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Regensburger Erklärung für Wildpflanzenschutz abgegeben

Pressemitteilung vom 14.06.2021


„Wie kann der Schutz von Wildpflanzen bis 2030 noch besser gelingen?“ ‒ Diese Frage diskutierten am 29. und 30. April rund 80 Mitwirkende des Vernetzungstreffens Wildpflanzen. Das Treffen wurde auf Initiative des Verbundprojektes WIPs-De von der Universität Regensburg ausgerichtet.
Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Die Gesamtleitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Peter Poschlod und Prof. Dr. Christoph Reisch (Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie der Universität Regensburg).

Die teilnehmenden Fachleute zahlreicher Institutionen und Projekte engagieren sich für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt in Deutschland. Sie sind sich einig: Die Sicherung der biologischen Vielfalt in Deutschland muss von der Projektstruktur in eine dauerhafte Aufgabe überführt werden. Hierfür schlagen sie die Einrichtung eines spezifischen, dauerhaften Fonds „Netzwerk Erhaltung Wildpflanzen“ beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit ausreichender Finanzausstattung vor. Die WIPs-Verbundpartner bringen das Anliegen in der Regensburger Erklärung zum Wildpflanzenschutz in Deutschland zum Ausdruck.

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Die Regensburger Erklärung soll den Grundstein für einen dauerhaften Schutz der Wildblumen in Deutschland legen. © Benjamin Schwarz

Die Regensburger Erklärung zum Wildpflanzenschutz in Deutschland

Wie der jüngste Bericht der „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) und die neuen Roten Listen für Deutschland sehr deutlich zeigen, befinden wir uns derzeit in einer allgemeinen Krise der biologischen Vielfalt. Die bisher ergriffenen Maßnahmen sind offensichtlich bei weitem nicht ausreichend, um die negativen Trends auf globaler, kontinentaler, nationaler und regionaler Ebene aufzuhalten oder gar umzukehren. Eine solche Trendwende ist aber nötig. Sie wird unter anderem von der Nationalen Biodiversitätsstrategie und der Agenda 2030 gefordert. Unter diesen Umständen ist eine Sicherung des vorhandenen Artenbestands mit seiner noch existierenden innerartlichen genetischen Vielfalt ein dringendes Gebot der Stunde. Die Vielfalt der Pflanzen ist die unverzichtbare Basis für alle anderen natürlichen Lebensprozesse und Kreisläufe und insofern von überragender Bedeutung.


Die Herangehensweise nach Prioritätskriterien, wie sie auch das „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ vertritt, hat sich bewährt. Die unterzeichnenden Institutionen engagieren sich für die Erhaltung und Wiederherstellung von Lebensräumen der betreffenden Arten. Sie sammeln genetisch vielfältiges Saatgut aus Wildbeständen und bewahren es in Saatgutbanken dauerhaft auf, betreiben Erhaltungskulturen und bringen Pflanzen zur Stützung und Wiederbelebung wilder Bestände zurück in die Natur. Mit zielgerichteter Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit verankern sie die Thematik in der Bevölkerung. Die Projekte vernetzen sich untereinander und unterstützen sich gegenseitig. Die Sicherung der biologischen Vielfalt in Deutschland ist allerdings keine Projekt-, sondern eine nationale Daueraufgabe. Mit der Ratifizierung der „Konvention über die biologische Vielfalt“ (CBD) samt zugehörigen Vereinbarungen und Protokollen hat die Bundesrepublik Deutschland dies prinzipiell seit langem anerkannt. Neben der projektfinanzierten Forschung und Entwicklung neuer Strategien ist daher vor allem eine dauerhafte, finanziell ausreichend ausgestattete Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen nötig.


Die durchführenden Einrichtungen sind nicht mit den Mitteln ausgestattet, um die Aufgaben auf Dauer aus eigener Kraft zu erfüllen. Daher fordern wir von der Bundesregierung eine dauerhafte und nicht nur befristet projektgebundene Finanzierung dieser dringend nötigen Arbeiten von gesamtstaatlicher Bedeutung. Die in laufenden Projekten des „Bundesprogramms Biologische Vielfalt“ und anderenorts aufgebaute, vielfach vernetzte Fachkompetenz kann nur so dauerhaft für die genannten Ziele gesichert werden. Dies ist mit Mitteln weit unterhalb der Summen möglich, die seit Jahren für die Rettung von Wirtschaftsbetrieben und andere als national bedeutsam angesehene Zwecke verausgabt werden. Ein passendes nationales Konzept kann vorgelegt werden. Auch wenn Naturschutz eigentlich Aufgabe der Länder ist, ist für das national integrierende Ziel der Erhaltung der Pflanzenvielfalt der Bund in der Pflicht. Am Beispiel des DigitalPakt Schule wurde deutlich, dass der Bund durchaus Länderaufgaben finanzieren kann, wenn dies nötig erscheint. Für den Wildpflanzenschutz in Deutschland schlagen wir die Einrichtung eines spezifischen, dauerhaften Fonds „Netzwerk Erhaltung Wildpflanzen“ beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit ausreichender Finanzausstattung vor.

Über das Projekt WIPs-De II

Das Projekt WIPs-De II engagiert sich für die Erhaltung der Pflanzenarten, für die die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. Das sind Arten, die nur in Deutschland vorkommen oder deren Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland liegt.
Ziele des Projektes sind die langfristige Sicherung genetischer Ressourcen als Saatgut und Erhaltungskulturen, die langfristige Stärkung von Populationen am Standort sowie die Ansiedlung an neuen Standorten. Die Grundlage dafür sind Absprachen und Kooperationen mit Behörden und Akteuren in den jeweiligen Regionen. Zudem werden Bildungsmaterialien erstellt, die zusammen mit der Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für die Bedeutung und den Schutz biologischer Vielfalt erweitern sollen.
Der WIPs-De II-Verbund besteht aus den Botanischen Gärten der Universitäten Regensburg, Osnabrück, Potsdam, dem Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin und der Grünen Schule im Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Jeder dieser Partner bringt seine Fachkenntnisse zu einem Aufgabengebiet im Netzwerk ein.


ANSPRECHPARTNER FÜR MEDIEN

Dr. Daniela Listl
Universität Regensburg - Institut für Pflanzenwissenschaften - Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie
Tel.: 0941 943-3124
E-Mail: daniela.listl@ur.de


Projektleitung: Prof. Dr. Peter Poschlod und Prof. Dr. Christoph Reisch (Lehrstuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie)

Projektbearbeitung: Dr. Daniela Listl, Judith Lang, Lina Begemann


Weiterführende Links:
Regensburger Erklärung: https://www.wildpflanzenschutz.uni-osnabrueck.de/presse/

Projekthomepages: https://www.wildpflanzenschutz.uni-osnabrueck.de/
http://www.wildwuchs.uni-mainz.de

WIPs-De II auf den Seiten des BfN 

biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/wildpflanzenschutz-in-deutschland-bundesweites-netzwerk-verstaerkt-seine-anstrengungen-zum-schutz-gefaehrdeter-wildpflanzen.html

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