Zu Hauptinhalt springen
Startseite UR

Achtung - Literatur!

Ein literarisches Quartett mit Lehrenden und Studierenden

Im Nachgang zu den Leipziger und Frankfurter Buchmessen stellen Studierende und Lehrende der Universität Regensburg jeweils im April und im Oktober Bücher vor und sprechen über sie: über ihre Geschichten, Hintergründe und ihre Sprache.

Die Bücher gehören überwiegend zu den aktuellen Programmen der Verlage, können aber auch wiedergelesene und wiederentdeckte ältere Werke sein. Belletristisches steht im Vordergrund, wichtige Sachbücher können auch dabei sein.

An jedem Diskussionsabend geht es um vier Bücher, die vorab bekannt gegeben und in der Gesprächsrunde vorgestellt werden. Mitlesende, Mitdiskutierende und Zuhörer sind herzlich willkommen! 

Sie studieren an der Universität Regensburg und haben Interesse, in einer der künftigen Diskussionsrunden selbst ein Buch vorzustellen und mitzudiskutieren? Dann bewerben Sie sich jederzeit per E-Mail anachtung.literatur[at]ur.de

Veranstalter: 
Prof. Dr. Michael Heese und Prof. Dr. Tonio Walter, Fakultät für Rechtswissenschaft, Universität Regensburg



Achtung Literatur Ii Kl

Einladung zur zweiten Runde am 18. Oktober 2018, 18.00–19.30 Uhr, Haus der Begegnung

Gelesen und besprochen werden diesmal:

1. „Moonglow“ von Michael Chabon (vorgestellt von Prof. Dr. Michael Heese)
2. Leere Herzen" von Juli Zeh (vorgestellt von stud. iur Daniela Kuhn) 
3. 
„Letztes Lied einer vergangenen Welt“ von Anthony Marra (vorgestellt von Prof. Dr. Ursula Regener)
4. „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig (vorgestellt von Prof. Dr. Tonio Walter).

Sie studieren an der Universität Regensburg und haben Interesse, selbst einmal Buch vorzustellen und mitzudiskutieren? Dann bewerben Sie sich JEDERZEIT per E-Mail anachtung.literatur[at]ur.de


Pustet Logo

Achtung - Literatur! wird gefördert durch Bücher Pustet

Die Veranstaltung Achtung - Literatur! wird freundlicherweise durch Bücher Pustet gefördert. Bücher Pustet stellt einem Studierenden, der an der Veranstaltung bereit ist mitzuwirken, das jeweilige Bücherpaket des Veranstaltungsabends kostenfrei zur Verfügung. Sie sehen also: Mitmachen lohnt sich!


Veranstaltungsort: Vortragsraum im Haus der Begegnung

Die Literaturabende finden nicht an der Universität statt, sondern in der Altstadt. Das Ambiente im Haus der Begegnung, Hinter der Grieb bietet den Diskutierenden und allen interessierten Zuhörern einen ansprechenden Rahmen, um, anders als in den typischen Vorlesungsräumen, ungezwungen - und vielleicht auch bei einem Glas Wein - in die Literatur einzutauchen. Probieren Sie es doch einmal aus! 

Haus Der Begegnung Kl































 Foto: UR Referat II/2 Alexander Woiton  


Archiv: Rückblick auf vergangene Veranstaltungen

 


april 2018

Auftaktveranstaltung am 12. April 2018 - ein voller Erfolg!

Mit von der Partie waren: Stud. med. Julius Friedmann, Prof. Dr. Michael Heese, Prof. Dr. Ursula Regener und Prof. Dr. Tonio Walter  

Der Vortragsraum im Haus der Begegnung war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Veranstalter durften sich über eine Reihe positiver Rückmeldungen freuen. Sie danken allen die gekommen sind und allen die mitdiskutiert haben! 

Michael Basche hat ein paar Eindrücke festgehalten: 

Regener

Buch 3 Tyll

"Tyll" von Daniel Kehlmann
vorgestellt von Prof. Dr. Ursula Regener

 

Heese

Buch 2 Spufford "Neu York" von Francis Spufford
vorgestellt von Prof. Dr. Michael Heese 
-Costa Book Award 2016, Ondaatje Prize 2017, 
Desmond Elliott Prize for New Fiction 2018

 

