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Der individuelle Green-Washing-Effekt in der E-Mobilität

Emotionale Bewertungen von Elektro- und Benzinfahrzeugen


28. Mai 2021

Foto ©iStock.com/Scharfsinn86

Innerhalb der Nachhaltigkeitsdiskussion spielt die Ausweitung der E-Mobilität eine große Rolle. Um die Akzeptanz für nachhaltiges Transportverhalten zu fördern, ist es wichtig, die zugrundeliegenden Einstellungen und ihre korrelierenden Faktoren z.B. hinsichtlich der E-Mobilität zu kennen.


In einer vor kurzem in der Zeitschrift Frontiers in Psychology: Environmental Psychology erschienen Studie untersuchten Wissenschaftler:innen des Institutes für Sportwissenschaft an der Universität Regensburg die affektiven expliziten und impliziten Einstellungen gegenüber Elektroautos bzw. benzinbetriebenen Fahrzeugen und die Beziehung zu weiteren Faktoren, u.a. den Facetten der Achtsamkeit. Insgesamt nahmen an der Studie 165 Studierende teil. Bei der Erfassung der expliziten, das heißt bewussten Einstellungen wurden Bilder beider Auto-Typen fünf Sekunden lang in zufälliger Reihenfolge gezeigt. Die Versuchspersonen mussten ihre Einstellung anhand von drei verschiedenen Fragen auf einer siebenstufigen Skala darlegen. Bei der Untersuchung der impliziten Einstellung, - also einem Urteil, über das sich der Proband nicht bewusst ist - wurde ein sogenanntes affektives Priming-Paradigma verwendet: Dieselben 20 Autos wurden, gefolgt von einem positiven oder negativen Wort, in zufälliger Reihenfolge für 315 ms gezeigt. Die Versuchspersonen wurden aufgefordert, mit Hilfe eines bestimmten Tastendruckes anzugeben, ob das Wort positiv oder negativ war, d.h. sie mussten nicht auf das Bild des Autos, sondern nur auf das Wort – beispielsweise „fröhlich“ – reagieren. Die Idee des affektiven Primings ist dabei, dass bei Autobildern mit übereinstimmender Wertigkeit zum darauffolgenden Wort eine schnellere Reaktion möglich ist als bei nicht übereinstimmenden Wertigkeiten des Autobildes und des Wortes. Darüber hinaus füllten die Versuchspersonen unter anderem einen Fragebogen zur Achtsamkeit aus.


Die Ergebnisse zeigten, dass die E-Autos nur explizit, jedoch nicht implizit positiver als benzinbetriebene Fahrzeuge bewertet wurden. Ein weiteres Ergebnis war, dass bei den Teilnehmer:innen, die ein Auto besaßen, die impliziten Einstellungen mit dem Gesamtwert für Achtsamkeit und der Achtsamkeitsdimension „Nicht-Reagieren“ korrelierten – wer das „Nicht-Reagieren“ praktiziert, kann davon absehen, sofort und impulsiv auf Reize des eigenen inneren Lebens zu reagieren, man wird so nicht von einer Emotion überwältigt. Dahingegen zeigte sich für die Versuchspersonen, die kein Auto besaßen, u.a. ein Zusammenhang mit der Achtsamkeitsdimension „Beschreiben“, das heißt der Fähigkeit, die eigenen Erfahrungen und Geisteshaltungen in Worten auf eine nicht wertende Art und Weise auszudrücken. Die Studie zeigt, dass explizite und implizite Einstellungen gegenüber bestimmten Themen der Nachhaltigkeit nicht übereinstimmen müssen. Ein Grund könnte sein, dass bei expliziten Einstellungen der Effekt der sozialen Erwünschtheit eine große Rolle spielt. Ob es sich tatsächlich um einen „individuellen Green-Washing“ Effekt handelt, sei dahingestellt. Wichtig scheint jedoch zu sein, dass es nicht reicht, Menschen nach ihrer expliziten Einstellung zu Themen der Nachhaltigkeit zu fragen. Leider kann diese Studie aufgrund des korrelativen Charakters nicht beantworten, ob Achtsamkeit ein nachhaltiges Verhalten beeinflussen kann. Sie kann nur einen Hinweis auf einen Zusammenhang geben. Studien, in denen der Effekt einer Achtsamkeitsintervention auf das nachhaltige Verhalten untersucht wird, müssen folgen.



Originalpublikation

Jansen, P., Schroter, F., Hofmann, P., & Rundberg, R. (2021). The individual green-washing effect in e-mobility. Frontiers in Psychology: Environmental Psychology, 12: 594844.
DOI: 10.3389/fpsyg.2021.594844
https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.594844


Ansprechpartnerin für Medien

Prof. Dr. Petra Jansen
Universität Regensburg
Institut für Sportwissenschaft
Telefon 0941 943-2518
E-Mail petra.jansen@ur.de
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