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Presse

Landkarte der Lernerfahrungen

UR-Forscher:innen beobachten Eltern beim Essen mit ihren Kindern und gewinnen wichtige Erkenntnisse über die Weitergabe kulturellen Wissens


8. September 2022

Wie bringen Eltern ihren Kindern bei, was „richtig“ oder was „falsch“ ist? Wie vermitteln Eltern ihren Kindern, was essbar ist und was nicht? Wie erklären sie, wie man richtig mit Gabel oder Stäbchen isst? Prof. Dr. Dr. Moritz Köster, Entwicklungs- und Kognitionspsychologe an der Universität Regensburg, ist gemeinsam mit einem internationalen Team von Wissenschaftler:innen aus Großbritannien, Japan und Brasilien dieser Frage nachgegangen und hat untersucht, wie Eltern ihren zweijährigen Kindern beim Essen kulturelles Wissen vermitteln.

Für ihre Studie baten die Psycholog:innen insgesamt 106 Eltern in ländlichen Regionen Brasiliens und Ecuadors sowie im städtischen Umfeld in Argentinien, Deutschland und Japan, Videoaufnahmen von gemeinsamen Abendessen zu machen. Auf der Grundlage von über 8000 Beobachtungen konnten die Forscher:innen dann im Detail analysieren, auf welche Art und Weise Eltern an diesen sehr verschiedenen Orten ihren Kindern Wissen vermitteln.

Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass Eltern in allen untersuchten kulturellen Kontexten sechs Arten der Wissensvermittlung häufig verwendeten: Dazu gehörten beispielsweise Aufforderungen, etwas zu tun oder zu lassen; etwas zeigen oder vormachen; Wahlmöglichkeiten geben oder abstraktes Wissen vermitteln. Gleichzeitig stellten die Forscher:innen fest, dass es kontextabhängig Unterschiede darin gab, welche der sechs Arten Wissen zu vermitteln bevorzugt wurden.

UR-Wissenschaftler:innen forschen daran, wie Eltern Kindern Wissen vermitteln.
Foto: Lena Schabus/UR

„Ein deutlicher Unterschied zwischen den untersuchten Kulturen war, dass Eltern in ländlichen Kontexten mehr Regeln vorgeben, in dem sie ihre Kinder zu konkreten Handlungen aufforderten, während die Eltern in städtischen Kontexten mehr abstraktes Wissen vermittelten, Dinge vormachten und Wahlmöglichkeiten aufzeigten. Insbesondere in Deutschland wurden den Kindern viele Freiräume und Wahlmöglichkeiten angeboten“, fasst Moritz Köster die Befunde zusammen und schlussfolgert: „Unsere Studie zeigt, dass sich Unterschiede in kulturellen Werten und Normen bereits in der frühen Eltern-Kind-Interaktion widerspiegeln. Eltern in ländlichen Kontexten vermitteln ihren Kindern schon früh ein gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl, Eltern in westlichen, städtischen Kontexten erziehen ihre Kinder hingegen eher zu einer individuellen und unabhängigen Lebensführung. Dies ist ein wichtiger Schritt für unser Verständnis über die frühen Grundlagen des menschlichen kulturellen Lernens.“

Mit dieser und anderen Untersuchungen an der Professur für Entwicklungs- und Kognitionspsychologie an der Universität Regensburg wollen die Forscher:innen herausfinden, wie und wann kleine Kinder beginnen, die Welt zu verstehen und mit ihr zu interagieren. Sie fragen danach, welche kognitiven und neuronalen Mechanismen seitens des Individuums hier eine Rolle spielen und wie diese Mechanismen mit frühen Erfahrungen, die kleine Kinder in ihrer physikalischen, sozialen und kulturellen Umwelt sammeln, interagieren.

Originalpublikation

Moritz Köster, Marta Giner Torréns, Joscha Kärtner, Shoji Itakura, Lilia Cavalcante, Patricia Kanngiesser, Parental teaching behavior in diverse cultural contexts, Evolution and Human Behavior, 2022, ISSN 1090-5138, https://doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2022.07.002.
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1090513822000435)

Informationen/Kontakt

Prof. Dr. Dr. Moritz Köster
Professur für Entwicklungs- und Kognitionspsychologie

Institut für Psychologie

Universität Regensburg

Tel.: +49 941 943-7683
E-Mail: Moritz.Koester@psychologie.uni-regensburg.de

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