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Ameisen mögen keine Überraschungen

Regensburger Biologen untersuchen Erwartungshaltung bei Ameisen


Pressemitteilung vom 5. September 2018
Erwartungen prägen unser Leben und Überraschungen sind uns oft unangenehm. Auch Ameisen empfinden unerwartete Dinge als unangenehm. Das haben Felix Oberhauser und Dr. Tomer Czaczkes, beide vom Animal Comparative Economics Laboratory am Lehrstuhl für Zoologie/Evolutionsbiologie der Universität Regensburg, herausgefunden. Die Ergebnisse bestärken ähnliche Erkenntnisse aus der Konsumentenpsychologie beim Menschen. Sie legen nahe, dass wir durch das Studium der Ameisen auch wertvolle Erkenntnisse über menschliches Verhalten erfahren.

Wir alle haben Erwartungen in unserem täglichen Leben. Sie sind das Resultat unserer Erfahrung: so erwarten wir, z. B. dass unser Kaffee genauso schmeckt wie gestern und eine Komödie uns zum Lachen bringt. Diskrepanzen missfallen uns: wenn unser Kaffee plötzlich zu süß oder eine Komödie traurig ist, sind wir enttäuscht, auch wenn beide objektiv betrachtet gut wären. Daher können Erwartungen beeinflussen, was uns gefällt. Konsumentenpsychologen wissen das schon seit Jahrzehnten und deshalb weckt bereits eine Verpackung bestimmte Erwartungen in uns.

Die Regensburger Biologen haben nun untersucht, ob Ameisen, wie wir, Überraschungen als unangenehm empfinden. Dazu präsentierten sie Ameisen Zuckerwasser, das entweder mit einem erwarteten oder unerwarteten (aber gleich gemochten) Geschmack versehen war. „Offensichtlich können wir mit Ameisen nicht sprechen und ihnen sagen, welchen Geschmack ihr Futter haben wird”, so Felix Oberhauser, der die Studie durchführte. „Stattdessen brachten wir ihnen bei, dass sie ein mit Zitronen- oder Rosmaringeschmack versetztes Zuckerwasser an einer gewissen Stelle finden, um so eine Erwartungshaltung aufzubauen. Nach drei Besuchen bei diesem Futter tauschten wir den Geschmack. Danach konnten wir feststellen, dass Ameisen, die nicht den erwarteten Geschmack bekamen, das Futter weniger mochten. Und das, obwohl wir die Zuckerkonzentration nicht veränderten.”

Doch woher weiß man, dass Ameisen ein bestimmtes Futter weniger mögen? „Ameisen informieren sich gegenseitig über gute Futterquellen durch das Legen chemischer Signale – Pheromone, die die anderen riechen können”, erläutert Dr. Tomer Czaczkes, der die Studie leitete. „Wenn wir zählen, wie oft die Ameisen Pheromone legen und registrieren, wie sehr sie das Futter annehmen, können wir wertvolle Einsichten in die Wahrnehmung der Ameisen bekommen.”

Die Wissenschaftler zeigen somit, dass Ameisen nicht nur mit einem bestimmten Geschmack des Futters rechnen, sondern das Futter auch weniger mögen, wenn es von ihren Erwartungen abweicht. Diese Erkenntnisse können helfen, eine blütenbestäuberfreundliche Landwirtschaft zu entwerfen und zeigen, dass das Beobachten von Ameisen auch zum Verständnis von menschlichem Verhalten beitragen kann.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift „Biology Letters“ veröffentlicht:
Oberhauser, F.B., Czaczkes, T.J. (2018) Tasting the unexpected: disconfirmation of expectations leads to lower perceived food value in an invertebrate. Biology Letters
DOI: http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2018.0440

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Ameise legt chemische Signale (Pheromone), um ihre Artgenossen über Futterquellen zu informieren. © Julia Giehr/Animal Comparative Economics Laboratory


Ansprechpartner für Medienvertreter:

Felix Oberhauser
am Lehrstuhl für Zoologie/Evolutionsbiologie
Universität Regensburg
Telefon 0941 943-3356
E-Mail: felix.oberhauser@ur.de

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