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Presse

Blicke auf Jerusalem

Graduierte des GRK 2337 im internationalen Dialog zu Metropolität - Erkenntnisgewinn und Team-Building

7. April 2022

Als geisteswissenschaftliches Graduiertenkolleg (GRK) an der Universität Regensburg befasst sich das GRK 2337 Metropolität in der Vormoderne seit 2017 in mittlerweile über 20 interdisziplinär ausgerichteten Einzelprojekten mit historischen Metropolen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Gefördert wird das Kolleg von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sein Sprecher ist der UR-Historiker Professor Dr. Jörg Oberste. Mehrere Dissertationen und ein aktueller Programmschwerpunkt des Kollegs beforschen den östlichen Mittelmeerraum. Ein zentraler Ort mit besonderer Bedeutung ist dabei Jerusalem, das Mitglieder des Kollegs unlängst besuchten. Die in situ am konkreten Beispiel vermittelten Einblicke ermöglichten es den Teilnehmer:innen, auf immersive Weise das im GRK verhandelte Phänomen der Metropolität zu reflektieren.

Early Career Researchers und Scholars auf dem Tempelberg in Jerusalem. Foto: Kathrin Pindl

Auch GRK-Projekte mit europäischem Fokus finden in Jerusalem als religiösem Kristallisationspunkt (un)mittelbare Bezüge. Im Rahmen des vielfältigen GRK-Forschungsprogramms gestalteten die UR-Nachwuchswissenschaftler:innen eigeninitiativ das Konzept zu einer wissenschaftlichen Exkursion nach Jerusalem, die im März 2022 mit Unterstützung des Trägerkreises verwirklicht wurde. „Für bestimmte Forschungskontexte ist es essenziell, die jeweilige Region zu bereisen, nicht zuletzt wegen der nur dort einsehbaren Originalquellen. Außerdem bietet gerade das multireligiöse Jerusalem noch heute die Gelegenheit, die Überlagerung topographischer, ritueller, akustischer Räume hautnah zu erleben, Dimensionen, die auch historisch große Relevanz hatten“, so ein Teilnehmer. In kultur- und religionsvergleichender Sicht wird dieser jüdisch-byzantinisch-abendländisch-arabische Mittelmeerraum oftmals als Katalysator von Transferdynamiken, Differenzen und Konflikten wahrgenommen. Die Exkursion brachte „genauere Einblicke in die Arbeitsweisen der Kolleg:innen; neue Eindrücke zur Metropole Jerusalem und der Selbstzuschreibung metropolitaner Bedeutung“, wie eine Doktorandin es rückblickend formuliert.

Byzantine und Jerusalem Talks

Kathrin Pindl, die selbst zu materiellem Lebensstandard und Ernährungssicherheit im vormodernen Regensburg forscht, ist seit dem Sommersemester 2019 wissenschaftliche Koordinatorin des GRK und hat die Studienfahrt nach Jerusalem gemeinsam mit Professor Dr. Harald Buchinger, Dr. Gregory Tucker und Christopher Sprecher organisiert. Graduierten auf effiziente Weise Strukturen, Ressourcen, Impulse und Support zur Durchführung der Qualifizierungsprojekte bereitzustellen ist für Pindl ein zentraler Aspekt. „Zugleich sehe ich es als meine Aufgabe, sicherzustellen, dass unter den gegebenen Rahmenbedingungen genug Raum für Kreativität, Eigeninitiative, realistische Berufsfeldorientierung und vor allem für Blicke über nicht nur fachspezifische Tellerränder bleibt“, sagt Kathrin Pindl.

Während der Vorbereitungszeit, die durch Planungsunsicherheit und Reisebeschränkungen durch die globale Pandemie geprägt war, halfen transdisziplinäre Veranstaltungsformate via Zoom – zum Beispiel die im Sommersemester 2020 begonnene Reihe der „Byzantine Talks“ und die „Jerusalem Talks“ – den Graduierten, im Dialog mit internationalen Expert:innen die Relevanz von Urbanisierungs- und Vergesellschaftungsprozessen in religiös-kulturell und politisch diversen Gesellschaften wie im so genannten Heiligen Land strukturiert und diversitätssensibel in den Blick zu nehmen. Kathrin Pindl griff für die Studienfahrt Anregungen und Initiativen der Graduierten auf; als Ansprechpartnerin im Kolleg hilft sie weiter, hört zu, nimmt Kritik ernst.

Erkenntnisgewinn für Qualifizierungsprojekte

Anfang 2022 zeichnete sich ab, dass die geplante Studienfahrt im Frühjahr würde stattfinden können. Dieser Zeitpunkt erlaubte in einmaliger Weise die Einbeziehung fachlich einschlägiger Expertise aus der ersten und zweiten Doktorand:innenkohorte des DFG-GRK 2337, begleitet von renommierten Expert:innen aus universitären Partnerinstitutionen wie dem DFG-Center for Advanced Studies Beyond Canon und dem Forum Mittelalter. Metropolitaner Erkenntnisgewinn aus dieser Exkursion kann zum jetzigen Zeitpunkt noch wesentlich in die Qualifizierungsarbeiten der beteiligten Nachwuchswissenschaftler:innen einfließen. So komplettieren etwa Erkenntnisse aus der osmanischen Jazzar-Pascha-Moschee in Akko das detaillierte Bild über Motivwahl ursprünglich byzantinischer Gebäude außerhalb der heutigen Türkei in einem kunsthistorischen Forschungsprojekt am GRK. Ein Nachwuchswissenschaftler mit mediävistischem und theologischem Background resümiert: „Die Wichtigkeit und Unerforschtheit der armenischen Gemeinde in Jerusalem in allen Zeitaltern – da gibt es viel zu forschen, übersetzen und kommentieren.“ Das arabisch-muslimische Erbe etwas mehr zu beleuchten, zeigte sich ebenfalls als Desiderat.  

Mitglieder des Graduiertenkollegs aus Archäologie, Geschichte, Mediävistik und Kunstgeschichte vor einem Mosaik in Beit She´an. Foto: Susanne Ehrich

Die gemeinsam organisierte Exkursion diente nach zwei Coronajahren, trotz hoher Programmdichte, in besonderem Maße auch dem Team-Building-Aspekt sowie der Anregung interner wissenschaftlicher Zusammenarbeit und Vernetzung. „Ich konnte mich ausgiebig mit den anderen Graduierten austauschen, ihre Arbeitsweisen noch besser kennenlernen und bin umso motivierter, meine eigene Forschung fortzusetzen“, fasst eine Teilnehmer:in den nachhaltigen Gewinn dieser wissenschaftlichen Exkursion für ihren Forschungsalltag zusammen. Ein Kollegiat ergänzt: „Wir haben einen sehr guten Eindruck von der kulturellen, geschichtlichen und landschaftlichen Vielfalt Israels bekommen. Die Referate waren substantiell und weiterführend; es war ein Privileg, mit so vielen Expert:innen das Land zu entdecken.“

Informationen/Kontakt

Ein illustrierter Bericht zu dieser Exkursion kann auf der Website des DFG-Graduiertenkollegs 2337 nachgelesen werden.

DFG Centre for Advanced Studies Beyond Canon
Forum Mittelalter der UR
 

Ansprechpartnerin für Medien

Kathrin Pindl, M. A.
Wissenschaftliche Koordinatorin
DFG-GRK 2337 Metropolität in der Vormoderne
Universität Regensburg
kathrin.pindl@ur.de
www.metropolitaet.ur.de

Kommunikation & Marketing

 

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