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„Ich würde mir so wünschen, dass auf Leitungsebene jemand wirklich hinter der Nachhaltigkeit steht.“

Studentisches Symposium fordert mehr Engagement von Universitätsleitung


9. Dezember 2019 | von Margit Scheid, Fotos von Markus Deli

Man war sich einig an diesem Abend im Hörsaal H26, beim Symposium Nachhaltigkeit, organisiert vom Studentischen Sprecher*innenrat der Universität und von "netzwerk n", das sich für nachhaltige Entwicklung an deutschen Hochschulen einsetzt. Im Publikum saßen rund 50 Besucherinnen und Besucher, in der Mehrzahl Studierende, aber auch Vertreterinnen und Vertreter der UR-Gremien, Professorinnen und Professoren, Lehrende und Mitarbeiter*innen aus der Verwaltung. Keiner stellte offen in Abrede, dass Nachhaltigkeit wichtig ist und gerade auch an Hochschulen mehr sein sollte als ein Trendthema. Und doch gingen die Meinungen der Universitätsleitung und der Studierenden deutlich auseinander hinsichtlich der Frage, wie groß das Engagement für Nachhaltigkeit ausfallen soll und ob es hier um Lippenbekenntnisse oder konkretes Handeln geht.


Auf dem Podium saßen an diesem Abend als externer Gast Johannes Geibel, wissenschaftlicher Referent für Innovationspolitik bei Bündnis 90/Die Grünen, Präsident Prof. Dr. Udo Hebel, Vizepräsident Prof. Dr. Nikolaus Korber, Lydia Reismann, Referentin für Nachhaltigkeit im Sprecher*innenrat und Mitgründerin des Netzwerks Nachhaltigkeit sowie Ann-Kathrin Kaufmann, Lehrbeauftragte an der UR und eine der wenigen, die Nachhaltigkeit auch in die Lehre einfließen lassen.


An der Universität Regensburg wurde Nachhaltigkeit 2019 erstmals groß thematisiert, zum einen durch die studentisch organisierte Nachhaltigkeitswoche im Juli, zum anderen durch den Dies academicus im November, der unter dem Motto der Nachhaltigkeit stand und mit Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung einen prominenten Festredner hatte. Damit war das Thema für zwei vielbeachtete Veranstaltungen prominent gesetzt, „ein schönes Zeichen“ wie Studentin Lydia Reismann es nannte, doch für sie bei weitem nicht genug: „Ich würde mir so wünschen, dass auf Leitungsebene jemand wirklich hinter der Nachhaltigkeit steht“, so Reismann und auch die Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, dass es mit Sonntagsreden allein nicht getan sein kann. Professor Hebel erläuterte, dass Nachhaltigkeit auch in seiner täglichen Arbeit als Präsident zunehmend eine Rolle spiele, etwa bei Neuberufungen, bei der Etablierung neuer Studiengänge oder im Bereich von Neubauten am Campus. Für sein Selbstverständnis als Präsident sei Verantwortung der Zentralbegriff und dazu zähle selbstverständlich auch die Verantwortung für das Klima und die nachfolgenden Generationen. Wenn er sehe, dass die Universität Regensburg im Moment erst zu 10 % klimaneutral sei, mache das deutlich, dass noch viel zu tun sei.


Moderator Dr. Michael Flohr brachte konkrete Beispiele in die Diskussion ein, durch die Nachhaltigkeit an anderen deutschen Hochschulen bereits fest in den Uni-Alltag integriert werden konnte: Das Studium Oecologicum an der Universität Tübingen und die Einrichtung eines Green Office an der Universität Konstanz. Projekte, die Einfluss auf das Wissen und die Haltung der Studierenden und Mitarbeitenden nehmen, und nicht in erster Linie die Infrastruktur am Campus in den Fokus nehmen. Bereits 2009 startete in Tübingen das Projekt des Studium Oecologicum mit dem Ziel, ein Lehrangebot zur Nachhaltigen Entwicklung für Studierende aller Fachrichtungen einzurichten. Die angebotenen Kurse sind interdisziplinär und ergebnisorientiert: In einem Seminar zur Mobilität entwickelten Studierende zusammen mit ihren Dozenten eine nachhaltige Mobilitätsstrategie für Tübingen und das Land Baden-Württemberg.


