Praktika, darunter mehrere in bayerischen Archiven.

Einen ersten Forschungsschwerpunkt bilden Selbstzeugnisse der Frühen Neuzeit und die mit ihnen verbundenen mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen. Ein zweites Hauptinteresse gilt der Kulturgeschichte des Politischen, wobei insbesondere die Untersuchung diplomatischer Prozesse im Zentrum steht.

Das derzeit laufende und seit Mitte 2019 durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes geförderte Promotionsprojekt untersucht Praxis und Praktiken der Diplomatie am Beginn der Frühen Neuzeit. Im Blickpunkt der akteurszentrierten Studie steht der diplomatische Agent und Gesandte Johann Maria Warschitz (†1541).


Projekt

Arbeitstitel

Diplomatie als multifunktionales Handeln. Johann Maria Warschitz (†1541) und die Genese diplomatischer Praxis am Beginn der Frühen Neuzeit

Zusammenfassung der Promotion

Das Promotionsprojekt blickt auf diplomatische Praktiken im 16. Jahrhundert, um zu einem besseren Verständnis der Diplomatie in dieser Zeit beizutragen. Von einem akteurszentrierten und praxeologischen Ansatz ausgehend gilt das Hauptaugenmerk den bis dato kaum erschlossenen schriftlichen wie auch materiellen Hinterlassenschaften des diplomatischen Agenten Johann Maria Warschitz. Als vielseitiger Repräsentant der ad-hoc-Diplomatie war dieser für Kaiser Maximilian I., Karl V., dessen Bruder Ferdinand I., sowie Pfalzgraf Friedrich tätig. Insbesondere für letzteren übernahm Warschitz zwischen 1519 und 1532 eine Reihe heikler Missionen in ganz Europa.

Mit den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts deckt der Untersuchungszeitraum eine Phase der Transformation ab, in der sich für einzelne Gesandte große Handlungsspielräume ergaben, die es genauer zu untersuchen gilt. Von Interesse ist dabei das konkrete Alltagsgeschäft, wobei Finanzierung, Reiseorganisation, Schriftlichkeitspraxis, etc. genauer in den Blick genommen werden. Über eine verstärkte Berücksichtigung dieser mikropolitischen Dimension sollen indes auch allgemeine Charakteristika präetatistischer Diplomatie herausgearbeitet werden. Dabei gilt es, deren oftmals angenommene Dysfunktionalität zu hinterfragen – ausgehend von der Prämisse, dass diplomatisches Handeln immer aus seiner Zeit heraus verstanden werden muss.

Erst die besondere Überlieferungssituation ermöglicht den Zugriff auf die genannten Fragstellungen und lässt Warschitz als Akteur mit einer eigenständigen Agenda hervortreten, was für diese Phase meist an der fragmentarischen Quellenlage scheitert. So hat sich in Form eines diplomatischen ‚Privatarchivs‘ in sechs Leinentaschen eine Vielzahl an Schriftstücken erhalten, die von Warschitz im Zuge seiner diplomatischen Tätigkeit erstellt oder genutzt wurden. Dieses Kerncorpus flankieren Überlieferungen in Norditalien, Wien und mehreren deutschen Archiven, in denen sich zahlreiche Hinweise auf Warschitz‘ Aktivität erhalten haben.

Seit Juli 2019 wird das Projekt durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert.


Publikationen

Aufsätze

  • Renaissance und Individualisierung. Perspektiven auf die Konstituierung von personaler Identität an der Epochenschwelle zur Frühen Neuzeit, in: Neecke, Michael / Jiang, Lu (Hrsg.): Person und Erzählung (Schriftstücke. Beiträge zur Philosophie und Literaturwissenschaft, 2), Berlin 2019, S. 46–90.
  • Spital und Außenwelt. Dingliche Dimensionen eines diplomatischen Privatarchivs aus dem 16. Jahrhundert im Regensburger St. Katharinenspital [Sammelbandbeitrag, vorauss. Mitte 2022].
  • Servants of many masters with their own agenda. Diplomatic agents and the House of Habsburg in the early 16th century [Zeitschriftenbeitrag, vorauss. Ende 2022].

Tagungsberichte

Radiobeiträge

Vorträge

  • Werkstattbericht zum Dissertationsprojekt, Vortrag im Rahmen des interdisziplinären Forschungsseminars „Tyskulum“ in Tromsø (Norwegen), 30.10.2020.
  • Das Leben eines diplomatischen Agenten in sechs Leinentaschen. Johann Maria Warschitz und das Regensburger St. Katharinenspital, Vortrag auf der internationalen Tagung „Spitalobjekte. Materielle Kulturen des Spitals in der Vormoderne“ in Regensburg, 03.07.2021.
  • A servant of many masters with his own agenda? Johann Maria Warschitz (†1541) as a diplomatic agent and ambassador for the House of Habsburg, Vortrag beim internationalen Doktoranden-Workshop “New trends in research of the history of Habsburg imperial diplomacy (16th–19th centuries)” in Pardubice (Tschechien), 16.09.2021.


  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  2. Institut für Geschichte

Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit)

Georg Kaulfersch


PT 3.1.81

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