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Strukturen der Vernichtung

Ausstellungseröffnung in Flossenbürg


26. Juli 2019 | von Jan Kleine

Der Präsident der Universität Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, und der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, haben gemeinsam die Ausstellung „Strukturen der Vernichtung“ eröffnet.


Die Zusammenarbeit zwischen Universität und KZ-Gedenkstätte ist vor knapp einem Jahr offiziell in einem Kooperationsvertrag besiegelt worden und ist in ihrer Art einzigartig in Deutschland. „Die Zusammenarbeit entwickelt sich ganz hervorragend und ist Ausweis unserer erinnerungsbewussten und zukunftsorientierten Verantwortung“, so Prof. Dr. Udo Hebel.

Fotos © Christine Junglas; KZ-Gedenkstätte Flossenbürg


Nach jahrzehntelangem Leerstand macht die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg das ehemalige Verwaltungsgebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt) auf dem Areal des früheren KZ-Steinbruchs erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Als Pop-up-Projekt werden hier ab dem 23. Juli 2019 aktuelle Fotografien des Münchner Fotografen Rainer Viertlböck gezeigt. Seit Jahren setzt sich Viertlböck in seinem Werk „Strukturen der Vernichtung“ europaweit intensiv und systematisch mit sämtlichen Orten der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager auseinander. Mit der ersten Ausstellung innerhalb dieser Thematik begibt er sich auf Spurensuche nach den annähernd 80 Außenlagern des KZ Flossenbürg.


Auch wenn sich an den Orten in Bayern, Böhmen und Sachsen heute zum Teil noch Überreste der damaligen Lagerstrukturen identifizieren lassen, sind sie meist nicht mehr als Teil der Zwangsarbeits- und Vernichtungsmaschinerie im öffentlichen Bewusstsein. Die Ausstellung macht diese Orte kenntlich und dokumentiert die Präsenz des damaligen Systems der Konzentrations- und Außenlager im Alltag. Das Spektrum der gezeigten Orte reicht von weiterhin genutzten Fabrikgeländen und Betrieben bis hin zu Verwaltungsbauten und Schlössern oder auch Überbauungen mit Parkhäusern, Wohngebäuden und Supermärkten. Die Fotografien dokumentieren eindrucksvoll die heutigen Orte mit ihren jetzigen Nutzungen und geben so ein aktuelles Bild vom Umgang mit der Vergangenheit.
Durch die Präsentation der vielen alltäglichen Orte der Außenlager zusammen mit den bekannten Lagern wird ein Bewusstsein für die Omnipräsenz des Lagersystems und die weit verzweigten Strukturen der Verfolgung und Vernichtung geschaffen. Die Ausstellung tritt gleichzeitig in einen Dialog mit dem historischen Ort des Verwaltungsgebäudes der DESt. Das Bauwerk steht exemplarisch für die offenen Fragen zum jetzigen und künftigen Umgang mit all diesen Orten von Zwangsarbeit und Vernichtung.

Fotos © Christine Junglas; KZ-Gedenkstätte Flossenbürg


Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, über die Zukunft des ehemaligen DESt-Gebäudes: „Mit dieser Kunstausstellung im ehemaligen DESt-Gebäude betreten wir völliges Neuland. Wir thematisieren seine Geschichte und Zukunft und öffnen mit der Ausstellung von Rainer Viertlböck Fenster in die Potentiale einer künftigen Nutzung.“


Der Fotograf

Rainer Viertlböck widmet seine Arbeit zu gleichen Teilen den Licht- und Schattenseiten der globalisierten Welt und fotografiert Architektur, Stadträume und Landschaft. Seine Fotoserien behandeln Themen wie die Bunkeranlagen des Atlantik Walls, stillgelegte Industriebrachen, Behausungen von Flüchtlingen in Südspanien und die Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes. Im Kontrast dazu fotografiert Rainer Viertlböck Architekturen wie das Lebenswerk des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jah, oder Stadtportraits wie “Der Neue Blick auf München” und „Roma“. Sein Werk wurde vielfach in Einzelausstellungen, mit Preisen, Büchern und Publikationen gewürdigt.


Das Ausstellungsgebäude

Die Ausstellung „Strukturen der Vernichtung“ findet im 1940 errichteten Verwaltungsbau des SS-eigenen Betriebs „Deutsche Erd- und Steinwerke (DESt)“ statt. Das Gebäude gehörte zur Verwaltung des SS-Wirtschaftsbetriebes, welcher die ausbeuterische und mörderische Zwangsarbeit im Steinbruch des Konzentrationslagers organsierte. Die Raumstruktur ist fast vollständig erhalten und spiegelt die Funktion als Schnittstelle zwischen SS-Wirtschaftsbetrieben, SS-Angehörigen und zivilen Angestellten in den Deutschen Erd- und Steinwerken wider. Das Gebäude, das zwischen dem Steinbruchgelände und dem früheren Konzentrationslagerareal liegt, wurde nach 1945 viele Jahrzehnte als Wohn- und Verwaltungsgebäude sowie gastronomischer Betrieb und Kino nachgenutzt. Seit Mitte der 1990er Jahre steht das Bauwerk leer. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten/KZ-Gedenkstätte Flossenbürg plant, das Gebäude in naher Zukunft vom Freistaat Bayern zu übernehmen. Es soll künftig als Wissenschafts-, Akademie-, Ausstellungs-, Projekt- und Forschungsraum zur Verfügung stehen und vor allem in Kooperation mit der Universität Regensburg genutzt werden.

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