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„Wenn wir versagen, versagen wir in einer einzigarten Weise“

Festakt zum Dies academicus 2019 an der Universität Regensburg mit Redner Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber


29. November 2019 | von Katrin Groß; Fotos von Julia Dragan

Mit Aretha Franklins „Respect“ eröffnete die Uni Jazz Combo den Dies academicus 2019 der Universität Regensburg. „Gibt es eine bessere Botschaft als solche Musik in den gegenwärtigen politischen Zeiten?!“, mit diesen Worten eröffnete Präsident Prof. Dr. Udo Hebel den Festakt am 28. November 2019 und begrüßte das Publikum an „unserer bunten, vielfältigen und weltoffenen Universität.“ In seiner Rede blickte Prof. Dr. Hebel auf ein erfolgreiches und gutes Jahr für die UR zurück und freute sich, dass auch 2019 zukunftsweisende Weichen gestellt wurden. Im vergangenen Jahr konnte der Physiker Prof. Dr. Rupert Huber den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, die höchste deutsche Wissenschaftsauszeichnung, entgegennehmen und die UR den ersten Leibniz-Wissenschaftscampus in Bayern mit dem Titel „Europe and America in the Modern World“ einwerben. Außerdem holte Regensburg mit dem „Wanka-Programm“ 16 Tenure Track-Professuren an die Universität und der Ausbau des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie (RCI) ging weiter voran. Die Forschungserfolge der Universität Regensburg, wie die zahlreichen ERC-Grants oder Sofja Kovalevskaja-Preise, werden im gerade erschienenen Forschungsbericht 2015-2018 dokumentiert, den Präsident Hebel an diesem Abend feierlich Dr. Rolf-Dieter Jungk, Amtschef des Wissenschaftsministeriums, Max Binder, Vorsitzender des Universitätsrats, und Prof. Dr. Ralf Witzgall, Vorsitzender des Senats, überreichte.

Im vergangenen Jahr hat die Universität Regensburg weiter ihre Internationalisierung ausgebaut. So wurde z. B. das erste Kooperationsabkommen mit einer israelischen Universität, der Ben-Gurion University of the Negev, geschlossen und viele internationale Professor*innen nach Regensburg geholt. Die UR hat auch 2019 ihren Professorinnenanteil vergrößert, so waren unter den Neuberufungen 40 Prozent Frauen. Die Universität blickt aber auch auf ein spannendes Jahr 2020. Zum 1. April wird es ein viertes Vizepräsidentenamt mit dem Ressort „Internationalisierung und Diversity“ geben und die Planungen für die neue Fakultät für Informatik und Data Science werden weiter vorangetrieben. „Auch in 2019 hat die Universität Regensburg ihre Zukunftsverantwortung nicht nur nach innen sondern auch nach außen wahrgenommen“, so Prof. Dr. Hebel in seiner Ansprache. Die UR ist seit diesem Jahr „Fairtrade University“ und hat die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet; damit übernimmt sie Verantwortung in der Gesellschaft. Die bisherigen Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit seien, wenn auch noch ausbaufähig, bereits beachtlich, erklärte Prof. Dr. Hebel, und zeigte sich besonders begeistert, dass viele der Initiativen von Studierenden ausgehen.

Das studentische Engagement zeigten auch der studentische Sprecher Quirin Quansah und die stellvertretende Referentin für Nachhaltigkeit des Sprecher*innenrats Lydia Reismann, die mit Bezug auf den Klimawandel darauf hinwiesen, dass einschneidende Maßnahmen getroffen werden müssen und man gemeinsam und generationsübergreifend an Lösungen arbeiten müsse. Dies spiegelte auch der Vortrag des diesjährigen Festredners Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber zum Thema „Herausforderung Klimawandel: Brauchen wir eine neue Erzählung der Moderne?“ wider. Der renommierte Klimaforscher studierte in Regensburg Physik und Mathematik und promovierte an der Universität Regensburg. Später gründete er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dessen Direktor er von 1991 bis 2018 war. Der Physiker zeigte auf, wie drastisch der Zustand der Erde bereits jetzt ist und was passieren wird, wenn kein Umdenken und Handeln stattfindet. Denn nur eine zwei Grad höhere globale Mitteltemperatur führe beispielsweise zum Abschmelzen Grönlands. Allein dadurch würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen und Inseln wie die Malediven verschwinden. Schellnhuber betonte, dass ein weiterer Temperaturanstieg fatale und unumkehrbare Folgen hätte, denen große Teile der Erde zum Opfer fallen würden. Um dagegen zu wirken ist Dringlichkeit geboten und schnelles Handeln wichtig, denn: „Wenn wir versagen, versagen wir in einer einzigarten Weise“. Schellnhuber stellte dazu drei Lösungsansätze vor: Eine flächendeckende Umstellung zu regenerativen Stromquellen, voraussichtlich die Solarenergie; Eingrenzung des innereuropäische Flugverkehrs durch ein europäisches Hochgeschwindigkeitsbahnnetz; und die Menschheit müsste sich vom herkömmlichen Bauen mit Beton abkehren und sich Alternativen wie dem Bauen mit Holz zuwenden. Zum Abschluss seines Vortrags erinnerte Schellnhuber noch an seinen Doktorvater – den ehemaligen Rektor der Universität Regensburg – Prof. Dr. Gustav Obermair, der dieses Jahr verstorben ist. Obermair hat sich schon früh mit Themen wie Windkraft beschäftigt und war für den Klimaforscher „wohl einer der ersten Grünen“.

Ehrungen besonderer Leistungen im Rahmen des Dies academicus 2019

Im Rahmen des Dies academicus 2019 zeichnete Prof. Dr. Bernhard Weber, Vizepräsident für Forschung und Nachwuchsförderung, herausragende Leistungen aus. Der Habilitationspreis, gestiftet vom Verein der Freunde der Universität Regensburg e. V., ging dieses Jahr an PD Dr. Katharina Boehm. Die Anglistin wurde für ihre Habilitationsschrift im Fachgebiet Englische Literatur- und Kulturwissenschaft „Tangible Pasts: The Novel and the Material Histories of Antiquarianism in the Long Eighteenth Century“ ausgezeichnet. Der Pro Arte-Preis ging zu gleichen Teilen an Arn Goerke, Leiter der Orchester der Universität Regensburg, und an das Symphonieorchester der Universität Regensburg. Der DAAD-Preis wird jedes Jahr an herausragende internationale Studierende verliehen, die Universität Regensburg zeichnete 2019 die Kroatin Matea Sršen für ihre Leistungen in der Chemie sowie ihr soziales Engagement aus. Sara Maslanka Figueroa wurde für ihre Arbeit „Influenza A mimetic nanoparticles trigger selective cell uptake“, in der sie eine neuartige Methode zur zuverlässigen Identifizierung von Zielzellen mit synthetischen Nanoteilchen beschreibt, mit dem BioPark-Innovationspreis geehrt. Prof. Dr. Weber überreichte den Prof. Dr. Reinhard-Wirth-Studienabschlusspreis an die Naturwissenschaftler Franziska Durst und Stefan Ebner für ihre hervorragenden Studienleistungen und ihre außercurricularen Tätigkeiten. Seit 2004 wird an der Universität Regensburg der Gleichstellungspreis an Fakultäten vergeben. Dieses Jahr erhält die Fakultät für Physik die Auszeichnung für ihre Bemühungen, junge Frauen für ein Physikstudium zu interessieren.

In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Universität Regensburg verlieh Präsident Prof. Dr. Udo Hebel die Ehrennadel der Universität Regensburg an die Romanistin Prof. Dr. Ingrid Neumann-Holzschuh und den langjährigen Mitarbeiter im Rechenzentrum Siegfried Lang. Die Medaille „Bene Merenti“ überreichte der Präsident an Gabriele Anderlik, die sich durch ihre Arbeit im Kuratorium und ihr Engagement um die Universität verdient gemacht hat, und an Dr. Hans-Martin Weiss, für seine Arbeit im Kuratorium und als Förderer des christlichen Dialogs auch mit der Universität Regensburg.

Wie relevant und am Puls der Zeit das Thema Nachhaltigkeit ist, zeigte der große Andrang und die bemerkenswert große Beteiligung der Studierenden.


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