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Professur für Fundamentaltheologie

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Romano Guardini 2018 Bild-endf

Guardini-Impulse

Im Rückblick auf die Ausstellung „Vom Geist der Liturgie.

  

Zitat 3

Die allgemeine religiöse Erfahrung kommt daher, dass die Welt „von Gott geschaffen ist und nur durch ihn besteht; dass sie von ihm durchwirkt ist, und alles in ihr Ihn ausdrückt, denn ‚in ihm leben und bewegen wir uns und sind wir‘. So kann das ‚Numinose‘ zunächst nichts anderes sein als die ‚natürliche Selbstbezeugung‘ Gottes in seiner Schöpfung; das mit dem Sein der Dinge selbst gegebene Durchscheinen des göttlichen Urhebers; die an der Wirklichkeit der Dinge zur Geltung kommende Vibration des schöpferischen Gottes-Aktes.“ [RE 72]

Doch bleibt diese religiöse Erfahrung zu verworren und widersprüchlich, als dass sich hieraus ein klarer Blick auf das Wesen Gottes und auf die Konsequenzen im innerweltlichen Dasein gewinnen lassen. Gerade ein Blick auf die religiöse oder pseudoreligiöse Grundierung der nationalsozialistischen Ideologie lässt erkennen, „was für eine gewaltige und gefährliche Energie die religiöse ist, und wie problematisch, wie wahrhaft beunruhigend die Spannungen werden müssen, wenn sie in solche Einheit mit der realistischsten aller Aufgaben, der politischen, gebracht wird. Nitroglyzerin ist gut, aber man kann damit keinen Mörtel anrühren, um ein Haus zu bauen.“ [RO 64]

Offenbarung und Welt stehen sich in einer Dialektik gegenüber, die noch einmal qualitativ anders ist als die Dialektik „Weltlichkeit – religiöse Erfahrung“. „Jene ist von dieser grundsätzlich unabhängig; behütet sie und nimmt sie zugleich unter Kritik – wie auch die religiöse Kultur vom Glauben her sowohl gefördert als erschüttert wird.“ [RE 66] Daher hat die Dialektische Theologie Recht, wenn sie die radikale Andersheit von Offenbarung und Glaube betont: „‚Offenbarung ist der Anruf, welche der heilig-selbstherrliche Gott an den Menschen richtet; ebendarin enthüllend, wer Er, Gott, ist – und wer, Ihm gegenüber, der Mensch. […] ‚Glaube‘ aber ist nicht Erlebnis, Erschütterung, erfahrungsentsprungene Überzeugung, sondern zunächst und wesentlich Gehorsam gegen diesen Anruf; Treuknüpfung an die von dorther redende Person; Bewusstsein, von ihr bestimmt, gerichtet und zugleich in einen neuen, anfangsetzenden Bezug des Heils aufgenommen zu sein.“ [RE 63]

Allerdings darf diese Entgegensetzung nicht übersteigert werden: „Den Radikalismus der dialektischen Theologie, welche den Unterschied des Christlich-Anderen gegenüber dem Religiös-Anderen bis zur Beziehungsunmöglichkeit steigert, müssen wir ablehnen. Im religiösen Erfahren wird doch von ‚Gott‘ geredet, und zwar mit Evidenz …“ [RE 72] Darum muss diese nicht aus dem Offenbarungsglauben konsequent entfernt werden, sondern kann auch positiv integriert werden. Ja: „Erst von der Offenbarung her kann die freie religiöse Erfahrung, samt dem auf sie bezogenen Denken und schaffen, sowie den aus ihr entspringenden Gebilden (Religionen) zu Gott heimgeholt werden, indem das alles in den Dienst des Glaubens tritt. Dann wird die religiöse Erfahrung aus ihrer Zweideutigkeit gelöst, und unter der Hut des Glaubens zu einem christlich bejahenden Element des Daseins gemacht. Ja durch sie gewinnt der Glaube erst jene schöpferischen Kräfte, deren er zu seiner Entfaltung bedarf.“ [RE 74]

„Wenn, um ein Beispiel zu nennen, ein empfänglicher Mensch die Natur und ihr geheimnisvolles Wirken erlebt, so kann ihm daraus ein numinoses Element entgegentreten. Nimmt er das für sich, deutet er es allein aus ihm selbst, dann kommt er zur Vorstellung göttlicher Frühlingsmächte, einer schaffenden Mutter Erde, also einer Gott-Natur in irgendeiner Form. Damit hat er aber die tatsächlich vorhandenen numinosen Elemente der Naturerfahrung missverstanden, gleitet vom Lebendigen Gott ab, und gerät in eine Naturverfangenheit. Franz von Assisi hat diese Erfahrung in intensivster Form gemacht. Er hat aber im eindeutigen Glauben an den Lebendigen Gott gestanden, den Schöpfer der Welt, den Erlöser von Sünde, den Heiliger durch Gnade, Liebe und Selbstüberwindung. So hat er untrüglich gewusst, wie es mit jenen numinosen Elementen bestellt ist: dass sie Spuren dieses Gottes sind; Zeugnisse dafür, dass wir ‚in ihm uns bewegen, leben und sind‘; Schwingungen gleichsam seiner lebendigen Schaffensmacht in die Welt hinein. Also hat er diese Qualitäten nicht um ein autonomes Weltzentrum gesammelt, sondern sie auf den geoffenbarten souveränen Schöpfer bezogen. Die Erfahrung des religiösen Charakters der Natur ist von seinem Glauben an den Herrn der Schöpfung übergriffen worden. So ist sie von dorther gereinigt und hat ihre Fülle in die Glaubensvorstellung von Gott, dem Schöpfer, dem Vorsehenden, dem Reichen und Gütigen hineingetragen.“ [RE 74f.]

 

In diesem Monat handelt es sich um ein Sammelzitat, das aus folgenden Schriften Guardinis zusammengestellt ist: RE = Religiöse Erfahrung und Glaube [urspr. 1934], in: Ders., Unterscheidung des Christlichen. Bd. 2: Aus dem Bereich der Theologie (Romano Guardini Werke), Mainz/Paderborn 1994, 41–75. RO = Die religiöse Offenheit der Gegenwart. Gedanken zum geistigen und religiösen Zeitgeschehen (1934). Hg. von Stefan Waanders (Romano Guardini Werke), Ostfildern/Paderborn 2008.


Frühere Zitate aus dieser Reihe: siehe Archiv

Siehe auch der kurze Überblick über die Geschichte der Fundamentaltheologie in Regensburg.

 

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