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Erlangen-Regensburg Kolloquium für Erkenntnistheorie

Freitag 1.11.2019, 11:00 bis ca. 18:00, H26 (Vielberth-Gebäude)


Das Erlangen-Regensburg Kolloquium für Erkenntnistheorie ist ein Forum, bei dem Philosophinnen und Philosophen der beiden beteiligten Universitäten sowie Gäste aktuelle Arbeiten, Projekte und Themen aus der Erkenntnistheorie vorstellen und diskutieren. Es findet einmal pro Semester abwechselnd in Erlangen und Regensburg als eintägiger Workshop statt. Neben Vorträgen gibt es auch viel Gelegenheit für Diskussion, Kennenlernen und freien Gedankenaustausch. Alle Interessenten, die zu Themen der Erkenntnistheorie arbeiten – insbesondere auch Masterstudierende und Doktoranden –, sind herzlich willkommen, teilzunehmen und mitzudiskutieren! 

Um Anmeldung wird gebeten an tim.kraft@ur.de


Programm

11:00 bis 11:15 Begrüßung
11:15 bis 12:15 "Wissen" als Fähigkeitsbegriff (Hannes Worthmann)
12:15 bis 13:15 Witzlose Wahrheiten und der Veritismus (Tim Kraft)

Gemeinsames Mittagessen

14:45 bis 15:45 Asymmetrische Verlustfunktionen und der Einfluss praktischer Faktoren auf Wissenszuschreibungen (Alexander Dinges)
15:45 bis 16:45 Wissen, wahre Überzeugungen und Wissensgemeinschaften (Steffen Lesle)

Kaffeepause

17:00 bis 18:00 Epistemischer Fiktionalismus (Martin Weichold)

Gemeinsames Abendessen

Jeder Slot hat eine Stunde für Vortrag und Diskussion, die Aufteilung steht den Vortragenden offen.


Organisation

Dr. Tim Kraft (Regensburg, tim.kraft@ur.de). Dr. Alexander Dinges (Erlangen, alexander.dinges@fau.de), Dr. Hannes Worthmann (Erlangen, hannes.worthmann@fau.de) 


Abstracts

Tim Kraft: Witzlose Wahrheiten und der Veritismus

Laut Veritismus gibt es genau ein epistemisches Ziel oder Wert und das ist Wahrheit. Einer der wichtigsten Einwände gegen den Veritismus lautet, dass es triviale und witzlose Wahrheiten gibt und sie zu glauben zu "junk beliefs" führe (Harman, Friedman, Elgin u.a.). Träfe der Veritismus zu, wäre es epistemisch wertvoll, wahre, wenn auch triviale und witzlose Meinungen zu maximieren. In Reaktion auf diesen Einwand wird dann entweder ein weiteres epistemisches Ziel oder Wert angenommen (in der Regel Verstehen oder Erklären) oder Wahrheit als epistemisches Ziel oder Wert ganz aufgegeben. In meinem Vortrag werde ich den Veritismus gegen den Einwand der witzlosen Wahrheiten verteidigen. Zentral ist dabei die Diagnose, dass die vermeintliche Gegenbeispiele Beispiele sind, in denen keine neuen Meinungen erworben werden oder nur epistemische Fähigkeiten manifestiert werden. Wer beispielsweise wahllos arithmetische Sätzchen äußert (1+1=2, 2+1=3, 3+1=4 usw.), manifestiert nur eine Fähigkeit. Wertvoll ist der Besitz der Fähigkeit, nicht ihre wahllose Manifestation. Wer beispielsweise wiederholt, die Meinung "erwirbt", dass Berlin immer noch die Hauptstadt von Deutschland ist oder sie noch nie so alt war wie jetzt, erwirbt neue keine Meinung, sondern betreibt lediglich automatisiertes Updating.

Steffen Lesle: Wissen, wahre Überzeugungen und Wissensgemeinschaften

So alltäglich die Verwendung des Wortes Wissen in verschiedenen Situationen ist, so kompliziert ist es, zu erklären, was eigentlich Wissen ist. Die Standarddefinition von Wissen als wahre gerechtfertigte Überzeugung kann spätestens seit Gettier nicht mehr so recht überzeugen und die Frage, ab wann eine Überzeugung gut genug gerechtfertigt ist, um Wissen darzustellen, stößt auf Probleme wie das Lotterieparadox oder die skeptischen Hypothesen.

Mein Vorschlag ist, Wissen zweigeteilt zu analysieren. Wissen hat dabei einen semantischen Kern – nämlich „wahre Überzeugung“ – und bringt somit unabhängig von der Rechtfertigung invariante Sachverhalte zum Ausdruck. Dass wir nicht immer Wissen für wahre Überzeugungen zuschreiben, liegt daran, dass wir mit der Zuschreibung von Wissen eine Wissensgemeinschaft bilden. Wissensgemeinschaften zeichnen sich dabei dadurch aus, dass alle Beteiligten Teil an einer kollektiven Überzeugung haben. Eine solche kollektive Überzeugung, dass p, hat holzschnittartig die Form, dass alle Beteiligten die Überzeugung haben, dass p, und wissen, dass alle Beteiligten die Überzeugung haben, dass p. Im Bilden von Wissensgemeinschaften können dabei Zweifel relevant werden, die das Ausbilden einer solchen kollektiven Überzeugung verhindern und damit verhindern, dass jemandem Wissen zugeschrieben wird, obwohl dieser eine wahre Überzeugung hat.

  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  2. Institut für Philosophie

Lehrstuhl für Theoretische Philosophie


Sekretariat: Inge Kötterl

Sprechzeiten: Mo-Do,
                     8:00-11:30Uhr

Theoretische Philosophie

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