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Wie aussagekräftig sind die Corona-Statistiken?

Veröffentlichungsdatum 2. April bzw. 10. April 2020
SPIEGEL online

Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 übersteigt vermutlich die Test-Kapazitäten

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie sind auch die Folgeerscheinungen für die Wirtschaft erheblich. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Corona-Shutdowns werden vom ifo-Institut auf eine Summe zwischen 25 und 57 Milliarden Euro pro Woche geschätzt. Es ist daher naheliegend, dass der Umgang mit der Corona-Epidemie in Deutschland auch die Wirtschaftswissenschaften beschäftigt.

Felix Peterhammer, Doktorand von Prof. Dr. Andreas Roider am Regensburger Lehrstuhl für Mikroökonomik, hat in einer Studie untersucht, inwieweit die offiziellen Zahlen zu den Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 relevant für die Begründung von politischen Entscheidungen sein können. Peterhammers Studie legt die Vermutung nahe, dass um den 20. März 2020 herum die tatsächlichen Infektionen in Deutschland über die Kapazitäten für positive Tests hinausgewachsen sind. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Verlaufskurve der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 eine deutliche Verlangsamung festzustellen. Der Grund für diese Stagnation liege jedoch nicht darin, dass die politischen Maßnahmen gegriffen hätten - ein positiver Effekt durch die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften sowie durch das Social Distancing hätte sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in den gemeldeten Zahlen niederschlagen können, erläutert Peterhammer. Vielmehr sei es ab diesem Zeitpunk nicht mehr möglich gewesen, die tatsächlichen Neuinfektionen mithilfe der Testmethoden zu erfassen. Laut Studie spiegelten die gemeldeten Infektionen derzeit vermutlich nicht länger die tatsächlichen Fälle wider, sondern lediglich die Nachweiskapazitäten.

Felix Peterhammer spricht sich dafür aus, für die Überprüfung der Maßnahmen groß angelegte Zufallstests in der Bevölkerung durchzuführen - ähnlich wie bei Wahlumfragen könnte das Ergebnis anschließend auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet werden. Verdachtsabhängig sollte nur noch dort getestet werden, wo es medizinisch notwendig und sinnvoll ist, zum Beispiel bei schwer Erkrankten oder bei Klinikpersonal.

SPIEGEL online hat die Studie von Felix Peterhammer aufgegriffen und deren Ergebnisse mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen diskutiert.


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