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UR Digital Town Hall

Einladung des Studentischen Sprecher*innenrats zum Austausch: „Stell dem Unipräsidenten deine Fragen rund ums Studium in Zeiten von COVID-19!“


26. Juni 2020  von Tanja Wagensohn

Wie geht es weiter im Wintersemester? Online? In Präsenz? Der Studentische Sprecher*innenrat lud am 25. Juni zu einem weiteren – diesmal digitalen – Town-Hall-Meeting an der Universität Regensburg ein. 40 Studierende loggten sich ein und folgten dem Aufruf ihrer Vertreter:innen: „Stell dem Unipräsidenten deine Fragen rund ums Studium in Zeiten von COVID-19“. Über eineinhalb Stunden zoomten sie mit Universitätspräsident Professor Dr. Udo Hebel und Professor Dr. Nikolaus Korber, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung. Deren Botschaft war klar: Den Studierenden werden aus der aktuellen Situation keine Nachteile entstehen. Und alle vermissen die Präsenzuni.


Die zweite Town-Hall an der Universität Regensburg auf Einladung der Studentischen Sprecher:innen, die auch Mitglied im erweiterten COVID-19-Krisenstab der UR sind, entfaltet sich entspannt zwischen Bücherregalen, vor Landkarten, neben Zimmerpflanzen. Kaffee sieht man auch. Die Stimmung ist gut, der Austausch freundlich und persönlich, trotz Distanz und Videokommunikation. Lediglich das Laptop-Mikro der Moderator:innen Quirin Quansah und Hanna Röder knackt ein wenig, aber die Technik hält. Wer nicht online dabei sein kann oder will, hat die Möglichkeit, Quirin und Hanna Fragen via Chat einzuspielen.
Der Dialog der vergangenen Wochen zwischen Präsidium und Studierenden sei von Vertrauen und gegenseitigem Respekt getragen gewesen, sagt der Universitätspräsident, als er sich für die Einladung der Studierenden bedankt: „Wir sind in belastender und anstrengender Zeit für uns alle gut durchgekommen. Weil wir viel miteinander reden und viel Verständnis der Studierenden für die Lehrenden da ist. Und umgekehrt.“


Foto Townhall


Lesesäle

Dann geht es direkt los. Die erste Frage stellt ein Student der Physik, der sich nach den Planungen zu weiteren Lesesaal-Öffnungen erkundigt. Eine Frage, „die uns weiter umtreibt“, wie Universitätspräsident Hebel sagt, denn die Universitätsbibliothek benötigte aus einer Vielzahl von hygienekonzeptuellen, technischen und arbeitsschutzrechtlichen Gründen einen Stufenplan zur Öffnung. Zunächst sollte der Zugang zu den Medien in den Lesesälen erfolgen, dann erst konnte es um die Leseplatznutzung gehen. Nach Recht, Wirtschaft und ab 29. Juni auch PT werden bis Mitte Juli weitere Lesesäle geöffnet werden.
Die nächste Frage treibt alle noch viel mehr um: „Wird das kommende Semester auch online stattfinden?“ Professor Hebel verweist auf das Infektionsgeschehen: Alle, auch die UR, sind von der Pandemie-Entwicklung abhängig. Die Virologen des Universitätsklinikums haben vor Vorlesungen mit 60 bis 70 Teilnehmenden aufwärts dringend gewarnt, berichtet der Präsident. Er könne nur um Verständnis bitten, dass die volatile Situation einfach keine belastbare Prognose zulasse. Wenn die Universität Regensburg zu komplettem „normalen“ Präsenzbetrieb zurückkehrte und es Corona-Alarm gäbe, wären mindestens 35 000 Menschen betroffen – Beschäftigte, Studierende, alle deren Familien.


