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Facettenreichtum des muslimischen Gottesbildes

Prof. Dr. Amira Mittermaier startet Humboldt-Forschungsprojekt an der Universität Regensburg


28. November 2019

Die Ethnologin und Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Amira Mittermaier kommt im Dezember 2019 an die Universität Regensburg. Der Grund: Die Wissenschaftlerin hat von der Alexander von Humboldt-Stiftung ein Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler*innen („Humboldt-Fellowship“) erhalten. Ihr Humboldt-Forschungsprojekt möchte sie von Dezember 2019 bis August 2020 am Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie durchführen. Akademischer Gastgeber ist Prof. Dr. Dr. Thomas Schärtl-Trendel.

In ihrer Forschung widmet sich Prof. Mittermaier dem gegenwärtigen Islam in Ägypten. Besonders im Fokus stehen bei Prof. Mittermaier die alltäglichen, im religiösen Bewusstsein verankerten muslimischen Gottesvorstellungen, insbesondere deren Auswirkungen auf die Weltdeutungen und das Handeln der Glaubenden. Dabei ist es ihr bisher schon gelungen, eine Reihe von divergierenden Gotteskonzepten im Islam zu entdecken, sie mit den Sinndeutungen alltäglicher religiöser Überzeugungen in Verbindung zu bringen und auf diese Weise auch im Islam eine erstaunliche Fluidität und Reichhaltigkeit von Gotteskonzepten zu identifizieren, die eine nur auf den politischen Islam oder auf islamische Rechtstraditionen konzentrierte Betrachtungsweise nicht zu Gesicht bekommt. Als Ethnologin, die einen ethnographischen Ansatz verfolgt, möchte sie die Relevanz von Gottesvorstellungen auch im Sinne einer sozial-theoretischen Größe ausweisen.

Da Prof. Dr. Amira Mittermaier ihre Aufmerksamkeit auf den Facettenreichtum des muslimischen Gottesbildes richtet, sieht sie in Regensburg ideale Gesprächspartner für ihr Projekt. Am Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie der Universität Regensburg wird schon seit mehreren Jahren über verschiedene Versionen des Theismus nachgedacht, wobei dem klassischen Theismus und dem so genannten Non-Standard-Theismus, der eine alternative Verbindung von Gott und Welt zu denken versucht, eine besondere Rolle zukommt. Non-standard-theistische Versionen würden – trotz erheblicher konzeptioneller Unterschiede im Detail – betonen, dass die Welt zur Identität Gottes konstitutiv gehört, auch wenn Gott und Welt nicht notwendig miteinander identifiziert werden müssen oder dürfen. Solche begrifflichen Überlegungen haben durchaus einschneidende Konsequenzen für den Begriff des Handelns Gottes in der Welt oder für die Bearbeitung des Theodizeeproblems. Während es im Christentum Spuren nicht-standard-theistischer Ansätze gibt, die im Schatten des klassischen Theismus gedeihen konnten (zu nennen wären Scottus Eriguena oder Niklaus von Kues), scheint ein radikaler personaler, auf die Transzendenz Gottes abhebender Theismus im Islam die dominierende Gotteskonzeption darzustellen. Frau Professorin Mittermaier kann in ihren Arbeiten jedoch zeigen, dass dies eine verzerrte Wahrnehmung ist: Nicht nur in den vielleicht elitären Zirkeln muslimischer Mystik konnten non-standard-theistische Vorstellungen blühen, sondern sie finden auch einen Boden im religiösen Bewusstsein des muslimischen Alltagsglaubens. Durch ihren Forschungsansatz schafft Prof. Mittermaier einen spannenden Dialog zwischen Theologie, Ethnologie und Religionsphilosophie.


Über Prof. Dr. Amira Mittermaier

Prof. Dr. Amira Mittermaier ist eine Ethnologin und Religionswissenschaftlerin. In Regensburg geboren durchlief sie hier ihre Schulzeit und machte 1993 Abitur. Nach dem Grundstudium in Islamwissenschaften in Tübingen und einem DAAD-Austauschjahr an der University of Michigan in den U.S.A., begann sie ihr Studium der Sozial- und Kulturanthropologie an der Columbia University in New York und erwarb dort 2006 ihren PhD. Seit 2007 lehrt sie an der Universität von Toronto.


Weiterführender Link: Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie

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