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„Eine ungemein spannende Region“

Umfassendes Handbuch zu südosteuropäischer Geschichte erschienen


17. November 2020; von IOS, Foto: Ulf Brunnbauer; © IOS/neverflash.com

Im renommierten Wissenschaftsverlag Routledge ist eine tiefgehende und gleichzeitig auch für Leser:innen ohne Fachkenntnisse zugängliche Darstellung der Geschichte Südosteuropas erschienen. The Routledge Handbook of Balkan and Southeast European History, herausgegeben unter anderem von Ulf Brunnbauer (Universität Regensburg), vereint Beiträge von 44 führenden Historikerinnen und Historikern aus Nordamerika und Europa.

Geschichte ist nie einfach – doch jene Südosteuropas erweist sich als besonders komplex, wie aus dem Handbuch deutlich hervorgeht. So existierten die meisten Staaten der Region vor 30 Jahren noch nicht als unabhängige Länder. Und vor etwas mehr als einem Jahrhundert war die Region noch durch die Reiche der Habsburger und Osmanen geprägt, mit dem Reich der Romanovs, das sich Richtung Balkanhalbinsel ausdehnte, als weiterem Akteur. Nicht nur die Grenzen haben sich in Südosteuropa seit dem 19. Jahrhundert dynamisch, oft gewaltsam verändert, auch politische und wirtschaftliche Systeme wechselten sich ab, ebenso wie kulturelle Orientierungen und geopolitische Loyalitäten. Gleichzeitig steht Südosteuropa für einen europäischen Islam und eine historische religiöse Vielfalt, die in Europa ihresgleichen sucht.

„Südosteuropa ist eine ungemein spannende Region, hier können wir lernen, wie Menschen mit tiefen Umbrüchen und Vielfalt umgehen – im Guten wie im Schlechten“, erklärt Ulf Brunnbauer, Direktor des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg. „Es ist eine europäische Region, in der Probleme des Kontinents wie im Vexierglas hervortreten. Und sie ist mit uns eng verbunden, man muss nur an die vielen Einwanderer aus Südosteuropa in Deutschland denken. Die Geschichte ihrer Herkunftsländer zu kennen, ist gesellschaftlich notwendig.“ Das von John Lampe (University of Maryland), einem der prominentesten Südosteuropahistoriker in den USA, und Ulf Brunnbauer herausgegebene Handbuch soll diese Aufgabe erfüllen.

Auf mehr als 500 Seiten kommen 44 führende Historikerinnen und Historiker aus Nordamerika und Europa, und insbesondere aus Südosteuropa selbst, zu Wort. Sie analysieren zentrale Entwicklungen der Geschichte der Region. Während der Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert liegt und damit auf den Prozessen der Nationsbildung und der Modernisierung, ebenso wie auf den beiden Weltkriegen und dem Kommunismus, werden auch die vormodernen Grundlagen fundiert dargestellt. Der Band bietet ein Panoptikum von Beiträgen, die auf der Forschung der Autorinnen und Autoren beruhen, gleichzeitig aber in einem zugänglichen Stil abgefasst sind. Ziel der Herausgeber war es, einerseits die Breite der regionalen Geschichte zu präsentieren, andererseits auch in die Tiefe zu gehen. Denn zu den faszinierenden Eigenschaften der Region gehört ihre Unterschiedlichkeit – bei geteilten historischen Erbschaften. Das Handbuch bietet somit sowohl einen Einstieg für Novizen der Geschichte Südosteuropas als auch neue Befunde für Expertinnen und Experten.


Mehr Informationen zum Buch auf der Verlagshomepage.

Eine Online-Buchvorstellung mit den beiden Herausgebern organisiert die Graduiertenschule für Ost- Südosteuropastudien für Donnerstag, 10. Dezember, 16 Uhr. ⇒ Zu den Zugangsdaten

John Lampe, Ulf Brunnbauer (Hg.): The Routledge Handbook of Balkan and Southeast European History. London u.a.: Routledge, 2020.

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