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“Celebrity-in-chief”

Ein medienwissenschaftlicher Blick auf Trump und das Fernsehen


5. November 2020

Donald Trump und seine Präsidentschaft halten die Welt in Atem, seine Politik und sein Medienverhalten haben die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft vertieft; sein Verhalten nach der Präsidentschaftswahl, seine Provokationen scheinen die Prognose Neil Postmans zu bestätigen, der schon vor 30 Jahren das Fernsehen als Bedrohung der Demokratie ausmachte. Donald Trump, der „Celebrity-in-chief“, ist geradezu süchtig nach Medienpräsenz und hat als (ehemaliger) Reality-TV-Star ein besonderes Verhältnis zum Medium Fernsehen. Dieser Beziehung spürt das in diesem Herbst erschienene Buch „Trump und das Fernsehen. Medien, Realität, Affekt, Politik" aus medienwissenschaftlicher Perspektive nach. Herausgegeben hat es Dr. Herbert Schwaab vom Regensburger Lehrstuhl für Medienwissenschaft zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Bonn, Köln, Bielefeld und Tübingen.

Der Band geht auf eine gleichnamige Konferenz zurück, die Herbert Schwaab gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen im Jahr 2017 organisiert hatte. Grundgedanke der Konferenz wie des Buches ist, dass wir uns dem Phänomen Trump über das Medium Fernsehen in besonderer Weise nähern können, denn „Trumps Realität ist die Realität des Fernsehens“, so die Herausgeber:innen in ihrem Vorwort. Dafür spricht zum Beispiel einer seiner Tweets vom März 2020 als er sichtlich stolz von den hohen „Einschaltquoten“ seiner Corona Briefings berichtete, so als befände er sich in einer weiteren Episode von The Apprentice. Der Band möchte in verschiedenen Aufsätzen „den medialen Unterbau des Politischen“ am Beispiel Trumps zeigen, immer im Hinblick auf das vermeintlich veraltete Medium Fernsehen. Themen sind dabei unter anderem Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi als mögliches Vorbild Trumps, die mediale Heimat des Präsidenten im Reality TV, die Rolle des Affektes und der Quote in Trumps Medienpolitik oder das Trump-Fantum. Dr. Herbert Schwaab selbst steuert einen Beitrag zur Fernsehserie Roseanne bei, einer amerikanischen Sitcom aus den späten 1980er Jahren, die 2018 neue aufgelegt wurde – mit einer Hauptfigur, die sich zur Trump-Anhängerin weiterentwickelt hat. Schwaab geht anhand dieses Beispiels der Frage nach, ob die innerhalb der Cultural Studies vertretene Ansicht, Sitcoms hätten das Potential Widersprüche, Konflikte und das Ringen um Emanzipation zum Ausdruck zu bringen, noch zum Fernsehen und der Medienkultur der späten 2010er Jahre passt.


Der Band „Trump und das Fernsehen“ richtet sich nicht nur an Medienwissenschaftler:innen, sondern insbesondere auch an Politolog:innen, Journalist:innen und alle, die sich für den Zusammenhang von Medien und Politik interessieren. Nicht zuletzt, so räumt Dr. Herbert Schwaab ein, sind die in diesem Buch vorgestellten Analysen auch Versuche, durch Interpretation, Theorie und Analyse Trump zu bannen, zu verarbeiten und zu verstehen. Ein Anliegen, das im Moment viele von uns haben dürften.


„Trump und das Fernsehen. Medien, Realität, Affekt, Politik.“ wurde herausgegeben von Dominik Maeder, Herbert Schwaab, Stephan Trinkaus, Anne Ulrich und Tanja Weber und ist 2020 im Kölner Herbert von Halem Verlag erschienen.


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