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„Rotkäppchen ist eine Mörderin!“

Jurastudierende verhandeln fiktiven Fall beim 3. Märchen Moot Court im Strafrecht an der UR


23. Januar 2019 | von Katrin Groß

Es war einmal ein junges Mädchen mit einer roten Kappe, das seine Großmutter besuchen wollte … Diese Geschichte kennen wir alle von klein auf und wir alle wissen, wie sie ausgeht: Sie trifft auf den bösen Wolf, der erst die Großmutter, dann das Mädchen selbst auffrisst. Erst als der Jäger kommt, beide aus dem Bauch schneidet und mit Hilfe des Mädchens den Bauch des Wolfs mit Steinen füllt und wiederzunäht, kommt es zum Happy End. Aber was hat dieses Märchen aus unseren Kindertagen mit einem Studium der Rechtswissenschaft von heute zu tun?

Bereits zum dritten Mal veranstalteten die studentische Vereinigung ELSA (The European Law Students' Association) und REGINA (REGensburger Individuelles und Nachhaltiges Ausbildungszentrum) den Märchen Moot Court. In Moot Courts werden fiktive Fälle vor Publikum verhandelt, in denen Studierende die Aufgaben der Staatsanwaltschaft und Verteidigung übernehmen und von einer fachkundigen Jury im Anschluss bewertet werden. Hier können angehende Juristen ihre Fachkenntnisse anwenden und Rhetorik, Souveränität und Vernehmungsgeschick üben, noch bevor es im Gerichtssaal für sie ernst wird. Beim Märchen Moot Court an der Universität Regensburg werden uns allen bekannte Geschichten aus der Kindheit strafrechtlich aufgearbeitet. Und so verhandelten am 10. Januar 2019 vier Studierende die Gerichtsbarkeit der Protagonisten aus Grimms „Rotkäppchen“.


Maerchen Moot Court-01


Rotkäppchen ist doch die Gute?

Doch beim Märchen Moot Court wurde nicht etwa der böse Wolf angeklagt, denn, wie Organisator Johannes Weber erklärte, „können Tote ja nicht bestraft werden“. Der Jäger und Rotkäppchen selbst standen vor dem hohen Gericht, das von Strafverteidiger und Honorarprofessor Prof. Dr. Jan Bockemühl, Dipl. jur. Tanja Feichtlbauer (Gewinnerin des 1. Märchen Moot Courts) und ELSA-Mitglied Laura Menter vertreten wurde.

In Zweierteams untersuchten vier Studentinnen und Studenten die Strafbarkeit des Jägers und die Frage, ob Rotkäppchen – wie wir es als Kinder gelernt haben – wirklich die Gute ist und sie korrekt gehandelt hat oder doch Straftäterin ist. Beide Parteien konnten sich dabei umfassend mit Ermittlungsbericht, rechtsmedizinischem Gutachten und Vernehmungsprotokollen der Angeklagten und Zeugen auf die Veranstaltung vorbereiten.

Nach einer Einführung für die Zuschauer wurde die Verhandlung in der Strafsache gegen Rotkäppchen und den Jäger eröffnet. Christina Fichtner und Laura-Katharina Heide Effner übernahmen die Rolle der Staatsanwältinnen, die jeweils die junge Frau und den Mann wegen heimtückischen Mordes in Mittäterschaft anklagt hatten. Die Verteidigung wurde von Georg Freiss und Jonas Neudecker übernommen, die aufgrund der „dauerhaft ausgehenden Gefahr für ihr Leben“ durch den bösen Wolf Freisprüche für ihre Mandanten forderten.

Zu einer richtigen Verhandlung gehört selbstverständlich auch die Vernehmung von Zeugen zur Urteilsfindung – und an diesem Abend auch zur Unterhaltung des Publikums. Drei Schauspieler verkörperten Dr. Hacke-Beil, Bruno Bär sowie die Großmutter, die mit ihren Aussagen zur Aufklärung des Falls sowie durch ihre Darbietungen auch für einige Lacher bei den Zuschauern sorgten.


Moot-court Mixed

© Friederike Hartwein (REGINA), Johanna Buhl (ELSA)


Mit Ende der Befragungen wurde auch die Beweisaufnahme geschlossen und die Plädoyers wurden gehalten. Während die Staatsanwaltschaft verkündete „Rotkäppchen ist eine Mörderin“ und für beide Angeklagten lebenslange Haft forderte, plädierte die Verteidigung aufgrund der Gefahrenlage auf Freispruch. Nachdem das hohe Gericht sich beraten hatte, wurde das Publikum – wie vor Gericht üblich – gebeten, zur Urteilsverkündung aufzustehen: Freispruch für Rotkäppchen und eine Verurteilung wegen Totschlags und zu 13 Jahren Haft für den Jäger.

Nach der Verhandlung lobte Prof. Dr. Bockemühl die hohe Qualität, insbesondere die Plädoyers hätten die Jury „vom Hocker gerissen“. Letztendlich hat mit einem kleinen Vorsprung das Team Staatsanwaltschaft den Moot Court gewonnen. Als Fazit der Veranstaltung konnte das Publikum neben anspruchsvollen Argumentationen und einem detailliert aufgearbeiteten Fall, auch einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend genießen. Und am Ende konnten alle mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, denn Johannes Weber schloss die Veranstaltung mit der beruhigenden Erkenntnis, dass wir jetzt auch die offizielle Bestätigung haben: „Rotkäppchen ist die Gute!“



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