Gefragt, ob ein ähnliches Curriculum an der UR in Vorbereitung sei, erklärte Präsident Hebel, grundsätzlich sei es an der UR möglich, etwas Vergleichbares in vorhandene Strukturen, etwa den kombinatorischen Bachelor, zu integrieren. Die Schwierigkeit sei jedoch, dass 50 % aller Studiengänge in Regensburg mit dem Staatsexamen abschließen und daher extern reglementiert würden – die Einflussmöglichkeit der Universitätsleitung sei daher stark eingeschränkt. Studiengangsentwicklungen seien an der Universität Regensburg zudem Bottom-up-Projekte und in diesem Bereich stehe man mit der Nachhaltigkeit noch ganz am Anfang, ergänzte Vizepräsident Korber. Ann-Kathrin Kaufmann berichtete aus ihrer Erfahrung als Lehrbeauftragte, dass es ohne Top-down-Vorgaben immer personenabhängig bliebe, ob Nachhaltigkeit Eingang in die Lehre fände: „Gerade hier gibt es Möglichkeiten für die Universitätsleitung, das Thema zu befördern.“


Als weitere Option, um Nachhaltigkeit am Campus mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand zu fördern, stellte Michael Flohr das Green Office an der Universität Konstanz vor. Integriert in die Struktur der dortigen Universitätsverwaltung soll es Veränderungen in Forschung und Lehre und dem Betrieb der Universität erreichen. Als Anlaufstelle für alle Uni-Angehörigen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, koordiniert das Konstanzer Green Office nachhaltige Projekte und fördert die Vernetzung der einzelnen Akteure. Ganz so weit sei man an der UR noch nicht, so Vizepräsident Prof. Dr. Korber, aber man diskutiere solche Optionen aktuell und zeige sich offen für Entwicklungen in diese Richtung.


Dass die Universität im Bereich der Energieversorgung bereits ins Handeln gekommen ist und nicht mehr diskutiert, machte die Wortmeldung von Felix Emersleben deutlich: Er ist Absolvent des OTH-Studiengangs Regenerative Energien und seit September 2018 als Energiemanager in der Technischen Zentrale der UR angestellt. Zusammen mit seinen Kollegen kümmert er sich um die Energie- und Wärmeversorgung von Universität, Technischer Hochschule und Klinikum, mit dem Ziel so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten. Sein Appell Richtung Podium und Publikum zeigte, dass die Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit bei jedem selbst liegt, nicht an Gremien abgeschoben und mit dem Ruf nach besserer Finanzierung abgetan werden darf: „Bevor ich mich freitags ins Wochenende verabschiede, mache ich noch eine Runde über den Campus, drehe Heizungen ab, schließe offene Fenster, lösche das Licht in unbenutzten Räumen. Dabei können ganz viele mithelfen: Fassen wir uns alle an die eigene Nase, für diesen Schritt braucht es auch kein zusätzliches Geld aus München.“


Die Aufforderung rückte am Ende des Abends die eigene Verantwortung in den Fokus und warf die Frage auf, welches die nächsten Schritte für eine nachhaltigere Universität sein können. Vonseiten der studentischen Teilnehmer war die Bereitschaft spürbar, sich mit konkreten Vorschlägen in den Gremien der Universität einzubringen. Dr. Raphael Wimmer, Akademischer Rat am Lehrstuhl für Medieninformatik, werde im Senat eine Richtungsstellung in Sachen Nachhaltigkeit vorschlagen: „Hier können wir in der akademischen Selbstverwaltung ansetzen“.


Vizepräsident Nikolaus Korber bemerkte abschließend, er nehme drei „Hausaufgaben“ aus der Veranstaltung mit: Er werde sich darüber informieren, was die Universitätsleitung für die Einrichtung eines Zertifikatsstudiums Nachhaltigkeit tun könne; in Sachen Green Office habe er ein offenes Ohr für Konzeptpapiere seitens der Studierenden; für die Entwicklung neuer Studiengänge sehe er vor, Zuschüsse seitens der Universitätsleitung daran zu koppeln, ob sich mindestens ein Modul mit dem Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beschäftige. Das Schlusswort des Abends richtete Lydia Reismann an alle Universitätsangehörigen: „Die Universität ist euer Lebensraum, engagiert euch, denn Einsatz lohnt sich immer. Das ist mein Appell heute Abend!“


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