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Zwischen Hofberichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit

Dissertationsprojekt von Nadja Springer M.A. über die erstaunlich fortschrittlichen Methoden der Thurn und Taxis-Post Mitte des 19. Jahrhunderts


23. März 2021 | von Thomas Oberst* | Foto © Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv
 

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Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis, geboren 1802 in Regensburg, war seit seinem 25. Lebensjahr bis zu seinem Tod 1871 das Oberhaupt des Hauses Thurn und Taxis – und somit auch Leiter der Thurn und Taxis-Post, bis er diese Einrichtung 1867 an den preußischen Staat verlor. Das Haus Thurn und Taxis hatte seit der frühen Neuzeit die Kaiserliche Reichspost betrieben, mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde die Thurn und Taxis-Post zum Privatunternehmen umgestaltet. Mit dieser Einrichtung beschäftigt sich Nadja Springer M.A. im Rahmen ihrer Dissertation am Lehrstuhl für Europäische Geschichte mit Unterstützung des Fürst Thurn und Taxis Zentralarchivs in Regensburg.


Beim Studieren der archivierten Akten kam sie zu der Erkenntnis, dass die Thurn und Taxis-Post bereits in Zügen Methoden und Strukturen moderner Öffentlichkeitsarbeit aufwies, die für die damalige Zeit untypisch und erstaunlich fortschrittlich waren. Das Ziel ist nun herauszufinden, wo die Thurn und Taxis-Post anzusiedeln ist zwischen traditionellen Kommunikationsformen und reflektierter Öffentlichkeitsarbeit und inwiefern damit das Schicksal des Postunternehmens beeinflusst werden konnte.


Zwar unterhielt die über 150 Jahre alte Einrichtung nicht direkt etwas, das wir heute als Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bezeichnen würden, dennoch bestehen einige Parallelen. So verfügte die Thurn und Taxis-Post bereits über eine hervorragende Vernetzung zwischen dem Sitz des Fürstenhauses in Regensburg, der Postzentrale in Frankfurt am Main und den zahlreichen Postämtern in vielen deutschen Klein- und Mittelstaaten. Durch die schnelle interne Kommunikation waren stets alle Beteiligten auf dem neusten Stand, was für die Mitte des 19. Jahrhunderts alles andere als selbstverständlich war. Zusätzlich war das Fürstenhaus Herausgeber der Ober-Post-Amts-Zeitung, später Frankfurter Postzeitung, mit Redaktion in Frankfurt, was eine ungewöhnliche Schnittstelle zur Öffentlichkeit bot.


Am spannendsten hierbei ist jedoch, dass die Thurn und Taxis-Post schon damals eine frühe Form des Mediamonitoring betrieben hat. Fast wie in einem modernen Pressespiegel wurden Zeitungen, Artikel und andere Schriftstücke gesammelt, in denen es thematisch um die Institution ging. So war es möglich, sich ein Bild zu davon zu machen, wie man in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Ob nicht zuletzt dieses selbstreflektierte Vorgehen aus heutiger Sicht mitverantwortlich dafür gewesen sein könnte, dass sich die Thurn und Taxis-Post als Unternehmen so lange halten konnte, obwohl sie sich einer Vielzahl an Krisen stellen musste, möchte Nadja Springer in ihrer Forschungsarbeit beantworten.


Weiterführende Informationen


Thomas Oberst, Jahrgang 1992, Student im Masterstudiengang  „Geschichte: Europäische Gesellschaften im Wandel“ an der Universität Regensburg unterstützt seit 8. März 2021 den Bereich Kommunikation & Marketing als Praktikant. Dabei berichtet er u. a. über aktuelle Forschungsprojekte am Institut für Geschichte. Bisher in dieser Reihe erschienen: Die Ursprünge der Umweltbewegung in Deutschland

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