Zu Hauptinhalt springen
Startseite UR

Patho-logisch. Wenn Medizin zum Krimi wird

Rückblick auf einen Abend mit wohligem Grusel – und Wein


19. November 2018 | Margit Scheid

Ein Pathologe, ein Autor und ein Winzer laden gemeinsam zu einem Krimiabend mit Weinprobe und Präparat-Ausstellung ein. Was sich anhört wie der Anfang eines umständlichen Witzes, war tatsächlich der Beginn eines sehr unterhaltsamen und gut besuchten Abends im Hörsaal A2 des Regensburger Universitätsklinikums.

Unter dem Titel „Patho-logisch! Wenn Medizin zum Krimi wird“ gaben Professor Dr. Christoph Brochhausen-Delius (der Pathologe) und Dr. Andreas Wagner (Krimiautor und Winzer in Personalunion) Einblick in ihre „Handwerke“. Kennengelernt hatte sich das ungewöhnliche Gespann im Wagner'schen Weingut, zu einer Zeit als Professor Brochhausen-Delius an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz tätig war. 2014 fand dort, in Mainz, die erste gemeinsame Veranstaltung statt. Seit Februar 2018 hat Brochhausen-Delius eine Professur für Pathologie an der Universität Regensburg inne und so hat er den medizinischen Krimiabend kurzerhand in die Oberpfalz transferiert. Das Wagnis ist den beiden Hessen geglückt, der Abend war ausverkauft, der Hörsaal mit seinen rund 300 Plätzen entsprechend voll und das Publikum begeistert – das zeigte nicht zuletzt der langanhaltende Schlussapplaus.



Weinkostproben begleiten die Regionalkrimis im Winzer-Millieu

Der Pathologe und der Autor unterhielten das Auditorium abwechselnd mit Vorträgen aus der wissenschaftlichen Arbeit und kurzen Lesungen aus den Regionalkrimis, die bei Andreas Wagner immer im Winzer-Millieu spielen. Passend zu den Winzer-Morden gab es über den Abend verteilt Kostproben aus dem Weingut Wagner. Einblicke in das Fachgebiet von Professor Brochhausen-Delius wurden im Foyer des Hörsaals gewährt, wo Präparate des Instituts für Pathologie durch Mikroskope bestaunt werden konnten.

Kurzweil und Erkenntnisgewinn

Der Abend hielt aus meiner Sicht gut die Balance zwischen erträglichem Grusel, hervorgerufen durch die detailliert geschilderten Morde aus Wagners Regionalkrimis ebenso wie durch die Details aus Brochhausen-Delius' Berufsalltag, und wohliger Heiterkeit, die vor allem dem trockenen Humor der beiden Protagonisten zu verdanken war. Neben aller Kurzweil ging es dabei jedoch auch um Erkenntnisgewinn. Auf der einen Seite erfuhr man von Andreas Wagner etwas über Wein im Allgemeinen und seinen Wein im Besonderen. Zum anderen war es Christoph Brochhausen-Delius ein Anliegen, den Irrtum zu berichtigen, Pathologen würden sich nur mit Leichen beschäftigen. Tatsächlich, so der Professor, sei die Pathologie für die Lebenden da, es gehe darum Krankheiten zu finden, zu erforschen und wirkungsvolle Therapiemöglichkeiten zu ermitteln.

"Dieser Mann war wirklich krank"

Das wirklich Überraschende an der Veranstaltung war für mich, dass ich im Nachhinein nicht zu sagen weiß, was nun eigentlich reizvoller war: Die Auszüge aus den Kriminalromanen, die Anekdoten aus der über 300-jährigen Familiengeschichte der Winzerdynastie Wagner oder die Schilderungen aus dem Arbeitsalltag des Pathologen. Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas weiß Prof. Dr. Brochhausen-Delius zu unterhalten und schafft es mit seiner ungezwungenen Art, dass ein ganzer Hörsaal an seinen Lippen hängt. Außerdem gelingt es ihm meisterhaft der ein oder anderen Power-Point-Folie voller kryptischer Fachausdrücke und verwirrender Laborwerte den Schrecken zu nehmen, etwa, wenn er den komplizierten Inhalt mit den Worten zusammenfasst: „Machen Sie sich keinen Kopf, das müssen sie nicht alles verstehen, nur soviel: Dieser Mann war wirklich krank.“

Zum Trost für alle, die nicht dabei sein konnten, und als Hoffnung für jene, für die der Abend viel zu schnell vorüber war: Für Februar plant Prof. Dr. Brochhausen-Delius schon den nächsten pathologisch-kriminellen Vortragsabend, dann mit dem Autor Peter Jackob und mit dem Untertitel "Vom Experimentaltisch an der Themse zum Seziertisch an die Donau".

Weiterführende Links:

  1. Startseite

Media Relations & Communications

 

Anschnitt Sommer Ar- 35_