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Imre Tóth und die Regensburger Wissenschaftsgeschichte

Eine virtuelle Ausstellung feiert das doppelte Jubiläum an der Universität Regensburg


16. Juli 2021

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Professor Dr. Imre Tóth, einer der ungewöhnlichsten und interessantesten Persönlichkeiten der Universität Regensburg, wäre im Dezember dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Der Mathematikhistoriker Tóth, ein jüdischer Rumäne ungarischer Herkunft und Holocaust-Überlebender, verließ in den 1960er Jahren Rumänien, um sich eine Zukunft in Westdeutschland aufzubauen. 1971 wurde er auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Allgemeine Wissenschaftsgeschichte an der Universität Regensburg berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im Sommersemester 1990 innehatte. Und so erinnert die Universität Regensburg 2021 nicht nur an Tóths Geburtstag am 26. Dezember, der sich zum hundertsten Mal jährt, sondern feiert auch das 50-jährige Bestehen des Fachbereichs Wissenschaftsgeschichte in Regensburg.


In enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv hat die Wissenschaftsgeschichte anlässlich dieses Doppel-Jubiläums eine virtuelle Ausstellung über die Anfänge des Fachs an der Universität Regensburg, vor allem aber über das Leben sowie das wissenschaftliche und künstlerische Wirken Professor Imre Tóths konzipiert. Die Ausstellung, die eigentlich als Präsenzveranstaltung geplant war, aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nun jedoch virtuell präsentiert wird, ist ab sofort auf der Homepage der Universitätsbibliothek unter folgender Adresse erreichbar: www.uni-regensburg.de/bibliothek/imretoth. Die Ausstellung zeichnet die Lebensstationen, die Regensburger Jahre sowie das Forschen, Lehren und das künstlerische Schaffen Imre Tóths nach; neben einer Bibliographie und dem Findbuch zum Bestand im Universitätsarchiv erwarten die Besucherinnen und Besucher auch einige der Collagen und Skulpturen Tóths.



Die erste Lebenshälfte Imre Tóths war geprägt durch die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und die restriktiven Lebensumstände in Rumänien zur Zeit des Warschauer Paktes. Als Professor an der Universität Regensburg fand er den Frieden und die Freiheit seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen nachzugehen, vermisste hier jedoch die Atmosphäre einer Metropole. Bereits kurz vor seiner Emeritierung im Jahr 1990 zog der Kosmopolit Tóth, der mindestens acht Sprachen fließend beherrschte, daher nach Paris, wo er seinen Lebensabend verbrachte.

Hier pflegte er seine internationalen Freundschaften und Kontakte weiter, die er sich im Laufe der Jahre aufgebaut hatte, von Siena und Neapel über Paris nach Princeton und darüber hinaus. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde vor allem in der internationalen Fachwelt geschätzt, in Deutschland jedoch fanden seine Publikationen kaum Nachhall. Allen Weggefährten ist Tóth nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als beeindruckende Persönlichkeit und nicht zuletzt als Künstler in Erinnerung geblieben. Die Kunst begleitete ihn ein Leben lang, unter anderem schuf er Collagen und setzte aus Fundstücken Skulpturen zusammen: „Die Kunst bot ihm ein Ventil, um die traumatischen Erfahrungen des Holocausts aufzuarbeiten und eine Möglichkeit, sich den Themen seiner Forschungen von einer anderen Seite zu nähern“, wie es in der Ausstellung heißt. Imre Tóth starb im Mai 2010 in Paris.


Die virtuelle Präsentation mit dem Titel „Ein Leben zwischen Kunst und Wissenschaft. Imre Tóth (1921-2010)“ ist zeitlich uneingeschränkt zu sehen. Sie fußt auf einem Sammelband mit Erinnerungen von Zeitzeug:innen an Professor Tóth und die Geschichte des Fachbereichs Wissenschaftsgeschichte an der Universität Regensburg, der im August 2021 im Universitätsverlag Regensburg erscheinen wird: Andreas Becker und Christian Reiß (Hrsg.): Imre Tóth (1921–2010) und die Institutionalisierung der Wissenschaftsgeschichte an der Universität Regensburg, Universitätsverlag Regensburg.


Weiterführende Links


Ansprechpartner für die Medien

Dr. Andreas Becker
Universität Regensburg
Universitätsarchiv
Telefon 0941 943-5384
E-Mail andreas.becker@ur.de

Dr. Christian Reiß
Universität Regensburg
Professur für Wissenschaftsgeschichte
Telefon 0941 943-3642
E-Mail christian.reiss@ur.de

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