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30 Jahre Mauerfall: Hoffnungen und Herausforderungen für Regensburg und die Region

Podiumsdiskussion „Ostbayern: Vom Zonenrandgebiet zur Mitte Europas. Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur von den 1980ern bis heute“


13. November 2019 | Fotos Julia Dragan

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Es war ein Tag, der in die Geschichte einging: Am 9. November 1989 ist in Deutschland die Mauer gefallen. Aber auch in Osteuropa begehrten die Menschen gegen Diktaturen auf und kämpften in überwiegend friedlichen Revolutionen für ihre Freiheit. Damit hat sich nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa verändert. Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls veranstalteten das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, das CITAS und die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien die Reihe „Goodbye Socialism – Hello Capitalism. Die Revolutionen von 1989 und was davon übrig blieb“.

Zum Auftakt trafen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Thon-Dittmer-Palais in Regensburg, um über „Ostbayern: Vom Zonenrandgebiet zur Mitte Europas. Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur von den 1980ern bis heute“ zu sprechen. Durch den Abend führte Thomas Muggenthaler, Journalist beim Bayerischen Rundfunk. Neben dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein haben die ehemalige Regensburger Oberbürgermeisterin Christa Meier, Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und Regina Hellwig-Schmid, Gründerin und Leiterin des Kunstvereins donumenta e. V., über die Folgen und Veränderungen für die Region diskutiert.

Die Teilnehmer der Runde haben den Fall des Eisernen Vorhangs aus unterschiedlichen Perspektiven miterlebt und verbanden vielerlei Hoffnungen und Herausforderungen damit. Für Günther Beckstein ist die friedliche Wiedervereinigung das „größte Wunder der deutschen Nachkriegsgeschichte“. Auch wenn es damals unglaublich schnell gegangen sei, so ist der ehemalige Ministerpräsident der Meinung, dass im Großen und Ganzen alles sehr gut gelaufen sei.

In Regensburg kamen mit der großen Freude über ein wiedervereinigtes Deutschland und die erfolgreichen Revolutionen im Osten Europas in den frühen 1990ern auch große Aufgaben auf die Kommune zu, erinnert sich Christa Meier. Schon damals war der Wohnungsmarkt in der Stadt angespannt. Plötzlich stand die Frage im Raum, wie möglichst schnell Wohnungen für die große Anzahl an Menschen, die nach Regensburg kamen, gebaut werden könnten. Auch die Verbindung nach Osteuropa stellte ein Problem dar, denn auch wenn die innerdeutsche Grenze aufgehoben wurde, so erwies sich die Kommunikation mit der ehemaligen Tschechoslowakei als schwierig. Günther Beckstein berichtet, dass selbst der Kontakt zwischen der deutschen und tschechischen Polizei nur über Interpol lief. Bis heute orientiere sich Deutschland eher Richtung Westen, so Christa Meier. Dabei ist für Jürgen Helmes als IHK-Geschäftsführer Tschechien einer der wichtigsten Partner. Die Region profitiere vom Wirtschaftsstandort Pilsen, der räumlichen Nähe zum und dem technologischen Fortschritt im Nachbarland. Für ihn sei der Fall des Eisernen Vorhangs das beste Wirtschaftsförderungsprogramm für die Region. Auch für Beckstein ist klar, dass Ostbayern – und insbesondere Regensburg – zu den Nutznießern der Wiedervereinigung gehöre und damit einer der Gewinner der Osterweiterung sei.

Auf die Abschlussfrage, wie es mit dem „Projekt Europa“ weitergehen werde, steht für Jürgen Helmes im Mittelpunkt, dass es der nächsten Generation besser gehen werde, denn momentan fehle es an einer Vision. Im Gegensatz dazu stehen für Regina Hellwig-Schmid weniger die materiellen und wirtschaftlichen Aspekte im Fokus. Für eine gemeinsame europäische Zukunft sei vielmehr eine „gute Kultur“ wichtig. Auch wenn weitere Einigungsschritte in Europa nötig seien, ist Günther Beckstein überzeugt: „Es geht weiter aufeinander zu.“

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