Francis Spufford – Neu York

Francis Spufford ist Engländer, Jahrgang 1964. Er hat Englische Literatur studiert, viele Jahre als Verlagslektor gearbeitet und an einem Londoner College Creative Writing unterrichtet. Nebenbei ist Spufford ein vielfach ausgezeichneter Sachbuchautor, der 2016 mit „Neu York“ seinen Erstlingsroman vorgelegt hat. Das Buch ist preisgekrönt – dreifach: Ausgezeichnet mit dem Costa Book Award, dem Ondaatje Prize und soeben mit dem Desmond Elliott Prize, dem – wenn man dem Daily Telegraph glauben kann – „most prestigious award for first-time novelists“. Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1746 unter der Regentschaft von König Georg II von England (der bekanntlich als Prinz Georg August im Schloss Herrenhausen bei Hannover geboren wurde). Der Protagonist der Erzählung, ein 24jähriger Engländer, der uns als Richard Smith vorgestellt wird, reist von London nach Neu York, in den Taschen einen Wechsel über die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 1000 Pfund Sterling. Smith muss sich allerdings gedulden bis er den Wechsel einlösen kann. Zum einen ist der Wechsel erst in 60 Tagen fällig und zum anderen will der Wechselschuldner, ein angesehener Kaufmann, erst sicher gehen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Smith selbst gibt sich in den folgenden Monaten des Wartens alle Mühe, den „launenhaften, unberechenbaren Fremden“ zu geben. Das muss er auch, denn er ist tatsächlich in geheimem Auftrag unterwegs und er zieht mit seiner Anwesenheit umgehend die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt auf sich.

Wie muss man sich New York im Jahr 1746 vorstellen? Neu York ist eine Siedlung auf der Insel Manhatten. Manahatta, „hügeliges Land“, unter diesem Namen hatten die Lenape-Indianer die Insel ursprünglich besiedelt. 1626 kaufte ihnen der Seefahrer Peter Minuit das Eiland für Waren im Wert von 60 niederländischen Gulden ab. Nach anfänglicher niederländischer Besiedlung („Nieuw Amsterdam“) eroberten die Engländer die Stadt im Jahr 1664 und benannten sie nach dem Herzog von York in „Newe York“ um. Im Jahr der Handlung des Buchs, 1746, sind die niederländischen Einflüsse noch deutlich sichtbar, ebenso wie die gegenwärtigen Konflikte zwischen England und Frankreich, die sich in den amerikanischen Kolonien fortsetzen. Die Stadt ist Schauplatz von Sklavenhaltung und Rassendiskriminierung; erst vor wenigen Jahren hatte man der schwarzen Bevölkerung Brandstiftung in die Schuhe geschoben und afrikanische Sklaven lebendig verbrannt und öffentlich gequält. In naher Zukunft, in weiteren dreißig Jahren, wird sich die Stadt aktiv an der Unabhängigkeitsbewegung beteiligten und zum Schauplatz von Kriegshandlungen zwischen britischen Soldaten und Freiheitskämpfern werden, der legendären Schlacht von Golden Hill. Und nach diesem „Goldenen Hügel“, der einst höchsten Stelle an der Spitze der Insel, die ihren Namen dem damals dort angebauten Getreide verdankt, hat Spufford seinen Roman im Original benannt. Neu York hat mit der uns bekannten Weltmetropole also noch längst nichts zu tun. 1746 hatte die Stadt gerade einmal 7.000 Einwohner und war ein Provinznest, in dem Arm und Reich dicht an dicht leben und Kühe auf dem Broadway grasen.

Die Handlung beginnt mit dem „Papsttag“, einem Feiertag aus Anlass des verhinderten Attentats auf den protestantischen König Jakob I von England, dem legendären Gunpowder Plot des Jahres 1605, wo der Fremde von einem betrunkenen Mopp gejagt und beinahe umgebracht wird. Die Stadtbewohner geben sich in der Folgezeit wilden Spekulationen über die Person des Fremden hin: Steht er im Dienst der Franzosen, gegen die die Engländer in Allianz mit den Indianern kämpfen? Oder soll Smith Einfluss auf die Machtverhältnisse innerhalb der Kolonie nehmen? Steht er vielleicht auf Seiten des Provinzgouverneurs (das ist der königliche Vertreter in der Kolonie, der seine politischen Ziele nur durchsetzen und seine Wiederwahl nur sichern kann, wenn er über ausreichend Mittel verfügt, um Mitglieder der Versammlung der kolonialen Repräsentanten zu bestechen)? Ist Smith ein Schauspieler, ein „Sarazenenmagier“ oder gar der „Große Ehsu“, die Gottheit der afrikanischen Sklaven leibhaftig? Reist er am Ende im Auftrag des Königs, um dessen Besuch seiner „Neuen Welt“ gebührend vorzubereiten?