Wintersemester

Wie sich das Wintersemester also tatsächlich gestalten wird, ist vermutlich erst im Oktober klar. Klar ist aber auch: Es geht nicht um eine Präsenz-zu-digital-Alternativplanung, „sondern wir müssen uns auf verschiedene Szenarien“ einstellen. Zu diesem Zweck erfolgen derzeit Gespräche mit den Fakultäten, die verschiedene Szenarien für ihre Bereiche entwickeln. Ein Vertreter der Fachschaft Wirtschaft fragt nach: „Wir haben gehört, dass die Professoren noch keine Raumbuchungen fürs Wintersemester machen können. Wäre es nicht einfacher, für Präsenz zu planen und notfalls wieder auf digital umzustellen statt umgekehrt?“ Die Furcht vor schwerfälligen Prozessen, falls Präsenzlehre im Herbst in größerem Maßstab möglich werden sollte, räumt Vizepräsident Korber auf Basis der Erfahrungen der letzten Wochen und der hervorragenden Arbeit der aktuell eingesetzten Taskforce für Praxisveranstaltungen und Prüfungen aus: „Wir sind in der Lage, auch kurzfristig Präsenzveranstaltungen zuzulassen. Falls im Oktober mehr Präsenz ermöglicht werden kann, dann wird das auch möglich sein. Ich verspreche, das wird funktionieren.“ Der Frage nach Planungssicherheit, etwa im Hinblick auf Wohnung und Nebenjob, beantwortet der Vizepräsident auch: „Wir empfehlen Studierenden, im Wintersemester in Regensburg anwesend sein zu können.“


Begrenzter Spielraum

Beide Präsidiumsvertreter verweisen darauf, dass externe Akteure, etwa Wissenschaftsministerium, Gesundheitsministerium und Staatskanzlei, fixe, oft rechtliche Eckpunkte im Kontext der Pandemie setzen: „Das ist der externe Rahmen und der, der uns an der Universität den Kontext gibt. Wir sind in vielem zur Umsetzung verpflichtet und haben nur begrenzte Spielräume.“ Bei der „coronabedingten“ Rahmenprüfungsordnung etwa habe man diese genutzt. „Damit sind wir sehr gut gefahren“, sagt Vizepräsident Korber, „das Zusammenspiel hat gut geklappt.“ Dort ist festgelegt, dass sich sämtliche Studienhöchst- und Prüfungsfristen, die am Ende des Sommersemesters 2020 ablaufen, automatisch bis ans Ende des Wintersemesters 2020/21 verschieben.
Quirin Quansah wirft ein, manche Dinge seien häufig von einem Tag zum anderen passiert, es habe keinen Vorlauf gegeben. Professor Hebel nickt, versichert, er habe sich auch oft größeren Vorlauf hinsichtlich der von außen kommenden Informationen gewünscht, aber den habe es einfach oft nicht gegeben: „Das hat sich etwas beruhigt, aber glauben Sie mir, auch für uns ging es manchmal sehr 'kurzweilig' zu.“


Vorlesungszeiten und „Nichtsemester“

Eine Studentin spricht die letzte Rundmail des Präsidenten an, in der als Vorlesungsbeginn fürs Wintersemester der 2. November 2020 genannt ist. Der Universitätspräsident erläutert, dass innerhalb der Semesterzeiten die Vorlesungszeiten an den Universitäten und Hochschulen über eine gesetzliche Verordnung geregelt werden. Die Überarbeitung von Terminen dauert aufgrund der daraus resultierenden Abstimmungsprozesse entsprechend lange. Innerhalb dieser Semesterzeit haben die Universitäten einen gewissen Spielraum hinsichtlich des Vorlesungszeitraums, um einen idealen Ablauf zu garantieren und zum Beispiel zeitliche Kollisionen von Terminen zu vermeiden. Nach aktuellem Stand wird die Vorlesungszeit des Wintersemesters an der UR bis 12. Februar 2021 dauern. Das Sommersemester 2021 soll dann wohl wieder stattfinden wie ursprünglich vorgesehen.

Eine Studentin fragt nach, ob das aktuelle Semester ein „Nichtsemester“ sei. Für die UR sei dies zu keinem Zeitpunkt eine Option gewesen, sagt der Universitätspräsident. Ziel sei es gewesen, den Studierenden ein bestmögliches Lehrangebot zur Verfügung stellen. Zudem trägt eine Universität  gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Bei allen Einschränkungen sei es gelungen, über 90 Prozent der Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Dies sei eine großartige Leistung – der Lehrenden wie der Studierenden, die das Angebot nutzten. Oberste Prämisse sei gewesen, dass den Studierenden wegen der Bandbreite von Beeinträchtigungen durch Corona keine Nachteile entstehen. Vizepräsident Korber ergänzt, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür in Arbeit seien und auch das Ministerium seine Versprechen einlöse. Die Regelungen beinhalten aus Sicht des Vizepräsidenten alles, „was man sich gewünscht hätte, um alle Nachteile für Studierende aufzufangen“.


