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Aus der Not eine Tugend machen

Regensburger Lehramtsstudierende entwickeln virtuelle Lernumgebung zu Online-Shopping und Klimawandel


28. Juli 2020

Die Digitalisierung ist nicht zuletzt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein Thema, das derzeit in vielen Bereichen neu diskutiert wird. Dank digitaler Angebote konnte der Lehrbetrieb an Schulen und Universitäten auch während der strikten Kontaktbeschränkungen aufrechterhalten werden; und wer Ende März dringend neue Schuhe brauchte, für den war die Möglichkeit, online Bestellungen aufgeben zu können, ebenfalls ein Segen.


Mittlerweile haben wir gelernt, mit der steten Bedrohung durch das Virus und mit den daraus resultierenden Einschränkungen zu leben. Nach dem akuten Ausnahmezustand geraten jetzt auch wieder andere Themen und Problemfelder zurück in den Fokus: Allen voran die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel.


Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eines der Themen, die der Lehrstuhl Didaktik der Physik an der Universität Regensburg erforscht und in die Lehrerausbildung integriert. In diesem Semester stellt Bildung für nachhaltige Entwicklung den inhaltlichen Schwerpunkt im regelmäßig angebotenen Seminar „Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht im Lernforschungslabor“ dar. In diesem Kurs ist es Aufgabe der Lehramtsstudierenden, eine Unterrichtsstunde für den Physikunterricht zu erarbeiten und umzusetzen. Normalerweise kommen dazu interessierte Klassen an die Universität und erproben die Unterrichtsstunde im Lernforschungslabor der Fakultät für Physik. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der Einstellung des Publikumsverkehrs am Campus konnten die Physik-Didaktiker dieses Konzept in diesem Sommer nicht wie geplant durchführen.


Dominique Holland und Paul Unger vom Lehrstuhl Didaktik der Physik haben aus der Not eine Tugend gemacht und sowohl ihr Seminar als auch die zu erarbeitende Unterrichtseinheit digitalisiert: Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer trafen sich via Zoom im digitalen Seminarraum und entwarfen über ein gemeinsames, virtuelles Whiteboard ihre – ebenfalls digitalen – Lerneinheiten. Auch inhaltlich griff der zu entwickelnde Unterricht ein Themenfeld der Digitalisierung auf: die Auswirkungen des Online-Shoppings auf den Klimawandel.




Der rote Faden, der die Schülerinnen und Schüler durch die digitale Lernumgebung führt, ist die Fragestellung, ob es nachhaltiger ist ein neues Paar Schuhe im Laden oder online zu kaufen bzw. was die Auswirkungen der jeweiligen Kaufentscheidung auf den Klimawandel sind. Anhand von Erklärvideos, Faktensammlungen sowie Frage-und-Antwort-Spielen und mithilfe von konkreten Arbeitsaufträgen lernen Schülerinnen und Schüler zunächst grundlegende Fakten über den Klimawandel und den Treibhauseffekt, um anschließend konkreter in die Themenfelder Internetnutzung, Transportwege, Versand und Retouren einzusteigen. Projektpartner des Didaktikseminars ist in diesem Jahr das Straubinger Ursulinen Gymnasium: Im Fach Physik wird die virtuelle Unterrichtsstunde derzeit von Schülerinnen der 9. und 10. Jahrgangsstufen bearbeitet. Bei Fragen oder technischen Schwierigkeiten können sich die Schülerinnen direkt an die Regensburger Studierenden wenden. Ihre Rückmeldungen und die Ergebnisse der interaktiven Lerneinheiten nutzen die angehenden Lehrkräfte wiederum zur Evaluation ihrer Unterrichtsvorbereitung.


„Digitalisierung ist sicherlich eines der Zukunftsthemen für alle Schularten. Umso wichtiger ist es, angehende Lehrerinnen und Lehrer mit den Techniken für digitale Zusammenarbeit, digitales Lehren und Lernen vertraut zu machen“, erklärt Prof. Dr. Karsten Rincke, Inhaber des Lehrstuhls Didaktik der Physik. Dominique Holland ergänzt: „Die Studierenden konnten im Seminar darüber hinaus anhand des Themas ‚Onlineshopping und Klimawandel‘ erkennen, wie komplex alltagsbezogene Kontexte im Unterricht werden, wenn diese unter dem Blickwinkel einer nachhaltigen Entwicklung betrachtet werden.“


Abschließend sei noch erwähnt, dass die Frage, was denn nun nachhaltiger ist – das Einkaufen vor Ort oder der Besuch beim Online-Händler – von vielen Faktoren abhängig ist. Gerade beim Kauf von Schuhen, bei dem man in der Regel mehr als ein Paar anprobiert, um das am besten passende Modell zu finden, ist es ökologisch meist sinnvoller, beim Einzelhändler vor Ort zu kaufen. Denn vor allem die Retoursendungen sind es, die sich beim Online-Kauf negativ auf die CO2-Bilanz auswirken. Wer die Fahrt in die Stadt dann auch noch mit dem Fahrrad erledigen kann, hat im Sinne der Nachhaltigkeit schon vieles richtiggemacht. Noch besser wäre es natürlich, das alte Paar Schuhe eine Saison länger zu tragen…


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