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Mesmerisierender Magnetismus

Prof. Dr. Jörg Wunderlich hält am Tag der Physik und Mathematik seine Antrittsvorlesung über Antiferromagnetische Ordnung


12. Februar 2020 | von Margit Scheid, Fotos von Markus Deli


Am Freitag, dem 7. Februar 2020, fand in einem gut besuchten Hörsaal H 36 der Tag der Physik und Mathematik statt, in dessen Rahmen die beiden Fakultäten Erfolge, Abschiede und auch einen Neubeginn feierten: Verabschiedet wurde Prof. Dr. Uwe Jannsen, der zum 1. April 2020 in den Ruhestand treten wird, Abschied nehmen hieß es aber auch für manche der Absolventinnen und Absolventen, die nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium oder ihrer Promotion zu neuen Zielen unterwegs sein werden. Umso schöner, dass die Fakultät für Physik an diesem Festtag auch einen ehemaligen Absolventen als Rückkehrer begrüßen durfte: Prof. Dr. Jörg Wunderlich studierte einst an der UR Physik – im Oktober 2019 ist als Professor an seine Alma Mater zurückgekehrt. Er hielt den Festvortrag zum Thema „Antiferromagnetische Ordnung“, der zugleich seine Antrittsvorlesung war.


Verabschiedung von Prof. Dr. Uwe Jannsen in den Ruhestand

Die Laudatio auf den scheidenden Inhaber des Lehrstuhls für Mathematik V – Prof. Dr. Uwe Jannsen – hielt Clara Löh, die Dekanin der Fakultät für Mathematik. Darin stellte sie ein Theorem auf, das sie anschließend mühelos beweisen konnte: „Die Universität wird Uwe Jannsen sehr vermissen.“ Diese Aussage ließe sich für jeden, der einmal mit ihm Kontakt hatte, leicht nachvollziehen, erklärte Löh, denn ohne ihn sei es schwieriger als mit ihm. Die zweite Behauptung der Dekanin lautete: „Ohne ihn wären ganz viele, vielleicht alle, nicht hier.“ Für den Beweis dieses Satzes holte Clara Löh weiter aus und blickte zunächst ins Jahr 1980 zurück, als Uwe Jannsen als Assistent von Prof. Dr. Jürgen Neukirch das erste Mal an die Universität Regensburg gekommen war. Nach Stationen am Max Planck-Institut in Bonn und an der Universität zu Köln kehrte Jannsen1999 als Nachfolger von Professor Neukirch nach Regensburg zurück. Prof. Dr. Uwe Jannsen gestaltete in den 2000er Jahren den Generationenwechsel an der Fakultät für Mathematik mit, arbeitete in zahlreichen Berufungskommissionen und bei vielen Forschungsanträgen mit. „Und dann ist das Geld da“, so Dekanin Löh weiter, „dann muss natürlich geforscht werden und hier hat Uwe Jannsen viel geleistet mit seinen herausragenden Arbeiten in der algebraischen Zahlentheorie und arithmetischen Geometrie“. Seine Vorlesungen seien bei den Studierenden sehr beliebt gewesen – und auch in der akademischen Selbstverwaltung war Jannsen sowohl als Dekan als auch als langjähriger Senatsvorsitzender stark beteiligt. „Viele der Kollegen aus der Mathematik wären jetzt nicht hier, wenn Uwe nicht so hart dafür gearbeitet hätte und auch wir alle in diesem Hörsaal wären jetzt nicht hier – denn die Initiative für den ‚Tag der Mathematik‘, wie er damals noch hieß, ging auch auf ihn zurück“, schloss Professorin Löh ihre Beweisführung ab.


Ehrung der Absolvent*innen und Verleihung der Preise für gute Lehre

Prof. Dr. Dieter Weiss, Dekan der Fakultät für Physik, wandte sich anschließend an die Absolventinnen und Absolventen beider Fakultäten und versicherte ihnen: „Sie können zu Recht stolz auf sich sein, stolz auf Ihre Studienerfolge und vor allem auch auf Ihre Abschlussarbeiten, mit denen Sie Neuland betreten haben“. Das Podium des Hörsaals war bei der Übergabe der Urkunden und Glückwunschschreiben gut gefüllt mit den ehemaligen Bachelor-, Master-, Lehramts- und Promotionsstudierenden – die Gesamtzahl aller Absolvent*innen lag dabei tatsächlich noch wesentlich höher: „Hätten heute alle die Zeit gefunden, hierher zu kommen – die Kapazität dieses Hörsaals würde nicht ausreichen", so Professor Weiss. Nicht nur die Studierenden kamen an diesem Tag zu Ehren, die Studiendekane beider Fakultäten verliehen außerdem die Preise für gute Lehre – in der Mathematik ging diese Auszeichnung an Prof. Dr. Michael Hellos; in der Fakultät für Physik freute sich Prof. Dr. Rupert Huber über den Preis.


Antrittsvorlesung von Professor Dr. Jörg Wunderlich

Am Ende des Tages der Physik und Mathematik stand der Festvortrag, der in diesem Semester zugleich die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Jörg Wunderlich war, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle und Angewandte Physik. Wunderlich hatte in Regensburg studiert, seine Doktorarbeit entstand als deutsch-französische Koproduktion zwischen dem Institut d'Électronique Fondamentale im französischen Orsay und dem Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle an der Saale. Im Anschluss an die Promotion ging Wunderlich an das Hitachi Cambridge Laboratory im Vereinigten Königreich. Zudem ist Wunderlich Fellow am Research Center for Advanced Science and Technology der Universität Tokio. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2010 mit dem J. E. Purkyn Fellowship und 2016 mit dem Wohlfarth Prize.


In seinem Vortrag gab Professor Wunderlich zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte des Ferromagnetismus, also demjenigen magnetischen Phänomen, das uns aus alltäglichen Gegenständen wie dem Kühlschrankmagneten oder dem Kompass vertraut ist. Im Gegensatz zu dem seit Jahrtausenden genutzten Ferromagnetismus sind sogenannte antiferromagnetische Materialien erst seit knapp hundert Jahren bekannt und bislang noch wenig erforscht. Jörg Wunderlich zeigte in seiner Antrittsvorlesung Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden magnetischen Ordnungen auf: Gegenüber „herkömmlichen“ Magneten zeichneten sich Antiferromagnete insbesondere durch ultraschnelle und komplexe Spin-Dynamik und durch Unempfindlichkeit gegenüber sehr starken äußeren Magnetfeldern und hochenergetischer Strahlung aus. In den Mittelpunkt seiner zukünftigen Forschung an der Universität Regensburg wolle er „Untersuchungen zu relativistischen Quantenphänomenen in antiferromagnetisch geordneten Materialien stellen“, erklärte Professor Wunderlich weiter. Sinn und Zweck seiner Forschungsarbeit sei es, die zugrundeliegenden mikroskopischen Mechanismen zu erkennen und zu prüfen, ob sich diese für neue innovative Anwendungen nutzen lassen. Langfristig verfolge man das Ziel, mithilfe von antiferromagnetischen Systemen energieeffiziente, extrem schnelle und multifunktionale Konzepte für Informationstechnologien zu entwickeln.

Im Anschluss an den Festvortrag fanden sich Gäste, Absolvent*innen und das Kollegium bei einem Empfang im Vorraum des Hörsaals H 36 zusammen. Musikalisch wurde der Tag vom Anne Schnell-Trio umrahmt.

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