Lehrende

Eine Studentin fragt nach den Bedingungen für die Vertreter:innen des akademischen „Mittelbaus“ und dessen Arbeitsbelastung. Universitätspräsident Hebel verweist auf regelmäßige Gespräche und das Wissen darum, dass für viele Zusatzarbeit entstanden sei, etwa im Kontext von Laborpraktika oder bei der Prüfungsorganisation. Die UR hat darauf mit einem Deputatanrechnungsmodell reagiert. Im Hinblick auf Verträge verwiesen die Präsidiumsvertreter darauf, dass man gegebenenfalls und im Einvernehmen mit den jeweiligen Kontexten – Bundesgesetze, Landesgesetze, Drittmittelfinanzierungen etc. – Lösungen suche. Wo man individuell handeln könne, werde man das tun.

Eine Studentin der Erziehungswissenschaften fragt nach, ob man Lehrende im digitalen Semester hinsichtlich ihres Lehrangebots überprüfe. Ein schwieriges Anliegen, sagt Professor Hebel, Lehre an einer Universität sei von Eigenverantwortung geprägt, ebenso von der grundgesetzlich garantierten Freiheit von Forschung und Lehre. Gleichwohl habe der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst zu Beginn der Corona-Pandemie in einem Schreiben alle Lehrenden an den Universitäten auf ihre Pflicht zur Mitarbeit am digitalen Semester hingewiesen. Der Universitätspräsident empfiehlt, bei Unzufriedenheit das direkte Gespräch mit den Lehrenden zu suchen, Evaluierungen zu nutzen und gegebenenfalls die Studiendekan:innen auf Missstände anzusprechen.


Hochschulwahlen

Lydia Reismann, Referentin für Hochschulpolitik, Nachhaltigkeit und Finanzen des Studentischen Sprecher*innenrats, erinnert gegen Ende der Town-Hall noch an die Hochschulwahlen, die diesmal als reine Briefwahl erfolgen. Der Universitätspräsident bietet an, die Wahlen auch noch einmal stärker zu bewerben. „Bitte nutzen Sie diese und jede Wahl“, sagt der Universitätspräsident. "Nachhaltigkeit benötigt studentische Mitarbeit, Unterstützung, Ideen“.


Plädoyer für die Präsenz

Letzte studentische Frage an die Präsidiumsvertreter: „Was nehmen Sie aus dem digitalen Semester mit? Neue Lehrformate?“ Professor Hebel fordert, genau hinzuschauen, genau nachzufragen, vor allem danach, „wie wir die digitalen Lehrformate in das integrieren, was Universität eigentlich ausmacht, nämlich intellektuelle Auseinandersetzung, in Präsenz“. Daher sei kein Raum für Ersetzungsdiskussionen: Einen „corona digital capitalism“, in dem Menschen und Stellen durch Digitales ersetzt werden, lehnt Udo Hebel ab. Er will die aktuellen Erfahrungen als Chance begriffen haben, sich zu verbessern. Mit digitalen Lehrformaten zum Beispiel Studierendengruppen unterstützen, die vor Herausforderungen hinsichtlich ihrer zeitlichen Flexibilität stehen, etwa Alleinerziehende. Auch Nikolaus Korber will die Präsenzuni behalten, sieht die digitale Lehre als zusätzliche Möglichkeit, für die noch Instrumentarien zu entwickeln seien, etwa solche der Qualitätsprüfung.

Eine weitere Frage gilt der Anpassung von Masterstudiengangbewerbungsfristen, welche die Studiengänge selbst regeln können; eine allgemeine Vorgabe gibt es nicht, auch nicht für zulassungsbeschränkte Studiengänge, erläutert Vizepräsident Korber. Eine Frage-E-Mail erkundigt sich nach Ansprechpartner:innen für Studierende mit chronischen Erkrankungen. Vizepräsident Korber verweist auf die Unterstützungsstrukturen an der UR, etwa den Vertreter für solche Fragen im Senat, Professor Dr. Mark Greenlee. E-Mail-Frage: Unterstützung für internationale Studierende, hinsichtlich sozialer Fragen oder Krankenversicherungen? Es gebe hier Möglichkeiten, sagt der Universitätspräsident, die Studierenden sollen mit dem International Office in Kontakt treten. Zum Schluss: Vielleicht kann die Universitätsleitung ja einigen Professoren ein neues Mikrofon für ihren Computer finanzieren? Das sollte möglich sein, meint Professor Hebel. Die Moderator:innen sollen dann auch gleich eins bekommen.

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