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Genuss im Alltag

Selbsthilfe-Übung 4: „Kleine Dinge im Alltag genießen“ (30.03.2020)

von Otto Decker

Unser Leben ist in der heutigen Zeit oft geprägt von Leistungsanforderungen und Stress. Zeitdruck, eine Vielzahl an Dingen, die zu erledigen sind und Probleme, die uns beschäftigen, zehren an unseren eigenen Ressourcen. Umso wichtiger ist es, einen Ausgleich für diese Belastungen zu schaffen. Kleine Dinge im Alltag zu genießen, kann uns dabei helfen. Gerade in Zeiten wie der Corona Maßnahmen, die für uns mit zusätzlichen Einschränkungen verbunden sind, können Sie trotzdem auf den Genuss kleiner Dinge in Ihrem Alltag zurückgreifen Finden Sie für sich heraus, welche Dinge Ihnen besonders gut tun und mit positiven Erfahrungen verbunden sind — Lernen Sie diese zu genießen!

 

Wir möchten Ihnen dazu einige hilfreiche Empfehlungen an die Hand geben:

 

“Die kleine Schule des Genießens“

  • Gönne dir Genuss: Haben Sie kein schlechtes Gewissen oder Hemmungen sich selbst etwas Gutes zu tun. Es steht Ihnen zu und es gibt keinen Grund sich Genuss, der einem nachhaltig gut tut, zu verbieten.
  • Nimm dir Zeit zum Genießen: Genuss geht nicht unter Zeitdruck – aber oft genügt schon ein Augenblick.
  • Genieße bewusst: Um Genuss zu erleben müssen Sie andere Tätigkeiten ausschalten und sich ganz auf diesen besinnen. Genuss geht nicht nebenbei. Das ständige Denken an zukünftige oder zurückliegende Aufgaben verstellt oft den Blick für das Angenehme. Genuss findet in der Gegenwart statt.
  • Schule deine Sinne für Genuss: Genießen setzt eine fein differenzierte Sinneswahrnehmung voraus, die sich durch Erfahrung gebildet hat. Beim Genießen kommt es auf das Wahrnehmen von Nuancen an. Es gilt hier, die eigenen Sinne zu schärfen.
  • Genieße auf deine eigene Art: Genuss bedeutet für jeden etwas anderes. Hier kommt es darauf an, herauszufinden, was einem gut tut und – genauso wichtig – was einem nicht gut tut und was einem wann gut tut.
  • Genieße lieber wenig, aber richtig: Mehr konsumieren bedeutet nicht mehr genießen. Nicht die Menge sondern die Qualität ist für Genuss entscheidend.
  • Planen schafft Vorfreude: Im Alltag wird es oft nötig sein, angenehme Erlebnisse zu planen, d. h. die Zeit dafür einzuteilen, die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen, Verabredungen zu vereinbaren usw. Das hat den zusätzlichen angenehmen Effekt, dass Sie sich auf das bevorstehende angenehme Ereignis schon länger vorher freuen können.
  • Genieße die kleinen Dinge des Alltags: Genuss ist nicht immer zwangsläufig etwas ganz Außerordentliches. Nicht wenige Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten. Es gilt, Genuss im normalen Alltag zu finden – in kleinen Begebenheiten und alltäglichen Verrichtungen. Wer sich selbst im Alltag innerlich dafür offen hält, kann eine Vielzahl von Quellen für angenehme Erlebnisse gerade auch im alltäglichen Leben entdecken. Alltägliche Dinge einmal aus einer anderen, nicht zweckbestimmten Warte wahrzunehmen, kann unerwartete Genüsse bescheren.

(modifiziert nach Kaluza, 2018)

 

„Kleines Genusstraining“

Planen Sie heute eine kurze Übung ein, bei der es darum geht, eine bewusste und differenzierte sinnliche Wahrnehmung alltäglicher Gegenstände zu trainieren, um damit verbundene positive innere Bilder und Erinnerungen wachzurufen und so einen Zugang zu genussvollem, angenehmem Erleben zu finden. Besonders geeignet sind Gegenstände die Geruchs- oder/und Tastsinn anregen, da diese Sinne erfahrungsgemäß unmittelbar mit emotionalen Reaktionen verknüpft sind.

 

Nehmen Sie sich bewusst Zeit für eine kleine Übung (ca. 15 Minuten). Nehmen Sie sich eine Orange, einen Apfel, eine Erdbeere oder anderes duftendes Obst zur Hand, das Sie auch gerne zerteilen können. Lassen Sie sich ohne viel Nachdenken auf die Übung ein, auch wenn sie Ihnen ungewohnt erscheint. Konzentrieren Sie sich dabei ausschließlich auf angenehme Empfindungen:

  • Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz auf den augenblicklichen Geruch. Nur dieser ist im Augenblick wichtig. Wenn Sie möchten, dann schließen Sie die Augen.
  • Spüren Sie den angenehmen Geruch in Ihrer Nase? Ziehen Sie den Duft ganz bewusst mit Ihrer Nase ein und erlauben Sie sich, diesen angenehmen Duft zu genießen. Lassen Sie sich Zeit dabei.
  • Vielleicht tauchen vor Ihrem inneren Auge schöne Bilder oder Erinnerungen auf. Lassen Sie auch dafür Platz und genießen Sie die angenehmen Gefühle, die damit verbunden sind.
  • Achten Sie bitte auch darauf, wann Sie ‚die Nase voll haben‘, wann Sie den Gegenstand ausreichend lange beschnuppert haben. Verabschieden Sie sich dann allmählich vom Duft des Gegenstands. Kehren Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit allmählich zurück, strecken und räkeln Sie sich und öffnen Sie dann bitte die Augen.

 

Beim nächsten Mal können Sie die Genussübung auch mit Ihrem Tastsinn durchführen (Denken Sie daran - Genieße lieber wenig, aber richtig. Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor. Überfordern Sie sich nicht. Versuchen Sie heute lieber einen Gegenstand intensiv zu erfahren als viele nur oberflächlich). Nehmen Sie z.B. einen Wattebausch, eine Stück Stoff oder aber auch einen Stein oder ein Stück Holz in die Hand:

  • Probieren Sie aus, wie sich der Gegenstand anfühlt, wenn Sie ihn betasten. Vielleicht entdecken Sie Altbekanntes wieder, gehen Sie auch auf Neues zu. Lassen Sie sich Zeit. Tauchen angenehme Bilder oder schöne Erinnerungen auf, so lassen Sie diese ruhig zu.
  • Achten Sie auf Nuancen, aber gehen Sie nicht ins allerletzte Detail - das ist nicht nötig. Beenden Sie die Übung, wenn es Ihnen richtig erscheint.

 

 

„Genieße die kleinen Dinge des Alltags“

Ihnen fallen sicher noch andere Dinge ein, mit denen Sie Genießen üben können oder die Ihnen Genuss bereiten. Achten Sie in der nächsten Woche darauf, welche Dinge dies sind. Nicht nur Gegenstände, sondern auch alltägliche kleine Ereignisse können dabei Genuss bereiten und positive Gedanken und Erinnerungen auslösen. Halten Sie diese Augenblicke für sich fest, indem Sie sie in Ihr „Genusstagebuch“ eintragen (zum download hier klicken). So können Sie auch später auf Ihre eigenen schönen Erinnerungen und Genussmomente zurückgreifen.

 

Zum Download:

Genusstagebuch (zum downloaden hier klicken)


  1. Institut für Psychologie
  2. Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie