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Eine Hand desinfiziert die andere – In Krankenhäusern kommt die Desinfektion oft zu kurz

Regensburger Psycholog*innen testen, wie man Besucher*innen eines Krankenhauses zur Händedesinfektion motivieren kann


17. April 2020


Infektionserkrankungen stellen, wie wir gerade anhand der Krankheit COVID-19 deutlich sehen, ein schwerwiegendes Problem für die Gesellschaft dar. Ein effektives Mittel zur Vorbeugung von Infektionen ist die Händedesinfektion. Jedoch sind die Händedesinfektionsraten in Krankenhäusern unzureichend niedrig – vor allem auch bei  Besuchern*innen. In einem 14-wöchigen Experiment in einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg haben Regensburger Psycholog*innen getestet, inwieweit psychologische Überzeugungsprinzipien Krankenhausbesucher*innen zur Händedesinfektion motivieren können. Bei diesen Prinzipien handelt es sich um grundlegende Mechanismen, durch die menschliches Verhalten oft beeinflusst wird: Reziprozität, Commitment und Konsistenz, Gemeinschaft, Soziale Bewährtheit, Sympathie, Autorität sowie Knappheit. Die Ergebnisse sind im Journal Health Psychology erschienen.




Über ein Sensorensystem konnten die Bewegungsdaten von über 245.000 Personen anonym erfasst werden. Damit konnten die Forscher*innen feststellen, wie viele Personen das Krankenhaus betraten und verließen und wer davon den Desinfektionsspender im Eingangsbereich benutzte. Über dem Desinfektionsmittelspender war auf einem Bildschirm jeweils für eine Woche ein Plakat mit einer Botschaft der sieben Prinzipen zu sehen. Zur Kontrolle wurde zwischen den verschiedenen Plakatpräsentationen der Bildschirm jeweils für eine Woche ausgeschaltet. Das Plakat, welches nach dem Autoritätsprinzip gestaltet wurde (eine Empfehlung einer Autoritätsperson, in diesem Fall des ärztlichen Direktors der Klinik), wirkte am besten: Solange dieses Plakat eingeblendet war, wurde der Desinfektionsmittelspender am Meisten benutzt.
 

Neben der Autoritätsbotschaft, führte auch die Präsentation der Soziale-Bewährtheit Botschaft dazu, dass sich mehr Besucher*innen die Hände desinfizieren. Als Soziale Bewährtheit bezeichnet man das psychologische Phänomen, dass Menschen sich am Verhalten anderer orientieren, weil sie annehmen, dass es sich dabei um ein der Situation angemessenes Verhalten handelt. In der vorliegenden Studie orientieren sich Viele am Verhalten, das sie auf dem Plakat sahen – ebenfalls Besucher*innen die sich die Hände desinfizieren.


Die Ergebnisse zeigen, dass eine einfach umzusetzende und sehr kostengünstige Intervention wie das Präsentieren von empirisch fundierten Botschaften das Händehygieneverhalten von Krankenhausbesucher*innen positiv beeinflussen kann.


Originalpublikation:

Gaube, S., Fischer, P., Windl, V., und Lermer, E., "The Effect of Persuasive Messages on Hospital Visitors' Hand Hygiene Behavior", Health Psychology (2020) http://dx.doi.org/10.1037/hea0000854


ANSPRECHPARTNERIN FÜR MEDIENVERTRETER

Susanne Gaube
Am Lehrstuhl für Sozial-, Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Universität Regensburg
Telefon: 0941 943-3834
E-Mail: susanne.gaube@ur.de


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