Zwischenzeitlich scheint es, als sei dieser Richard Smith nur ein gewöhnlicher Dieb, der die Gelegenheit genutzt und „sich mit dem Wechsel vom Arbeitstische seines Meisters davongemacht hat“. Er landet im Schuldturm der Stadt und schreibt dort – in Erwartung des Galgens – seinem Vater einen letzten Brief, der einige Andeutungen seiner wahren Herkunft enthält. Vom Verdacht des Betrugs befreit – der Wechsel ist nämlich echt! – wendet sich das Blatt für Smith noch einmal. Dann ist es nicht ohne Ironie, dass er, der offenbar selbst, und ohne dass man es ihm ansieht, afrikanisches Sklavenblut in den Adern hat, den numidischen Prinzen Juba in einer Laieninszenierung von Addisons Cato gibt. Dass Spufford ausgerechnet diese Tragödie in seinem Neu York aufführen lässt, hat natürlich noch einen ganz anderen Grund. Ihr wird schließlich einiger Einfluss auf die anstehende amerikanische Revolution zugeschrieben: „Von nichts anderem zu sprechen, ist dieser Stund‘ Gebot, als von Triumph oder von Ketten, von Freiheit oder Tod“. Auf diesen Vers soll das berühmte Ultimatum des Unabhängigkeitskämpfers Patrick Henry zurückgehen: „Give me Liberty, or give me death!".

Nach dem Ausflug in den Schuldturm scheint es zunächst, als könnte Smith in der Neu Yorker Gesellschaft Fuß fassen. Er verliebt sich in die Tochter ausgerechnet des Kaufmanns, der seinen Wechsel einlösen soll – und diese, eine unnahbare Kratzbürste, verliebt sich in ihn. Dann leistet sich Smith aber einen Fehltritt mit der unbefriedigten Ehefrau des Majors und dieser Fehltritt hat weitreichende Konsequenzen: Es kommt zu einem (Schein-)Duell mit ungewollt tödlichem Ausgang; Smith gerät vollends zwischen die politischen Fronten, landet dieses Mal wirklich vor Gericht und wird – trotz mildem Urteil – zur persona non grata. Natürlich erfährt der Leser dann auch noch, wer dieser Richard Smith wirklich ist, wer ihn geschickt hat und was er mit dem Wechsel über 1000 Pfund Sterling im Schilde führt. Aber das wird jetzt nicht verraten, denn dann lesen Sie das Buch nicht mehr – und das wäre ein wirklich ein Jammer.

Denn Spufford ist mit Neu York ein lesenswerter – zumal sprachlich sehr ansprechender – Roman gelungen, auch wenn vielleicht nicht jede Wendung, die er seiner Geschichte gegeben hat, überzeugen kann. Was den historischen Hintergrund angeht, bleibt sich Spufford als Sachbuchautor treu. Er selbst sieht sein Neu York als ein „koloniales Gegenstück“ zu Henry Fieldings „Geschichte der Abenteuer des Joseph Andrews“. Dazu kann der Rezensent nichts beitragen. Er hatte zu Beginn einen leisen Anflug von Jack London („Lockruf des Goldes“).

Das Buch ist am Ende aber kein Abenteuerroman. Spufford knöpft sich den Gründungsmythos der USA vor, ohne dabei der typischen amerikanischen Selbstgefälligkeit auf den Leim zu gehen. Im Gegenteil karikiert Spufford eine Gesellschaft, die kurz davorsteht, sich moralisch über den europäischen Absolutismus zu erheben, die selbst aber zutiefst unmoralisch ist, weil sie genau die Freiheit, die sie für sich in Anspruch nehmen wird, von vorne herein nicht allen Menschen zugesteht. „All men are created equal“, das von Thomas Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung postulierte Menschenbild hatte mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Das ist im Kern ein Roman über die Schande der Sklaverei, aber Spufford arbeitet subtil und kommt – anders als Colson Whitehead („Underground Railroad“) – nicht mit dem Vorschlaghammer daher.

Prof. Dr. Michael Heese

13. April 2018

Friedmann

Buch1 Whitehead "Underground Railroad" von Colson Whitehead
vorgestellt von stud. med. Julius Friedmann 
- National Book Award 2016, 
Pulitzer Prize 2017 in der Kategorie "Fiction"

 

Walter

Buch 4 Geiger "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger
vorgestellt von Prof. Dr. Tonio Walter

 


vorheriges Bild laden
  • Al1 Runde1
  • Al1 Zuschauer1
  • Al1 Runde2
  • Al1 Friedmann
  • Al1 Zuschauer2
  • Al1 Heese
  • Al1 Walter
  • Al1 Gruppenbild
  • Walter2
  • Walter3
nächstes Bild anzeigen

  1. Fakultät für Rechtswissenschaft
  2. Bürgerliches Recht